Auf dem Weg zur Legalisierung von Cannabis

So weit sind wir in Deutschland

Der Konsum von Cannabis ist in Deutschland schon erlaubt - der Besitz und der Handel mit der Droge sind jedoch noch verboten. Das könnte sich bald ändern.
Der Konsum von Cannabis ist in Deutschland schon erlaubt - der Besitz und der Handel mit der Droge sind jedoch noch verboten. Das könnte sich bald ändern.
© iStockphoto, Frank Harms

09. Juni 2021 - 9:24 Uhr

Kifferparadies Deutschland? Die Ampelkoalition könnte es möglich machen

In Deutschland könnte bald ein grüner Wind wehen: Denn käme es zu einer Ampelkoaltion aus SPD, FDP und Grünen, steht der Legalisierung von Cannabis nichts mehr im Weg. Alle drei Parteien setzen sich nämlich für eine regulierte Abgabe der Droge ein. Erste Modelle sollen dies bald erproben.

Politischer Wind weht auf Cannabis-Freigabe

Bisher ist das Rauschmittel noch verboten. Käme es nach der Bundestagswahl im September zu einer Einigung zwischen FDP, Gründe und SPD, könnten Bürger Gras-Joints ganz legal kaufen und rauchen. Denn alle drei Parteien sprechen sich in ihrem Parteiprogramm für die Legalisierung von Cannabis aus.

So schreiben die Grünen: "Wir wollen den Schwarzmarkt für Cannabis austrocknen und die organisierte Kriminalität zurückdrängen. Dazu werden wir ein Gesetz einführen, das die legale und kontrollierte Abgabe von Cannabis in lizenzierten Fachgeschäften ermöglicht." Auch die FDP fordert eine kontrollierte Abgabe. Die SPD spricht sich etwas zaghafter für die Legalisierung aus. Sie will sich dafür einsetzen, dass "der Besitz kleiner Mengen von Cannabis strafrechtlich nicht mehr verfolgt wird." Und die sozialdemokratische Partei möchte die regulierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene in Modellprojekten erproben.

Frankfurt als Vorreiterstadt: Hier soll Kiffen bald möglich sein

Frankfurt könnte dabei zum Vorreiter werden, denn die Landesregierung von Hessen möchte ein Cannabis-Modellprojekt in der Stadt unterstützen. Noch ist ungewiss, ob die Koalition, die diesen Vorschlag im Koalitionsvertrag unterbreitet hat, in dieser Form zustande kommt. Doch der Wille dazu zeigt: Die Zeichen stehen auf Umbruch, was die Cannabis-Legalisierung anbelangt.

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Aktuelle Drogenpolitik in der Kritik

Erst kürzlich stand die Anti-Cannabis-Kampagne von Daniela Ludwig, Drogenbeauftrage der Bundesregierung, in der Kritik. Über die sozialen Netzwerke sollte über die Risiken von Cannabis aufgeklärt werden, alles unter dem Motto: "Kiffen ist nicht cool, es ist cool nicht zu kiffen." Jugendrichter Andreas Müller hält die aktuelle Drogenpolitik für gescheitert: "Mit der Kriminalisierung haben wir nichts anderes geschaffen, als ganz viele Karrieren durch Stigmatisierung, durch Kriminalisierung, kaputt zu machen. Wir haben Familien zerstört und zerstören sie noch heute", sagte er im RTL-Interview.

Der Meinung, dass die repressive Drogenpolitik gescheitert ist, sind auch die Grünen. In ihrem Parteiprogramm schreiben sie, es sei unter anderem ein Schwarzmarkt für illegale Drogen entstanden, auf dem keine Regeln gelten würden. Außerdem binde die Verfolgung von Drogendelikten Personal bei Polizei und Staatsanwaltschaft.

Diese Regeln gelten für Gras

Bisher ist der Besitz und Handel mit Cannabis in Deutschland illegal, doch das konsumieren der Droge ist erlaubt. Schätzungen des Instituts für Therapieforschung zufolge konsumieren etwa 3,7 Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig Cannabis. Mittlerweile wird es bei verschiedenen Krankheiten als Medikament eingesetzt. Vor allem in der Schmerztherapie kommt Cannabis oft zum Einsatz. Die Heilpflanze kann bei einer ganzen Reihe von Krankheiten als Medikament helfen. Sogar gegen das Corona-Virus soll das in der Cannabispflanze enthaltene Tetrahydrocannabinol oder kurz THC helfen. In Deutschland dürfen einige Patienten daher mit einer Sondergenehmigung Medizinal-Cannabis in der Apotheke kaufen.

Lese-Tipp: Cannabis könnte bald schon legalisiert werden. Einige Hanf-Produkte, sind jetzt schon freiverkäuflich zu erhalten. Welche Wirkung sie versprechen - das erfahren Sie hier.

Gesundheitliches Risiko durch Cannabis-Konsum

Doch Studien zeigen auch: Wer Cannabis konsumiert, setzt sich einem gesundheitlichen Risiko aus. So kann Kiffen zum Beispiel Psychosen auslösen. Wer vor seinem 18. Geburtstag kifft, hat außerdem ein deutlich höheres Risiko, später an Depressionen zu leiden. Und der Marihuana-Konsum im Jugendalter wirkt sich auch negativ auf die kognitive Entwicklung aus. So schaden Jugendliche, die Cannabis konsumieren, langfristig ihrem Gehirn.

Im Video: Gefährliche Cannabis-Sucht - "Man braucht es einfach auf einmal"

"Es gibt Monate in meinem Leben, von denen ich nicht mehr weiß, was ich gemacht habe", sagt die 24-jährige Sandra über ihren Alltag als Süchtige. Seit zehn Jahren ist sie drogenabhängig, unter anderem von Cannabis. Sie warnt davor, die Droge zu verharmlosen. Denn damit fing alles an. Ihr letzter Ausweg: eine Therapie. Wie es ihr im Therapiezentrum erging, erfahren Sie im Video. (esb)

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