Frau vor den Augen der Tochter erstochen

Doppelmord im Eifersuchtswahn: Barzan H. muss lebenslang ins Gefängnis

Der Angeklagte wurde wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht in Oldenburg stellte außerdem die besondere Schwere der Schuld fest.
Der Angeklagte wurde wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht in Oldenburg stellte außerdem die besondere Schwere der Schuld fest.
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13. Mai 2022 - 19:10 Uhr

Barzan H. muss lebenslang hinter Gitter, weil der 34-Jährige im Eifersuchtswahn zwei Morde beging. Das Landgericht Oldenburg sah es als erwiesen an, dass der Familienvater im Oktober 2021 seine nach jesidischem Recht geheiratete Frau vor den Augen der achtjährigen gemeinsamen Tochter umbrachte. Außerdem soll er noch einen 23-Jährigen aus Delmenhorst getötet haben, weil er fälschlicherweise annahm, er sei der Geliebte seiner Frau.

Gericht stellt besondere Schwere der Schuld bei Barzan H. fest

Der Vorsitzende Richter verurteilte Barzan H. darum zu lebenslanger Haft. Das Gericht stellte außerdem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit wird es für den Verurteilten schwierig, möglicherweise schon nach 15 Jahren wieder aus der Haft freizukommen.

Der Angeklagte habe seine Taten wegen eines krankhaften Eifersuchtswahns begangen, sagte Bührmann. Dabei sei dieser aber voll steuerungsfähig gewesen. Für beide Opfer seien die Angriffe des 34-Jährigen völlig unvorhersehbar gewesen. Als der Angeklagte zu seiner Frau sagte, dass er sie jetzt töten werde, habe diese das zunächst für einen Witz gehalten, so der Richter. Der Angeklagte hatte die Taten zwar gestanden, "aber die Beweislage war auch erdrückend", erklärte Bührmann.

09.05.2022, Niedersachsen, Oldenburg: Ein Schild mit dem niedersächsischen Landeswappen steht vor dem Eingang zum Landgericht Oldenburg, wo ein Prozess wegen zweifachen Mordes fortgesetzt wird. Der angeklagte Mann soll im Oktober 2021 in Delmenhorst
Prozess wegen zweifachen Mordes am Landgericht Oldenburg
© dpa, Hauke-Christian Dittrich, hcd yen

Barzan H.s Verwandte sollen ihn bei der Tat unterstützt haben

Barzan H. soll sich nach dem Tod seiner Mutter einige Monate vor der Tat stark verändert haben, sagten Zeugen vor Gericht aus. Er unterstellte seiner 27 Jahre alten Frau eine Affäre, doch die war offenbar ein reines Produkt seiner Fantasie. Offenbar steigerte sich Barzan H. immer mehr in seine Eifersucht hinein, dass er schließlich den Entschluss fasste, seine Frau zu töten. Das Vorhaben sei von mehreren männlichen Verwandten unterstützt worden.

Am 3. Oktober soll sich der Angeklagte dann mit seinen Verwandten, darunter Brüder und Cousins, getroffen haben und die Männer fuhren zusammen in eine Bar nach Delmenhorst. Dort passte der 34-Jährige seinen angeblichen Nebenbuhler ab und tötete ihn laut Gericht mit 29 Messerstichen.

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Angeklagter tötete Frau mit 21 Messerstichen

Die anderen Männer sollen ihn davon weder abgehalten noch den Notruf gewählt haben. Im Gegenteil – ein Familienmitglied soll nach der Tat zu Barzan H. gesagt haben: "Das hast du gut gemacht." Die Staatsanwaltschaft hat darum im April Anklage wegen Beihilfe zum Mord gegen sechs Verdächtige erhoben, vier davon sitzen in Untersuchungshaft.

Nach dem Mord in der Bar fuhr Barzan H. nach Auffassung des Gerichts nach Hause. Er lebte zusammen mit seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern in einer Wohnung. Dort soll er dann 21-mal auf die 27-Jährige eingestochen haben – alles vor den Augen seiner Tochter. Die Mutter wurde bei der Attacke so schwer verletzt, dass sie später im Krankenhaus starb.

Barzan H. prahlte im Internet mit den Morden

Nach dem zweiten Mord nahm der Angeklagte dann offenbar noch ein Video auf, in dem er sich zu den Taten bekannte und postete es in sozialen Netzwerken. "Sie haben damit im Internet geprahlt", warf Bührmann dem Angeklagten vor. Er habe geglaubt, dass er nach jesidischem Recht so handeln dürfe. Tatsächlich habe er aber zwei Familien zerstört, erklärte der Richter, als er das Urteil verkündete. (jgr, mit dpa)