Unfassbare Wende im Fall der toten jungen Frau

Wurde Theresa Stahl (†20) in Eisenheim gezielt überfahren?

Sechs Tage nach dem Unfall starb Theresa an den schweren Verletzungen.
Sechs Tage nach dem Unfall starb Theresa an den schweren Verletzungen.
© Privat

17. September 2020 - 23:14 Uhr

War es doch kein Unfall unter Alkoholeinfluss - sondern Mord?

Im April 2017 wurde die erst 20 Jahre alte Theresa Stahl in Eisenheim auf ihrem Heimweg von Niclas H. totgefahren – er hatte zur Tatzeit 2,89 Promille. Der Fall und auch das Urteil sorgten in ganz Deutschland für Aufsehen, denn der junge Mann wurde lediglich zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro und einem Jahr Fahrverbot verurteilt. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein – mit Erfolg. Zu Beginn des Berufungsprozesses scheint sich nun zu offenbaren, was wirklich in der Nacht vom 23. April 2017 geschah: Niclas H. könnte einer neuen Zeugenaussage zufolge absichtlich auf die junge Frau gelenkt haben.

Beifahrer aus dem Unfallauto festgenommen

Wie RTL aus Kreisen der Prozessbeteiligten erfuhr, wurde den Ermittlern einen Tag nach Beginn des Berufungsprozesses bekannt, dass aus dem Umfeld der vier Angeklagten Hinweise kamen, die ein absichtliches Handeln vermuten lassen. Einer der vier jungen Männer im Auto soll erzählt haben, der Fahrer habe Theresa, die am Straßenrand als Fußgängerin unterwegs war, gezielt angefahren – angestiftet von einem Mitfahrer. Niclas H. soll demnach sogar noch Gas gegeben haben. Nach dem Unfall ließen die jungen Männer Theresa einfach auf der Straße liegen.

Fahrer Niclas H., der sich während der Hauptverhandlung im Herbst völlig emotionslos und kalt präsentierte, wurde nun festgenommen. Ebenso sein Beifahrer Marius H.

Sollte sich der Verdacht erhärten, könnte es zu einer Anklage wegen Mord kommen

Zeugen hätten demnach beobachtet, wie der Wagen einen "Schlenker" auf Theresa gemacht habe. Darauf gingen im Prozess im Herbst 2019 weder der Richter noch die Staatsanwältin ein. Bisher gingen die Prozessbeteiligten davon aus, dass der stark betrunkene Fahrer Schlangenlinien gefahren war. Dabei sagte ein Freund von Theresa, der bei dem Unfall dabei war, bereits im ersten Prozess: "Nach meinem Empfinden hat er noch einen Schlenker nach rechts gemacht."

Der Berufungsprozess am Landgericht Würzburg – unter der Anklage der fahrlässigen Tötung in einem und der unterlassenen Hilfeleistung in drei Fällen – wird nächsten Donnerstag fortgesetzt. Freitag sollte das Urteil fallen. Bestätigen sich die aktuellen Aussagen, beginnt der Prozess beim Schwurgericht als Mordprozess von vorne. Die Festnahme des Beifahrers erfolgte, so ist es aus Ermittlerkreisen zu hören, wegen des Verdachts der Anstiftung zum Mord.

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Im Video: Das sagte Theresas Familie damals zum milden Urteil

Endlich Gerechtigkeit für Theresa?

Das im Herbst ergangene Urteil war für die Familie damals ein harter Schlag. Pubertierendes Verhalten und 2,89 Promille Alkohol im Blut, Lügen und durch den Angeklagten gesäte Zweifel im Gericht, all das habe zur Geldstrafe und dem Führerscheinentzug nach Jugendstrafrecht geführt, sagte der Richter damals. Dieses Urteil gegen "einen Sturzbesoffenen" sei ein "Freifahrtschein für alle Jugendlichen, die jetzt eigentlich machen können, was sie wollen", erklärte Theresas Vater Ronald Stahl damals. Ob die Familie nun endlich Gerechtigkeit für den viel zu frühen Tod von Theresa bekommt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.