Berufungsverfahren nach mildem Urteil für Totraser

Fall Theresa Stahl wieder vor Gericht: Vater möchte "endlich verstehen, was passiert ist"

Sechs Tage nach dem Unfall starb Theresa an den schweren Verletzungen.
Sechs Tage nach dem Unfall starb Theresa an den schweren Verletzungen.
© Privat

21. September 2021 - 20:08 Uhr

Fuhr der betrunkene Fahrer absichtlich auf Theresa zu?

Wieder wird der Fall der totgerasten Theresa Stahl vor Gericht verhandelt, die nach einem Unfall in Untereisenbach bei Würzburg ums Leben kam. Diesmal geht es darum, ob vielleicht doch mehr hinter dem Tod der jungen Frau steckt als eine Trunkenheitsfahrt. Könnte sie sogar absichtlich angefahren worden sein? Das könnte auch eine geänderte Anklage gegen Fahrer Nicolas H. zur Folge haben, der an Theresas Tod schuld ist. Theresas Vater Ronald Stahl wünscht sich nichts mehr, als dass seine Familie endlich mit dem furchtbaren Geschehen abschließen kann. Besonders erschreckend für ihn ist das Schweigen der jungen Männer, die in dem Auto saßen, durch das seine Tochter starb.

Betrunkener überfährt Theresa mit 2,89 Promille Alkohol im Blut

Webseite der Aktion "Gegen Alkohol am Steuer." (Screenshot)
Webseite der Aktion "Gegen Alkohol am Steuer." (Screenshot)

Dass der Fahrer und seine Begleiter in jener verhängnisvollen Nacht nichts zur Sache aussagen, belastet ihn schwer. "Das ist eigentlich das Schlimmste", sagt er unserer Reporterin Michaela Johannsen. "Wenn ich dann die Anwälte höre, die behaupten, dass sie alle mitgearbeitet und alles gesagt haben, was da ist, dann habe ich meine Zweifel."

Er erhofft sich von den neuen Zeugenaussagen endlich Klarheit darüber, was in der Nacht passiert ist. "Dass die Zeugen und auch die Fahrer alles auf den Tisch legen, damit wir endlich verstehen, was passiert ist."

Zu Beginn des Berufungsprozesses gegen das ursprüngliche Urteil hatte sich der Verdacht erhärtet, dass der volltrunkene Fahrer Nicolas H. gezielt auf die junge Frau zugefahren sei. Theresas Freund hatte mehrfach ausgesagt, er habe wahrgenommen, dass H. extra einen Schlenker gefahren sei, um die junge Frau zu treffen.

Beifahrer soll gesagt haben: "Fahr sie um oder überfahr' sie"

Zudem hatte eine Zeugin angegeben, dass einer der Beifahrer erzählt habe, dass er "Fahr sie um oder überfahr' sie" zum betrunkenen Fahrer gesagt haben will.

Nach den teils überraschenden Aussagen war der Berufungsprozess im vergangenen Jahr ausgesetzt worden, um Zeit für neue Ermittlungen zu schaffen.

In einem ersten Prozess war der Todesraser zu 5.000 Euro Geldstrafe und einem Jahr Führerscheinentzug verurteilt worden, die Mitangeklagten zu unterschiedlich hohen Geldstrafen. Der Richter sagte damals zu Ronald Stahl: "Es fällt mir auch schwer ihnen in die Augen zu gucken, aber das Urteil ist im Namen des Volkes, des Gesetzes ergangen. Das Volk muss schon ein paar Semester studieren um zu verstehen, was da herausgekommen ist."

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Die Unglücksnacht im April 2017

  • Theresa will, weil sie etwas getrunken hat, ihr Auto in der Unglücksnacht stehen lassen. Ein Bekannter nimmt sie mit. Das letzte Stück des Heimwegs zu ihrer Wohnung im Ort Untereisenheim gehen sie zu Fuß.
  • Zur gleichen Zeit etwas entfernt machen sich die vier Angeklagten auf den Rückweg von einem Weinfest. Niclas sei erstmal mit dem Wagen eine Runde gedriftet und wäre "Donuts" gefahren, sagt einer der Mitfahrer vor Gericht aus. Er habe geschrien, er möchte aus dem Auto raus. Aber Niclas H. hielt nicht an.
  • Um 3.38 Uhr, so rekonstruier­t es die Polizei, rast Niclas H. im VW Golf mit über 60 Stundenkilometern zunächst an Theresas Freund vorbei und erfasst dann die 20-Jährige. "Ihr Freund hat keine Bremslichter gesehen, die sind volle Kanne weitergefahren", sagt Theresas Vater, Roland Stahl.
  • Niclas H., der Fahrer des Golfes, begeht Unfallflucht. Weit kommt er nicht. Er landet in einem Graben. Als die Polizei ihn aus dem Auto holt, hat er 2,89 Promille Alkohol im Blut. Theresa kommt mit lebensgefährlichen Verletzungen in die Würzburger Uniklinik. Sie wird mehrfach operiert, doch am Ende sind alle Bemühungen vergebens. Sechs Tage nach dem Unfall stirbt sie.

Theresas Familie startet Aktion gegen "Alkohol am Steuer"

Theresas Familie ist es ein besonderes Anliegen auf den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol aufmerksam zu machen.

Mit der Kampagne "Gegen Alkohol am Steuer" versuchen sie, an die schrecklichen Umstände von Theresas Tod zu erinnern. Im Video: die emotionalen Worte der Angehörigen.