Attendorn: So spielte die Mutter allen vor, sie wolle nach Italien

Vater der eingesperrten Achtjährigen fand geheimnisvollen Zettel am Auto

Kind jahrelang in Haus gesperrt Mädchen (8) sah nie die Außenwelt
03:20 min
Mädchen (8) sah nie die Außenwelt
Kind jahrelang in Haus gesperrt

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Der Fall des jahrelang isolierten Mädchens aus Attendorn ist verstörend. Das Kind ist acht Jahre alt, war noch nie auf einem Kinderspielplatz, hat nie mit Gleichaltrigen gelacht, geweint oder getobt. Sie hatte immer nur ihre Mutter und ihre Großeltern. Wie kann es sein, dass nie jemand etwas vom Schicksal des Mädchens mitbekommen hat? Unser Reporter Klaus Felder hat sich in Attendorn auf Spurensuche begeben – im Video.

Frau soll Burka getragen haben, um nicht erkannt zu werden

Felder spricht mit Familienangehörigen vom Vater der Kleinen. Er hatte 2016 vor Gericht erwirkt, dass sich die Eltern das Sorgerecht teilen. Doch schon, als er das Gericht verlässt, fehlt von seiner Tochter jede Spur. Stattdessen klebt ein geheimnisvoller Zettel an seinem Auto. Darauf steht, dass die Mutter sich mit dem Kind nach Italien absetzen wird.

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Die Frau meldet sich und ihre Tochter beim Einwohnermeldeamt ab, erweckt so den Eindruck, ihren Plan in die Tat umgesetzt zu haben. Viele Menschen haben jedoch Zweifel daran. Auch der Vater, erfährt Felder. Der will seine Ex-Freundin zweimal in Attendorn gesehen haben. „Sie soll eine Burka getragen haben, vermutlich um unerkannt zu bleiben“, sagt er.

Mädchen habe die Außenwelt "positiv aufgenommen"

Der Bruder der Frau soll nach Italien gereist sein und dort festgestellt haben, dass seine Schwester und das Kind dort nie gelebt hätten. Dies habe er den Behörden gemeldet. Damit konnte die Staatsanwaltschaft jene Hausdurchsuchung erwirken, bei der das Kind gefunden wurde, so der Reporter.

Ende September wird das Mädchen aus ihrer Gefangenschaft befreit. Die Achtjährige wird bei einer Pflegefamilie untergebracht. Offiziellen Angaben zufolge geht es ihr den Umständen entsprechend gut. Sie sei nicht misshandelt worden, auch habe sie nicht verwahrlost gewirkt. Zudem könne sie lesen, rechnen und schreiben. Und sie sei stark traumatisiert. Der Vater will jetzt, dass seine Tochter zu ihm kommt. Er möchte ihr die Welt zeigen, von der sie acht lange Jahre nichts sehen durfte. (rtl/uvo)