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Butscha: Putins Soldaten "töten aus Langeweile, aus Spaß"

RTL-Reporter berichtet aus der Ukraine

Traumatisierte Überlebende aus Butscha: Putins Soldaten "töten aus Langeweile, aus Spaß"

RTL-Reporter Gordian Fritz in Butscha.
RTL-Reporter Gordian Fritz hat in Butscha Überlebende der Kriegsverbrechen getroffen.
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Das Grauen von Butscha ist nur schwer in Worte zu fassen. Unser Reporter Gordian Fritz war noch einmal in dem Ort bei Kiew, der wie kaum ein anderer Ort inzwischen zum Synonym für Kriegsverbrechen geworden ist, in dem die Russen den Bewohnern unvorstellbares Leid angetan haben. Er hat mit Überlebenden gesprochen.

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Ein Toiletten-Eimer für 30 Leute

Wracks zerstörter russischer Panzer, ausgebrannte Autos und Reste von Militärausrüstung. In Butscha beginnt nach dem Abzug der russischen Truppen das große Aufräumen. Doch was die Menschen erlebt haben, wird wohl nicht so schnell verschwinden.

Mykola Sachartschenko war einst Wachmann eines Industriegeländes. Was er erzählt, kann man eigentlich kaum glauben. „Als die Russen hier ankamen, musste ich mich hinknien und sie haben mich und mein Handy durchsucht. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie schon acht Leute getötet“, erzählt Sachartschenko. „Sie brachten uns dann in einen Keller, wo schon 30 andere Leute eingesperrt waren. Frauen, Kinder und auch drei Babys. Insgesamt 20 Kinder bis maximal 15 Jahren [...] Sie haben uns kein Essen gegeben – nur die Babys bekamen etwas Wasser. Sie ließen uns auch nicht zur Toilette. Wir hatten nur einen Eimer für 30 Leute und durften ihn nur einmal pro Tag ausleeren.“

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RTL-Reporter: Menschen kommen trotzdem zurück nach Butscha

Menschen kehren nach Butscha zurück RTL-Reporter trifft Überlebende von Butscha
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RTL-Reporter trifft Überlebende von Butscha
Menschen kehren nach Butscha zurück

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"Sie töten aus Langweile, aus Spaß"

Das eigentliche Grauen nimmt ab dem 8.März seinen Lauf. Mykola Sachartschenko erzählt, wie willkürlich die Russen offenbar anfingen, Leute auf offener Straße zu erschießen. „Es gab ein Loch in der Wand. Ich sah, wie ein Mann Holz in ein Feuer warf. Sie kamen zu ihm, haben auf ihn geschossen, haben sich umgedreht und sind wieder gegangen. Er ist nicht mal weggelaufen, er stand einfach nur da in der Nähe des Gebäudes und hat Holz aufs Feuer gelegt. Sie haben ihn getötet und sind wieder abgezogen.“

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Als „Säuberung“ bezeichnet der Wachmann diese Aktionen und den Grund dafür nennt er auch. „Dort drüben in der Ostapa Vyshni Street lebten ein paar wichtige Militärs, Offiziere. Ich glaube, dass das der Grund ist, wieso sie hier ihre „Säuberungen“ durchgeführt haben.“ Es ist der Versuch einer Erklärung. Wie Menschen so etwas aber tun könnten, kann auch Mykola nicht verstehen.

„Ich verstehe (, dass auf jemanden geschossen wird), wenn jemand eine Waffe trägt. Aber es war ein Mann, der Holz aufs Feuer geworfen hat oder eine Frau, die einfach nur ein Gebäude betreten wollte. Die (russischen) Soldaten haben ihr einfach in den Rücken geschossen. Einfach aus purer Langeweile haben sie sie umgebracht, aus Spaß. Sie haben dabei viel gelacht.“

Einwohner von Butscha sind traumatisiert

Wie unvorstellbar die Zeit für die Einwohner von Butscha gewesen sein muss, macht auch ein Zitat einer älteren Dame deutlich. „Sie hat noch den Zweiten Weltkrieg miterlebt“, erzählt der Wachmann Mykola Sachartschenko. Sie habe erzählt, dass nicht mal die Nazis solch grausame Taten vor mehr als 80 Jahren in der Ukraine verübt hätten, wie sie jetzt von den Russen begangen worden seien. Auschwitz sei nichts im Vergleich zu dem, was in Butscha passiert sei.

Natürlich lassen sich Kriegsverbrechen niemals miteinander vergleichen und sollten auch wegen ihrer Schrecklichkeit niemals verglichen werden. Allein im Konzentrationslager Auschwitz wurden zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen systematisch ermordet. Es zeigt aber, wie traumatisiert die Einwohner von Butscha sind – durch die Verbrechen der russischen Armee.

UN untersucht Kriegsverbrechen

Die Vereinten Nationen wollen die Tötung von mehreren Hundert Zivilisten in der ukrainischen Stadt Butscha von eigenen Menschenrechtsexperten untersuchen lassen. Derzeit ist ein Team des UN-Büros mit etwa 50 Mitarbeitern in Uschgorod im Westen der Ukraine stationiert, etwa 800 Kilometer von der Hauptstadt Kiew und dem Vorort Butscha entfernt. Nach dem Abzug der russischen Truppen waren in der Kleinstadt in den vergangenen Tagen mindestens 330 Todesopfer entdeckt worden.

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