Diabetes, Krebs, Autoimmunkrankheiten

Was unsere Tränen über unsere Gesundheit verraten

Tränen geben offenbar viel mehr Aufschluss über unsere Gesundheit, als wir denken
Tränen geben offenbar viel mehr Aufschluss über unsere Gesundheit, als wir denken
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03. Mai 2021 - 13:50 Uhr

Brustkrebs: Tränen-Schnelltest in 10 Minuten?

Tränen lügen nicht: Sie enthalten viel mehr als nur Wasser und Salz. Das will sich die Wissenschaft zu Nutze und damit unangenehme oder sogar schmerzhafte Untersuchungen beim Arzt überflüssig machen. Denn was Tränen über unseren Körper verraten, ist erstaunlich – und auch andere Sekrete wie Ohrenschmalz und Schweiß könnten bald eine wichtige Rolle bei der Erkennung von schweren Krankheiten wie Gicht oder Depressionen spielen.

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Ein Forscherteam der japanischen Kobe Universität hat einen Test entwickelt, der anhand von Zellen in der Tränenflüssigkeit Brustkrebs einfach und innerhalb weniger Minuten erkennen soll. Die Tränen werden mit einem Papierstreifen aufgefangen und mit einem Scanner auf sogenannte Exosome geprüft. Das sind kurierartige Partikel, die unter anderem von Krebszellen abgegeben werden.

"Tränen zu nutzen, könnte die Untersuchungskosten drastisch reduzieren und ein viel schnelleres Aufspüren von bösartigen Krebszellen ermöglichen, als es Mammografien derzeit können", erklärt Studienleiter Prof. Toshifumi Takeuchi der "Daily Mail". Der Test könnte schon nächstes Jahr auf den Markt kommen.

Diabetes: Tränen- statt Bluttests

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Auch an der Universität Tokyo arbeiten Forscher gerade daran, Informationen aus Tränen zu ziehen: Eine Studie mit 100 Diabetes-Patienten (Typ 2) ergab, dass die für sie dringend notwendige Überwachung des Glukosestoffwechsels bald ohne belastende Bluttests möglich sein könnte. Denn das in der Tränenflüssigkeit der Teilnehmer gefundene Level des Biomarkers Glycoalbumin entsprach dem, das sich im Blut zeigte. Studienleiter Dr. Masakazu Aihara kündigte im September 2020 an, das System werde jetzt für die tatsächliche Verwendung feingetunt.

Insbesondere bei trockenen Augen kann die Tränenflüssigkeit außerdem zeigen, ob dahinter eine ernstere Erkrankung steckt: Bei der Autoimmunkrankheit Sjögren-Syndrom schränkt der Körper unter anderem die Produktion von Speichel und Tränen stark ein. Wie die "Daily Mail" berichtet, spürte ein von der Seoul National University entwickelter Tränen-Test an 86 Patienten mit einer Genauigkeit von 98,4 Prozent Sjögren-Syndrom-Betroffene auf – bei Standardtests beträgt die Genauigkeit bisher nur 50,8 bis 81,7 Prozent.

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Auch Ohrenschmalz könnte in Zukunft ein wichtiges Diagnose-Instrument werden – und zwar für Depressionen und stressbedingte Krankheiten. Dr. Andres Herane-Vives vom King's College London hat herausgefunden, dass das Ohrenschmalz von 37 Teilnehmern eine höhere Konzentration des Stresshormons Cortisol aufwies als bisher verwendete Haarproben, die ungenau sein können. Dr. Herane-Vives untersucht jetzt ebenfalls, ob das Sekret auch Aufschluss über Diabetes oder Corona-Antikörper geben kann.

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Für die Diagnostik bei Verdacht auf Mukoviszidose ist der Schweißtest bereits Standard. Forscher aus den USA und China arbeiten laut "Daily Mail" momentan an einem tragbaren Sensor, mit dem er auch für Gicht-Patienten wertvoll werden könnte. Erste Tests an Betroffenen zeigten: Die 24/7-Schweißüberwachung schlug rechtzeitig Alarm, wenn eine schmerzhafte Attacke drohte – die Patienten konnten so rechtzeitig entzündungshemmende Medikamente einnehmen, um vorzubeugen. Die Entwickler wollen den Einsatz des Sensors in Zukunft auch bei Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenkrankheiten ermöglichen.

RKA