Rüdiger von Fritsch: Russland bombardiert gezielt Getreidesilos

Ex-Botschafter: Putin will mit Hungersnot Flüchtlingsstrom nach Europa treiben

 Russia Putin Security Council 8195544 20.05.2022 Russian President Vladimir Putin chairs a meeting with members of the Security Council via teleconference call at the Novo-Ogaryovo state residence outside Moscow, Russia. Mikhail Metzel / Sputnik Nov
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen mit dem Sicherheitsrat
www.imago-images.de, IMAGO/SNA, IMAGO/Mikhail Metzel

Der ehemalige deutsche Botschafter in Russland zeichnet ein klares Bild, wie Wladimir Putin im Konflikt mit Europa Hunger als Waffe einsetzen will. Ziel sei es, Europa durch massive Flüchtlingsbewegungen zu destabilisieren, sagte der Diplomat Rüdiger von Fritsch dem „Tagesspiegel“.

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von Fritsch: Putin will Europa mit neuen Flüchtlingsströmen destabilisieren

„Putins Kalkül besteht darin, dass nach dem Zusammenbruch der Getreidelieferungen die hungernden Menschen aus diesen Regionen fliehen werden und versuchen, nach Europa zu kommen - wie damals die Millionen Syrer, die vor den Schrecken des Krieges flohen.“

Deshalb hindere Russland die Ukraine daran, Getreide zu exportieren und bombardiere Getreidesilos, sagte von Fritsch. „Mit neuen Flüchtlingsströmen will er Europa destabilisieren und politischen Druck aufbauen, damit westliche Staaten ihre harte Haltung gegen Russland aufgeben. Das ist seine neue hybride Kriegsführung“, sagte von Fritsch.

Unter hybride Kriegsführung versteht man auch den Einsatz nichtmitlitärischer Mittel wie beispielsweise Cyberangriffe oder Desinformationskapagnen.

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Russland blockiert in der Ukraine die Ausfuhr von 20 Millionen Tonnen Getreide

Die Ukraine ist einer der größten Getreideproduzenten der Welt. Der Export über die ukrainischen Seehäfen ist wegen des russischen Angriffskrieges allerdings zum Erliegen gekommen. Nach Angaben der Bundesregierung blockiert Russland in der Ukraine die Ausfuhr von 20 Millionen Tonnen Getreide vor allem nach Nordafrika und Asien, ein Großteil davon im Hafen von Odessa.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte am Samstag laut der „New York Times“ ebenfalls vor einer globalen Ernährungskrise, wenn Russland nicht bald an der Blockade der Weizenlieferungen gehindert werde. Er brachte dafür eine „militärische Lösung“ ins Spiel.

Der US-Sender NBC News hatte Anfang Mai berichtet, dass Selenskyj in in einem Gespräch mit US-Abgeordneten den Wunsch nach modernen Anti-Schiffsraketen geäußert habe, um die russische Blockade der ukranischen Häfen zu brechen. (dpa, swi)

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