Verdächtiger im Fall Maddie McCann

EuGH-Anwalt legt Gutachten vor: Rückschlag für Christian B.

Christian B. wird verdächtigt, Maddie McCann entführt und ermordet zu haben.
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07. August 2020 - 10:16 Uhr

Maddie-Verdächtiger mit schlechten Chancen auf Freilassung

Christian B., der Verdächtige im Fall Madeleine McCann, musste bei seinen Bemühungen um eine Freilassung aus dem Gefängnis einen Rückschlag hinnehmen. Ein Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes kam in einem Gutachten zum Ergebnis, dass der 43 Jahre alte Deutsche im Dezember 2019 vom Landgericht Braunschweig wegen der Vergewaltigung einer 72-jährigen US-Amerikanerin verurteilt werden durfte.

Fall Maddie McCann: Christian B. wegen anderer Straftat ausgeliefert

Der zuständige Generalanwalt legte sein Rechtsgutachten zu einer Beschwerde von Christian B. am Donnerstag vor. Konkret geht es in dem Verfahren darum, dass B. eine Aufhebung des Urteils wegen der Vergewaltigung der US-Amerikanerin fordert, weil er ursprünglich auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls für eine andere Straftat an Deutschland ausgeliefert worden war. Er verweist dabei darauf, dass es EU-Regeln für den Europäischen Haftbefehl verbieten, dass jemand dann auch wegen anderer vor der Auslieferung begangener Straftaten belangt wird.

Nach dem Rechtsgutachten ist diese Regelung aber für den Fall irrelevant, da der Mann Deutschland zwischenzeitlich wieder freiwillig verlassen hatte und erst über einen neuen Europäischen Haftbefehl zurück nach Deutschland kam. Dieser wurde von Behörden in Italien vollstreckt - die auch zustimmten, dass der Mann wegen der Vergewaltigung verfolgt und verurteilt wird. In diesem Fall greifen die Einschränkungen für den ersten Haftbefehl nach Auffassung des Generalanwalts nicht mehr.

Das Gutachten ist für die EuGH-Richter nicht bindend, meist folgen sie aber der Einschätzung des zuständigen Generalanwaltes.

Auswirkungen auf den Fall Maddie

Relevant ist das Verfahren auch wegen möglicher Auswirkungen auf den Fall der vor 13 Jahren verschwundenen Britin Maddie McCann. Sollte B. vom EuGH Recht bekommen, könnte ihm womöglich in Deutschland nicht der Prozess gemacht werden. Er wird inzwischen verdächtigt, die dreijährige Britin 2007 aus einer Ferienanlage an der portugiesischen Algarve entführt zu haben. Die deutschen Ermittler gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist.

Christian B. wegen Missbrauch und Drogenhandel im Gefängnis

Der Verdächtige war ursprünglich 2017 von Portugal an Deutschland übergeben worden, damit er dort wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes belangt werden konnte. Die wegen dieser Tat gegen ihn verhängte Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verbüßte er laut EuGH-Angaben bis zum 31. August 2018. Derzeit sitzt er in Kiel eine weitere Gefängnisstrafe von 21 Monaten wegen Drogenhandels ab.

Danach könnte er nach derzeitigem Stand zunächst einmal die Strafe wegen Vergewaltigung der zur Tatzeit 72 Jahre alten Amerikanerin antreten müssen. Die Strafe war unter Einbeziehung früherer Verurteilungen auf sieben Jahre gesetzt worden. Die Vergewaltigung wurde 2005 in Praia da Luz verübt - dem späteren Entführungsort von Maddie.

Urteil gegen Christian B. in den kommenden Monaten erwartet

Nach der Vorlage der sogenannten Schlussanträge durch den Generalanwalt wird in den kommenden Monaten ein Urteil des EuGH erwartet. Dass es im Sinne des Angeklagten ausfällt, galt zuletzt als unwahrscheinlich.

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