RTL meldet sich live von Bord in Italien

Erste AIDA-Kreuzfahrt nach dem Corona-Stillstand - RKI mit schlechter Nachricht

16. Oktober 2020 - 21:24 Uhr

AIDA startet wieder Kreuzfahrten - RKI erklärt Teile Italiens zum Risikogebiet

Am Samstag soll nach sieben Monaten Corona-Stillstand die erste AIDA-Kreuzfahrt starten – in Italien. Doch am Donnerstag kam genau von dort eine schlechte Nachricht: Die Infektionszahlen in dem Land sind so hoch, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) Teile Italiens zum Risikogebiet erklärt hat. Dazu zählen auch die Regionen Kampanien und Ligurien mit den Städten Neapel und La Spezia. Unter anderem diese Städte will das Kreuzfahrtschiff "AIDA blue" ansteuern. Das Auswärtige Amt hat für diese Regionen eine Reisewarnung ausgesprochen. Jetzt könnte das für deutsche Urlauber Quarantäne nach der Reise bedeuten.

So will AIDA Italien-Urlaubern helfen

AIDA hat auf die Nachricht vom Robert-Koch-Institut (RKI) reagiert und schreibt seinen Gästen: "Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Risikogebiets-Einteilung des RKI bieten wir allen Gästen unserer ,Bella Italia' Reisen an, sich vor der Heimreise an Bord präventiv auf COVID-19 testen zu lassen. Die Kosten für den COVID-19-Test übernimmt AIDA. Bevor Sie diesen Service nutzen, empfehlen wir, sich über die aktuellen Einreisebestimmungen Ihrer Heimatregion zu informieren. Sollten diese einen COVID-19-Test voraussetzen, um eine Quarantäne zu vermeiden bzw. deutlich zu verkürzen, ist der kostenfreie Test an Bord sinnvoll." An den Italien-Reisen hält AIDA fest.

Wie läuft die Kreuzfahrt in Corona-Zeiten?

Wer trotz Corona-Pandemie eine AIDA-Kreuzfahrt machen möchte, muss sich auf einige Änderungen einstellen: Maskenpflicht und Abstandsregeln gelten auch an Bord. Ein Trackingsystem zeichnet digital auf, wer sich wann wo aufhält, um mögliche Infektionen im Ernstfall nachverfolgen zu können. In den Restaurants gibt es kein Buffet mehr, sondern Service am Tisch. "Das ist die spannendste Reise meines Lebens", sagt selbst Kapitän Jens Janauschek.

"Jeder Gast, der an Bord kommt, wird getestet. Die Crew-Mitglieder sind getestet", erklärt der Hoteldirektor der "AIDA Blu", Martin Röstel. Gäste, die aus einen Risikogebiet kämen, müssten vor Ort noch mal einen Schnelltest machen.

Bordhospital ist auf den Ernstfall vorbereitet

Im Bordhospital auf dem Kreuzfahrtschiff stehen zwei deutschsprachige Ärzte zur Verfügung, um die Gäste zu versorgen. Außerdem habe das Schiff acht Corona-Schnelltest-Geräte an Bord. Innerhalb von einer Stunde könne man also 200 Coronatests an Bord machen, erklärt der Kapitän. 100-prozentige Sicherheit gebe zwar nicht, sagt Janauschek. "Wir können mit unserem Konzept Corona an Bord weitestgehend ausschließen."

Michael Thamm, der Vorsitzende der Costa-Gruppe, hofft, dass die Kreuzfahrten mit dem neuen Sicherheitskonzept wieder anlaufen können. "Am 31. Dezember 2019 hatten wir das beste Jahr unserer Unternehmensgeschichte, dass wir einen Tag späte in das schlechteste Geschäftsjahr in der Unternehmensgeschichte starten würden, hätte ich mir nicht im Traum vorstellen können", erklärt er im RTL-Interview. Er gehe jeden Tag zur Arbeit, um 25.000 Jobs zu retten. Von der Politik fühle er sich "im Regen stehen gelassen".

Gesamte Kreuzfahrtbranche hart vom Coronavirus getroffen

Ferienreporter Ralf Benkö hilft auf Sardinien.
RTL-Reise-Experte Ralf Benkö beantwortet im Livestream die wichtigsten Fragen zu Urlaub in Corona-Zeiten.

Die Kreuzfahrtbranche ist – wie die gesamte Tourismusbranche – schwer von der Corona-Krise getroffen worden. Monatelang konnte kein Schiff aus Gründen des Infektionsschutzes ablegen. Im Vergleich zur AIDA hat Konkurrent TUI Cruises deutlich früher wieder mit dem Betrieb begonnen: Ende Juli hatte das erste Schiff in Hamburg abgelegt. Zunächst wollte AIDA im August neu starten – doch immer wieder gab es Probleme. Die Flotte mit dem Kussmund fährt unter italienischer Flagge – und das schwer von Corona gebeutelte Italien hatte AIDA immer wieder einen Strich durch die Pläne gemacht. Nun startet die erste Kreuzfahrt unter Corona-Bedingungen am 17. Oktober – sogar mit Landgang für die Reisenden.

Corona ist das Angst-Thema aller Reedereien - Schock bei TUI Cruises klärt sich schnell

29.09.2020, Griechenland, Piräus: Das Kreuzfahrtschiff «Mein Schiff 6» mit mehreren Corona-Infizierten an Bord hat am frühen Dienstagmorgen in der griechischen Hafenstadt Piräus angelegt. Alle Reisenden und Crewmitglieder sollen einen Coronavirus-Tes
«Mein Schiff 6» mit 12 Corona-Fällen an Bord in Piräus (Griechenland) - am Ende ein Fehlalarm!
© dpa, Socrates Baltagiannis, kno

Wie schnell das Thema Corona auf einem Kreuzfahrtschiff brisant werden kann, hat der Fall der "Mein Schiff 6" von TUI Cruises gezeigt. Ende September waren zwölf Crew-Mitglieder positiv auf Corona getestet worden. Riesiger Schock für alle Reedereien! Die zwölf positiven Corona-Tests waren fehlerhaft und TUI konnte die Reise der "Mein Schiff 6" fortsetzen. Entsprechend hoch ist trotz aller Vorbereitung jetzt auch die Anspannung bei AIDA. Die Reederei hofft, dass der Neu-Start nach sieben Monaten Zwangspause gut geht.

Das sagen Experten zur Kreuzfahrt in Corona-Zeiten

RTL-Reiseexperte Ralf Benkö meint, dass man sich eine Kreuzfahrt im Moment gut überlegen müsste. Einerseits gebe es jetzt gerade günstige Angebote, andererseits müsse man sich auch darauf einstellen, dass man im schlimmsten Fall auch tagelang in seiner Kabine in Quarantäne müsse, wenn man sich doch infiziere. Außerdem müssten Urlauber in Kauf nehmen, dass man gerade viele Häfen nicht anlaufen könne. "Man muss flexibel bleiben und sich darauf einstellen, dass es Überraschungen gibt", rät Ralf Benkö allen, die gerade einen Urlaub planen.

Auch Hygiene-Experte Dr. Zinn erklärt im RTL-Interview, dass auch wenn alle Reisende an Bord getestet würden, keine 100-prozentige Sicherheit bestehe. Ein Coronatest sei immer nur eine Momentaufnahme. "Wenn ich gestern feiern war, kann ich die nächsten zehn bis 14 tage noch positiv werden", sagt Dr. Zinn. Auf einem Kreuzfahrtschiff sei das Risiko, dass sich Infektionen verbreiten, besonders groß, weil sich dort viele Menschen auf relativ engem Raum immer wieder begegnen.