Kommt er jetzt hinter Gitter?

Verurteilter Vergewaltiger soll zweimal rückfällig geworden sein – und läuft frei herum

22. Januar 2021 - 22:17 Uhr

Strafverteidigerin sieht "Gefahr für die Bevölkerung"

Wegen zweifacher Vergewaltigung saß Mario L. im Knast, kam 2017 wieder raus. Nach seiner Entlassung soll er rückfällig geworden sein und wieder zwei Frauen vergewaltigt haben. Trotzdem läuft der verurteilte Sexualstraftäter frei herum. "Ich habe dafür absolut kein Verständnis", sagt die erfahrene Strafverteidigerin Kerstin Börner im RTL-Interview. "Weil das eine Gefahr für die Bevölkerung auch zum jetzigen Zeitpunkt ist." Im Video zeigen wir den Prozessauftakt gegen Mario L. in Chemnitz.

Angeklagter saß schon wegen Vergewaltigung im Knast

Als freier Mann betrat Mario L. am Donnerstag das Landgericht Chemnitz und verließ es auch als solcher. Obwohl aus Sicht von Kerstin Börner nicht auszuschließen ist, dass er wieder zuschlagen könnte. Das Gericht muss nun klären, ob Mario L. nach seiner Freilassung erneut straffällig wurde. Falls ihm das nachgewiesen werden kann, könnte er zu einer neuen Haftstrafe verurteilt werden. Auch die Frage nach einer anschließenden Sicherheitsverwahrung für den möglichen Wiederholungstäter steht im Raum.

Im Jahr 2012 kam L. wegen Vergewaltigung zweier Frauen für knapp fünf Jahre ins Gefängnis und wurde im August 2017 freigelassen – unter Führungsaufsicht. "Führungsaufsicht wird in speziellen Fällen immer angeordnet, wenn man die Gefahr hat, dass wahrscheinlich von ihm weitere erhebliche Straftaten ausgehen", erklärt Mario L.s Verteidiger Reinhard Röthig.

16-Jährige angeblich brutal zum Sex gezwungen

Gerichtssprecherin Marika Lang
Marika Lang, Sprecherin am Landgericht Chemnitz.
© RTL

Die Befürchtung, dass von Mario L. weitere Straftaten ausgehen könnten, scheint nicht unbegründet gewesen zu sein: Nur acht Monate nach seiner Entlassung, im April 2018, soll sich Mario L. in Waldheim (Sachsen) an einem Mädchen (16) vergangen haben. Er soll die 16-Jährige mit einem Obstmesser bedroht und dann in seiner Wohnung zum Sex gezwungen haben.

Das mutmaßliche Opfer zeigte ihn an, zwei Tage später kam L. in Untersuchungshaft. Und schon nach knapp einem Monat wieder auf freien Fuß. Weil es keine Anhaltspunkte dafür gegeben habe, dass L. "gleich wieder was anstellen" würde, erklärt Marika Lang, Sprecherin am Landgericht Chemnitz. "Deswegen hatte man den Haftbefehl auf die Fluchtgefahr begründet, und die konnte man durch die Auflagen bannen. Wiederholungsgefahr hat bei Erlass des Haftbefehls einfach keine Rolle gespielt", erklärt sie.

Die 16-Jährige soll widersprüchliche Aussagen gemacht haben, es mussten Gutachten erstellt werden, das Verfahren verzögerte sich. Bisher konnte Mario L. die Vergewaltigung nicht nachgewiesen werden.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Weiterer Haftbefehl – und Mario L. kam wieder frei

Anwältin Kerstin Börner
Anwältin Kerstin Börner versteht nicht, weshalb die Staatsanwaltschaft keinen Haftbefehlsantrag wegen Wiederholungsgefahr stellte.
© RTL

Im Sommer 2018 lernte Mario L. eine Frau kennen und zog zu ihr und ihrer Tochter (17). Das Mädchen soll er zwischen Januar 2019 und März 2020 heimlich beim Duschen gefilmt haben. Mit den Nacktaufnahmen soll er die Jugendliche dann erpresst und mehrfach vergewaltigt haben. Neuer Haftbefehl, alter Ablauf: L. kam wieder frei, sogar am selben Tag. Weil auch dieses Mal keine Fluchtgefahr bestanden habe, erklärt die Gerichtssprecherin. Eine Wiederholungstat konnte L. auch hier noch nicht nachgewiesen werden.

Das, was dem Mädchen anscheinend angetan wurde, hätte verhindert werden können, ist sich Anwältin Kerstin Börner sicher. Wenn nach der mutmaßlichen Vergewaltigung der 16-Jährigen ein Haftbefehl wegen Wiederholungsgefahr ergangen wäre. Offensichtlich habe es die Staatsanwaltschaft "versäumt, einen entsprechenden Haftbefehlsantrag mit dem Haftgrund der Wiederholungsgefahr zu stellen", sagt sie.

Mario L. bestreitet die Taten

Laut seinem Anwalt Reinhard Röthig bestreitet Mario L. beide Taten. Nach Angaben von L. habe es sich jeweils um "einvernehmliche sexuelle Handlungen" gehandelt. Ein Urteil wird für März erwartet. Dem 37-Jährigen drohen im Falle einer Verurteilung 15 Jahre Haft und zusätzlich eine Sicherungsverwahrung.