Er läuft nach angeblicher Tat in Chemnitz noch immer frei herum

Vergewaltiger soll 16-Jährige in Dusche gefilmt und zum Sex gezwungen haben - Mutter: "Ich bringe ihn um"

16. März 2021 - 10:06 Uhr

Mutter des Opfers: "Hätte ich doch besser aufgepasst"

"Hätte ich doch besser aufgepasst! Wäre ich doch wachsamer gewesen." Die Frau, die diese Worte sagt, möchte unerkannt bleiben. Sie war in einer Beziehung mit dem ehemaligen Vergewaltiger Mario L. In dieser Zeit soll er ihre Tochter (17) heimlich unter der Dusche gefilmt, sie mit den Aufnahmen erpresst und vergewaltigt haben. Obwohl auch eine andere Jugendliche Mario L. eine Vergewaltigung vorwirft, läuft er noch immer frei herum. Für Mutter und Tochter ein Schlag ins Gesicht.

Mario L. saß schon wegen Vergewaltigung im Knast

Im Jahr 2012 kam L. wegen Vergewaltigung zweier Frauen für knapp fünf Jahre ins Gefängnis und wurde im August 2017 freigelassen. Acht Monate später soll er eine 16-Jährige mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben. L. kam in Untersuchungshaft und schon nach knapp einem Monat wieder auf freien Fuß. Das Landgericht Chemnitz sah keine Anhaltspunkte, dass er "gleich wieder was anstellen" würde. Offenbar eine Fehleinschätzung.

Über einen Chat lernte er im Sommer 2018 die Mutter seines nächsten Opfers kennen. "Er wusste sich sehr gut zu verkaufen", sagt die Frau. "Wir haben viel unternommen, es gab keine Langeweile." Mario L. erzählte, dass er wegen einer Kneipenschlägerei in Haft war, angeblich sei ein Messer involviert gewesen. Er stehe deshalb jetzt unter Führungsaufsicht. Seine Partnerin glaubte ihm. Im Sommer 2019 war er immer öfter bei ihr und ihrer Tochter, zog im Dezember schließlich komplett ein.

2020 eskalierte die Situation in Chemnitz

Es kam zu Reibereien. Die Tochter sollte Bewerbungen für ihre Ausbildung schreiben, Mario L. wurde sehr bestimmend. Schließlich griff die Mutter der Teenagerin ein. L. mischte sich in die Beziehung der Tochter und ihrem Freund ein. Während seine Partnerin arbeiten ging, saß er zu Hause. Kritik ließ er nicht an sich heran. "Es gibt nur zwei Meinungen: Seine und die Falsche", erzählt die Frau. "Ein wahnsinnig selbstgefälliger und selbstgerechter Mensch. Seine Bedürfnisse gehen über alles. Was nicht passt, wird passend gemacht."

Im März 2020 eskalierte die Situation. "Ich bekam eine SMS vom Freund meiner Tochter, sollte zur Wohnung seiner Mutter kommen", erzählt die Frau. Dort angekommen, sei der Freund schon auf sie zugekommen. "Er gestikulierte wild, rief: 'Wir müssen zur Polizei!'" In der Wohnung saß ihre Tochter völlig aufgelöst. Sie stammelte, dass Mario L. sie unter der Dusche gefilmt und erpresst haben soll. Er habe sie zum Sex gezwungen, filmte auch diesen. Mario L. schickte der Tochter einen Ausschnitt des Sex-Videos, drohte, es auch ihrem Freund zu schicken.

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Mutter reagierte wütend: "Ich bringe ihn um"

"Ich sah den Chatverlauf und sagte nur: 'Ich bringe ihn um'", erzählt die Mutter des Opfers. Sie stellte Mario L. zur Rede, der leugnete alles. Es sei alles einvernehmlich gewesen, hätte sich wie eine kleine Affäre entwickelt. Sie fuhren mit der Tochter zur Polizei, L. kam in Untersuchungshaft – und kurz darauf wieder frei. Weil auch dieses Mal keine Fluchtgefahr bestanden habe, erklärt die Gerichtssprecherin. Eine Wiederholungstat konnte L. auch hier noch nicht nachgewiesen werden.

"Ich halte ihn für sehr gefährlich", erzählt die Frau. "Es ist ein anderes Verfahren in der Schwebe und er schnappt sich schon die Tochter der eigenen Lebensgefährtin. Das war perfide geplant mit den Videos. Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bevor es das nächste Opfer gibt. Ich habe die Sorge, dass er irgendwann lernt: 'Ich muss die Frauen umbringen, damit mich keine mehr anzeigen kann.' Ich hoffe, dass die Justiz nicht so lange wartet, bis genau das passiert."

Mario L. bestreitet die Taten

Laut seinem Anwalt Reinhard Röthig bestreitet Mario L. beide Taten. Nach Angaben von L. habe es sich jeweils um "einvernehmliche sexuelle Handlungen" gehandelt. Ein Urteil wird für März erwartet. Dem 37-Jährigen drohen im Falle einer Verurteilung 15 Jahre Haft und zusätzlich eine Sicherungsverwahrung.