Geständnis vor Berliner Gericht: "Mein Akku ist leer"

Migräneanfälle, Angst- und Panikattacken: So schlecht geht es Rapper Bushido

26. März 2021 - 9:11 Uhr

"Ich lebe von heute bis zum nächsten Prozess"

Seit sieben Monaten muss Rapper und Familienvater Bushido bereits im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker und seine Brüder aussagen. Am 29. Prozesstag gesteht er nun, wie sehr ihn diese Situation belastet und wie sehr sie sein Leben bestimmt. "Sie müssen mir glauben, dass ich mich aktuell nur um den Prozess kümmere, aber eine persönliche Planung habe ich nicht. Ich lebe von heute bis zum nächsten Prozess", sagt Bushido, als ihn die Richterin nach seinen Zukunftsplänen fragt.

Erstmals die menschliche Frage: Wie geht es Bushido?

Vor jedem neuen Prozesstag weiß niemand so genau, auch nicht Bushido oder RTL-Gerichtsreporterin Samina Faizi, über welche Inhalte gesprochen werden. Während der Rapper in den letzten Monaten zu vielen Details befragt wurde, zum Beispiel, was das Wort f***** im Rapper-Milieu bedeutet oder wie viel Geld er an seinen ehemaligen Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker zahlen musste, ging es heute einmal nur um die Frage, wie es Bushido eigentlich geht. Der Rapper wirkt überrascht, dass sich der Richter dafür interessiert, denn heutzutage werde man so etwas ja gar nicht mehr gefragt.

Auch unsere RTL-Reporterin Faizi ist über die rein menschliche Frage erstaunt. "Ich sitze da seit zehn Terminen und es geht nur über Verträge oder die Frage, wer wen was gefragt hat. Wie es jemanden geht – darum ging es bisher gar nicht. Das ist eine klare Trennung. Und das Menschliche ist strafrechtlich auch nicht unbedingt relevant", schildert sie nach dem Prozesstag.

Rapper fühlt sich durch Personenschutz eingesperrt

Bushidos Personenschutz ist immer an seiner Seite, auch während des Prozzes
Bushidos Personenschutz ist immer an seiner Seite, auch während des Prozesses.
© imago images/Olaf Wagner, Olaf Wagner via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Wie schlecht es dem 42-jährigen wirklich geht, wird allen im Gerichtssaal schnell deutlich. "Ich leide an Angst- und Panikattacken und an starker Migräne", gesteht der Rapper vor Gericht. Beides musste er schon seit Teenagerzeiten ertragen, seit dem Wasserflaschen- und Stuhlangriff von Arafat Abou-Chaker habe es aber massiv zugenommen. Und auch die Bedrohungen seiner Familie und der daraufhin eingesetzte Personenschutz erhöhen Bushidos Stresslevel. "Das permanente Bedrohen von meiner Frau und meinen Kindern belastet mich sehr", erklärt er. "Mein Akku ist leer!" Vorallem der Personenschutz gebe ihm das Gefühl, eingesperrt zu sein. Richtig allein waren er und seine Familie schon lang nicht mehr.

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Panikattacke auch während des letzten Prozesstages

Sogar beim letzten Prozesstag am Montag will Bushido eine Panikattacke gehabt haben. In der Mittagspause soll sie eingesetzt haben. Während der Verhandlung habe er versucht, sie zu verstecken, sich zu beruhigen und möglichst normal zu wirken. "Den Fragen habe ich eigentlich gar nicht mehr folgen können", sagt er rückblickend.

Hochzeit von Bushido & Anna Maria- Gewalt war in der Ehe an der Tagesordnung
Die Hochzeit von Bushido und Anna Maria-Ferchichi.
© WENN.com, DGI/MPI/HSS

Bushido verrät, dass es ihn besonders belastet, über seine eigenen Fehler zu sprechen. Besonders die Ehe mit seiner Frau Anna-Maria stand oft im Mittelpunkt des Prozesses und offenbarte, wie viel Gewalt und Schrecken an der Tagesordnung waren. Aber so anstrengend das Schildern seiner eigenen Fehltaten ist, Bushido weiß, dass er den Weg gehen muss. "Ich nehme das alles als gegeben und muss da durch."

So verlaufen Bushidos Attacken

Bushidos Panikattacke vor wenigen Tagen war kein Einzelfall. Erst am Wochenende habe er eine weitere gehabt, kurz bevor er ins Bett gehen wollte. "Ich merkte, dass mein rechter Fuß taub wird. Ich habe versucht ihn zu fühlen und an den Haaren gezogen", erklärt er. Bushido kann sich nicht beruhigen. Auch Anna-Maria gelingt das nicht, als sie das Zimmer betritt und ihr Mann sagt: "Anna-Maria ich kriege eine Panikattacke". Nur im T-Shirt bekleidet stellt sich Bushido draußen in die Kälte und hofft, seinen Schmerz umzulenken und die Attacke in den Griff zu bekommen. Doch es wird noch schlimmer und der Rapper spürt seine rechte Hand nicht mehr.

Bushido hatte als Teenager bereits Essstörungen

Schon als Teenie soll Bushido gesundheitliche Probleme gehabt und unter Essstörungen und Depressionen gelitten haben. "Die psychische Belastung war permanent", verrät er heute vor Gericht. "Wenn ich freitags zum Festival gefahren bin, habe ich ab Mittwoch stressbedingt nichts mehr gegessen. Auch die Migräne Attacken wurden dann immer häufiger." Die Gewichtsabnahme, der Stress, der Tod seiner Mutter, der Tod seines Vaters – all das machte den sonst so harten Rapper fertig. Und der derzeitige Personenschutz setzt noch einen drauf und macht die Situation allgegenwärtig.

Rapper hat ständig Angst um seine Gesundheit

Bei all den gesundheitlichen Problemen sind Medikamente für den Musiker jedoch tabu. "Ich habe noch nie Psychopharmaka, Beruhigungsmittel oder Schlafmittel genommen", macht er vor Gericht klar. Die Nebenwirkungen machen ihm zu sehr Angst. Der 42-Jährige glaubt selbst, dass er irgendwann einen Schlaganfall bekommt und seine Frau dann nicht mehr nur die Polizei, sondern die Feuerwehr zur Hilfe rufen muss.