Nach Entscheidung für Cannabis auf Rezept: So läuft bald die Abgabe

Cannabis gibt es künftig auf Rezept. Doch wo kommt es dann eigentlich genau her?
Cannabis gibt es künftig auf Rezept. Doch wo kommt es dann eigentlich genau her?
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12. März 2018 - 12:47 Uhr

Die Entscheidung für die Freigabe von Cannabis zu medizinischen Zwecken ist gefallen. Das schmerzlindernde Mittel soll künftig tausenden Patienten mit Krankheiten wie Aids, Rheuma, multipler Sklerose oder auch Krebs helfen. Doch wie wird das Ganze genau funktionieren? Und wo kommt die Droge dann eigentlich her?

'Cannabis-Agentur' nimmt ihre Arbeit auf

Durch das vom Bundesrat und Bundestag gebilligte Gesetz, wird der Weg für Cannabis als medizinisches Mittel auf Kosten der Krankenkassen zukünftig frei. Bisher mussten die Kosten in den wenigen Ausnahmefällen noch von den Patienten selbst getragen werden. Mediziner haben zukünftig die Möglichkeit, Patienten das Mittel nach eigenem Ermessen zu verschreiben.

Zehntausende Pflanzen sollen dazu bald in Deutschland staatlich angebaut werden. Denn allein für die bisher 1.000 Patienten mit Ausnahmegenehmigung für Cannabis werden jetzt schon pro Jahr 365 Kilogramm davon benötigt. Laut Karl Broich, dem Präsidenten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), sind erste Ernten in Deutschland allerdings erst ab 2019 vorgesehen. Bis dahin werde das Mittel weiterhin aus den Niederlanden und Kanada importiert.

Ärzte gehen davon aus, dass die Zahl der Cannabis-Therapien infolge der Freigabe steigen wird. Um dann sowohl den Anbau und die Abgabe an die Apotheken zu überwachen, sowie die Umleitung auf den illegalen Markt zu verhindern, steht beim 'BfArM' nun sogar eine eigene 'Cannabis-Agentur' vor dem Start. Die Agentur wird nach dem offiziellen Inkrafttreten des Gesetzes dann Aufträge zum Anbau in Deutschland erteilen.

Forschungsgebiet mit (noch) vielen Lücken

Zwar stehe es den Patienten frei, in welcher Form sie die getrockneten Blüten einnehmen, dennoch rät das Bundesinstitut vom verbreiteten Rauchen ab. "Es geht hier tatsächlich nicht um Kiffen oder den Joint auf Rezept", sagte etwa Gesundheitsstaatssekretär Lutz Stroppe. Als Konsumalternative stehen ölige Lösungen oder Tropfen zum Inhalieren oder Schlucken zur Verfügung. Allerdings wurde bisher noch nicht genau eingegrenzt, welche Patienten Cannabis schließlich verschrieben bekommen sollen.

Um weitere Daten darüber zu bekommen, wem Cannabis genau hilft, soll nach dem Inkrafttreten des Gesetzes begleitend geforscht werden. Mediziner erhoffen sich so weitere Kenntnisse über die Wirksamkeit. Denn auf diesem Gebiet bestehen noch immer viele Lücken. Aus bisherigen Studien ging aber hervor, dass die beiden wichtigsten Inhaltsstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) eine schmerzlindernde, entzündungshemmende, appetitanregende, schlaffördernde und krampflösende Wirkung haben. So kann medizinisches Cannabis etwa bei multipler Sklerose oder chronischen Schmerzen wie bei Neuropathie oder Rheuma helfen. Auch sind die Wirkstoffe bei Appetitlosigkeit infolge einer Krebserkrankung hilfreich.

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