Erneuter Lockdown unausweichlich?

Drei Corona-Szenarien: Was uns an Heiligabend droht

22. November 2021 - 9:31 Uhr

3 Szenarien für Weihnachten

von Nina Lammers und Maximilian Storr

52.826 – Das Robert-Koch-Institut hat am Mittwoch einen Rekord an Corona-Neuinfektionen gemeldet. Die vierte Welle schlägt weiter mit voller Wucht zu, Krankenhäuser und Intensivbetten füllen sich, Kliniken sind am Limit, müssen teilweise Patienten in andere Krankenhäuser transportieren. Und die Zahlen steigen immer weiter. "Das ist keine Welle. Das ist ein Tsunami, der da auf uns zukommt", sagt Prof. Dr. Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes im Interview mit RTL.

Er ist Professor für klinische Pharmazie und hat einen Covid-Simulator entwickelt, mit dem er Infektionsgeschehen simuliert. Gemeinsam mit Prof. Lehr hat RTL drei Modelle berechnet. Wie könnten die Inzidenz, die Zahl der Neuinfektionen und die Lage auf den Intensivstationen an Heiligabend aussehen?

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Modell 1 - Keine Änderungen der Corona-Maßnahmen

Wenn jetzt alles so weiterlaufen würde wie heute, könnten wir an Heiligabend eine 7-Tage-Inzidenz von 1.135 haben – mit 146.000 Neuinfektionen und fast 800 Toten - am Tag! Mehr als 14.200 Menschen müssten die Pflegekräfte auf den Intensivstationen behandeln. So viele freie Betten gibt es nicht.

Zum Vergleich: Der derzeitige Höchstwert bei der Intensivbettenbelegung liegt bei 5762 Menschen pro Tag. Das war am 3. Januar 2021 der Fall. Dennoch will die künftige Bundesregierung die epidemische Notlage von nationaler Tragweite am 25. November auslaufen lassen.

Prof. Lehr findet dafür eindeutige Worte: "Die Notlage ist präsenter denn je. Es ist eine Farce, darüber zu diskutieren, sie zurückzunehmen." Doch was kann helfen, um den möglichen Tsunami abzuwenden?

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Modell 2: Turbo-Impfungen gegen Corona

Mal angenommen, es würden sich ab heute alle, auch die Jugendlichen, impfen lassen – dann hätten wir am 24.12. laut Simulator eine Inzidenz von 1093. 136.200 Menschen würden sich täglich neu infizieren, 463 sterben. Etwa 7.500 Covid-Patienten würden auf den Intensivstationen liegen, immer noch viel zu viele. Die Intensivstationen wären zwar nur halb so ausgelastet wie im ersten Szenario, aber dennoch würde ein neuer Höchststand erreicht werden. Gleichzeitig müssten viele weitere Tote in Kauf genommen werden.

Auch das flächendeckende Einführen von 2G (Geimpft oder Genesen) und 2G plus Test würde laut Lehr nicht genügen, die Zahlen entscheidend zu drücken: "2G und 2G+ machen große Veranstaltungen sicherer, aber sie werden die Welle nicht brechen." Bleibt also – laut Modell – nur noch eine Option.

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Modell 3 - Kontaktbeschränkungen einführen

Wenn wir den jetzigen Stand so einigermaßen halten wollen, müssten wir 30 Prozent weniger Menschen treffen. Das wäre eine größere Einschränkung als im November 2020 - damals waren alle Fitnessstudios und Restaurants geschlossen.

Würden wir so handeln, dann hätten wir an Heiligabend laut Hochrechnung eine Inzidenz von 140, 15.470 Neuninfektionen und 177 Tote. Die Intensivstationen würden rund 3.286 Covid-Patienten zählen, heute (Stand 17. November) werden laut Divi-Register 3.376 Menschen intensivmedizinisch behandelt. Die vierte Welle könnte so also gebrochen werden, und der drohende Tsunami würde ausbleiben.