Kanzlerkandidat Armin Laschet im Brigitte Talk

"Ich werde nicht nach Berlin ziehen"

07. Juli 2021 - 23:07 Uhr

CDU-Kandidat bleibt sachlich im Brigitte Talk

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet ist ein "Binger-Watcher" – bis tief in die Nacht schaue er Serien, so der 60-Jährige zu Gast im Brigitte Live-Talk. Ganz so persönlich wie Annalena Baerbock wurde er bei dem Interview nicht – und doch gab er einiges über sich und seine mögliche Kanzlerschaft preis: Zum Beispiel beim Thema Gleichberechtigung. Auch stellte er klar, warum er nicht nach Berlin ziehen will, sollte er Kanzler werden. Und: er verurteilte das Attentat auf den niederländischen Journalisten de Vries aufs Schärfste. Keine klaren Worte hingegen fand Laschet zum Eklat rund um Hans-Georg Maaßen.

Den kompletten Talk sehen Sie oben im Video.

Laschet will bei möglichem Kabinett genau so viele Frauen wie Männer auf Ministerposten

07.07.2021, Berlin: Armin Laschet, CDU-Kanzlerkandidat, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, stellt sich bei ·Brigitte Live" den Fragen von Brigitte Huber (l), Brigitte-Chefredakteurin. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-
"Brigitte Live" mit CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet
© dpa, Kay Nietfeld, nie

Welche Überschrift er denn für ein Porträt über sich wählen würde, ist die erste Frage an Armin Laschet – seine Antwort: "Der Richtige". An Selbstbewusstsein mangelt es dem CDU-Kanzlerkandidaten also nicht.

Er meint sogar: Beim Thema Frauenrechte könne er als Mann vielleicht sogar mehr erreichen, als manche Frau. Das wolle er auch umsetzen, falls er Kanzler werden sollte: "Wir haben an den Spitzen, in den Parlamenten, insbesondere auch in meiner eigenen Partei, noch viel zu tun." In seinem zukünftigen Kabinett sollen Ministerposten paritätisch besetzt werden, so Laschet, also gleich viele Männer und Frauen als Minister und Ministerinnen – egal mit wem er koaliere, "für den CDU-Teil muss es garantiert sein."

Laschet will nach Berlin - oder nicht?

An seiner eigenen Frau schätze er vor allem ihr Selbstbewusstsein und ihre Eigenständigkeit. "Eines war ihr immer wichtig: Sie wollte nie die "Frau von..." sein." Sollte er Kanzler werden, werde sie nicht mit nach Berlin gehen, so Laschet. Schließlich habe sie in Aachen ihren Lebensmittelpunkt. Auch sein eigener Lebensmittelpunkt werde im Falle einer Kanzlerschaft weiterhin in Aachen bleiben, kündigte er an. "Das haben andere Kanzler vor mir auch so gemacht."

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07.07.2021, Berlin: Armin Laschet, CDU-Kanzlerkandidat, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, kommt zu der Gesprächsrunde "Brigitte Live" in die Astor-Filmlounge. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bei "Brigitte Live" mit CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet meint er: Für Frauenrechte kann er als Kanzler stärker eintreten als manche Frau.
© dpa, Kay Nietfeld, nie

Hat Annalena Baerbock im Wahlkampf mehr zu ertragen als Laschet?

Auf die Frage, ob seine Konkurrentin Annalena Baerbock (Die Grünen) als Frau im Wahlkampf härter unter die Lupe genommen werde als er, sagte Armin Laschet: "Nein. Das Gefühl habe ich nicht." Er wünsche sich aber, dass die öffentliche Debatte sich zukünftig wieder auf sachlicher Ebene bewege, und sich nicht mehr um Fehler menschlicher Art drehe.

Laschet bezieht keine klare Position zu Hans-Georg Maaßen

Auf sachlicher Ebene kritisiert wurde in den letzten Tagen aber vor allem Armin Laschet – wegen der Affäre rund um den Bundestags-Kandidaten Hans-Georg Maaßen. Am Wochenende hatte der einen "Gesinnungstest" für öffentlich-rechtliche Journalisten gefordert. Laschet hat sich dazu bislang nicht klar positioniert. Darauf beim Brigitte Talk angesprochen sagte er, dass er nicht jede Äußerung eines jeden Kandidaten kommentieren wolle. "Er hat das am Abend revidiert und unsere Haltung zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist glasklar. Darüber hinaus kann jeder Interviews geben. Die müssen dann aber nicht immer von mir kommentiert werden", so Laschet.

Der Name "Maaßen" selbst kam Laschet gar nicht über die Lippen. Eine klare Positionierung seinerseits gegenüber dem umstrittenen CDU-Direktkandidaten gibt es also auch in diesem Interview nicht.

ARCHIV - 22.01.2020, Sachsen-Anhalt, Landsberg: Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), hält an einem Gesprächsabend der CDU einen Vortrag zum Thema «Wie sicher ist unsere Demokratie». (zu dpa "Thüringer C
Ein Parteiausschlussverfahren für Hans-Georg Maaßen kommt für Laschet nicht infrage.
© dpa, Heiko Rebsch, hre kde uk

"Müssen beim Thema Kinderimpfungen auf Experten hören"

Ebenso wenig klar positionieren wollte sich Laschet beim Thema Impfungen für Kinder – Forderungen danach waren in den letzten Tagen aus der Opposition lauter geworden. "Ich finde, dass man da auf das hören sollte, was die Experten der Ständigen Impfkommission sagen und dass wir als Politik vor allem keinen Druck ausüben sollten", so Laschet. Das sei eine schwierige Abwägung – für Experten, Eltern und Kinder. "Wir haben ja schon den Fall, dass Eltern nicht genau wissen, was sie wollen. Je erwachsener die Kinder sind, desto eher kann man ihnen das zutrauen."

Armin Laschet ist ein Binge-Watcher

Privates gab Laschet wenig preis. Lediglich beim Thema Serien geriet der CDU-Mann in Plauderlaune. Er schaue regelmäßig Serien, oft auch bis tief in die Nacht. "Meine Frau sagt immer, du müsstest doch mal schlafen gehen. Und dann sitze ich da bis drei oder vier Uhr..." Bis nachts verfolgt hat Laschet demnach eine Serie über einen Bürgermeister in Marseille.

VIDEO: Annalena Baerbock im Brigitte Talk: "Mein Mann und ich sind wie Ernie und Bert"

Deutlich privater wurde im Brigitte Talk dagegen Laschets Konkurrentin Annalena Baerbock. Auf ihren Mann könne sie sich verlassen, verriet sie im Interview: "Ich schätze sehr vieles an meinem Mann. Gerade in der jetzigen Situation, dass er voll und ganz hinter mir steht." Die Highlights aus dem Brigitte Talk mit der Kanzlerkandidatin der Grünen können Sie sich hier noch einmal anschauen.

Laschet verurteilt Vries-Attentat

Zum Schluss wurde es nochmal ernst im Talk mit Armin Laschet, als Birgitte Huber den Unions-Kanzlerkandidat auf das Attentat an den niederländischen Journalisten Peter R. de Vries ansprach, bei der Crime-Reporter lebensgefährlich verletzt wurde. "Sowas darf man nicht dulden", verurteilte der CSU-Vorsitzende scharf. Seine Reaktion auf den Anschlag lesen Sie hier.

Nächster Talk-Gast: Olaf Scholz (SPD) am 28. Juli

Brigitte-Chefredakteurin Brigitte Huber und Meike Dinklage, Ressortleiterin Zeitgeschehen, befragen in der Gesprächsreihe "Brigitte live" die Spitzenkandidaten der diesjährigen Bundestagswahl. Nach Annalena Baerbock von den Grünen und Armin Laschet (CDU) wird der SPD-Kandidat Olaf Scholz am 28. Juli 2021 ihnen Rede und Antwort stehen. Auch das natürlich dann hier im Livestream.

LESE-TIPP: Kolumne Francas Flurfunk: Der Brigitte Talk ist das "Sex and the City im Bundestagswahlkampf"