Psyche vom Rapper wackelt

Prozess in Berlin: Rapper Bushido bricht bei seiner Zeugenaussage in Tränen aus

Rapper Bushido: Harte Schale, weicher Kern?
Rapper Bushido: Harte Schale, weicher Kern?
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bsc

26. Februar 2021 - 10:49 Uhr

Bushido braucht einige Minuten, um sich zu fangen

So hat man ihn bei diesem Prozess noch nie gesehen: Rapper Bushido bricht vor Gericht in Tränen aus und kann seine Gefühle nicht mehr unterdrücken. "Er hat fünf Minuten gebraucht, bis er sich wieder gefangen hatte", berichtet RTL-Reporterin Samina Faizi, die ebenfalls mit im Saal saß und von Bushidos Emotionen genauso überrascht wurde wie Arafat Abou-Chaker und seine Brüder.

Bushido erst genervt und gelangweilt, dann weint er

Es ist bereits der 25. Prozesstag gegen Arafat Abou-Chaker und seine Brüder, die wegen räuberischer Erpressung, Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung angeklagt sind. Hauptzeuge ist Musiker Bushido, der auch heute wieder aussagt.

Am Anfang geht es vorerst sehr mühsam voran: Es werden diverse Anträge und Stellungnahmen eingereicht und auch Bushido, der heute komplett in armeegrüner Sportswear auftritt, scheint gelangweilt und genervt zu sein. Gerichtsreporterin Faizi kann beobachten, wie er irgendwann während der Verlesung der Anträge sogar seinen Kopf auf den Tisch vor ihm legt.

Erst um 11:39 Uhr, also 1 Stunde und 54 Minuten, nach Prozessbeginn geht es mit der Aussage von dem Rapper weiter und die Verhandlung nimmt Fahrt auf, bis sie am Ende schließlich total emotional mit einem weinenden Bushido endet.

Erst im Verlauf des Prozesstages gelangt der Rapper an seine emotionale Grenze

Aber was hat bei Bushido schließlich die Tränen ausgelöst? Der Richter will heute erst einmal über Bushidos Vernehmungen durch das LKA und die Staatsanwaltschaft in den vergangen Jahren sprechen. Er findet es merkwürdig, dass Bushido in keiner der Vernehmungen zwischen 2013 bis 2018 etwas von den Drangsalierungen und Bedrohungen durch Familie Abou-Chaker erzählt hat, auch der Vorfall am 18.01.2018 kam nie zur Sprache. An diesem Tag soll Arafat Abou-Chaker seinen ehemaligen Geschäftspartner eingesperrt und mit einer Wasserfalsche und einem Stuhl attackiert haben. "Ich wollte den Vorfall am 18. Januar nicht erzählen. Es gab viele Dinge, die auch für mich unangenehm waren", erklärt sich der Rapper vor Gericht in Berlin und fügt im Gespräch mit dem Richter hinzu: "Ich wollte nie Angaben machen. Das war eine bewusste Entscheidung. Ich wollte diese Lawine nicht in Gang setzen und gegen Arafat und seine Brüder Anzeige erstatten."

Damals seien Beamte für Bushido zudem Feinde gewesen, mit denen man in der Rap-Szene nicht kooperiert. Diese Einstellung ändert sich erst, als ihm sein Freund Sali Hassan erzählt, dass auf ihn, seine Frau und seine Kinder ein Angriff geplant sei. Auch wer die Täter sein würden, wüsste er: die "deutschen Abou-Chakers".

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Bushido unternimmt bezüglich der bedrohlichen Lage zunächst nichts. Er habe Bauchschmerzen gehabt, "aber was soll man machen?", verteidigt er sich vor Gericht. Seine Frau Anna-Maria ist es, die den Rapper dann mal wieder wach rüttelt. Auch sie habe von ihrer guten Freundin Ghadir, Yasser Abou-Chakers Ex-Frau, von dem geplanten Angriff erfahren. Völlig aufgelöst und panisch erzählt sie Bushido, dass Yasser gemeinsam mit seinen Brüdern plane Anna-Maria und die Kinder zu entführen. Dabei soll sie geschlagen und ihr Gesicht mit Säure bespritzt werden. Bushido handelt nun und organisiert Personenschutz – erst für Anna-Maria und die Kinder, später auch für sich selbst.

Während der Rapper all diese Details dem Richter schildert, wird er plötzlich sehr emotional. Sehr unerwartet stockt auf einmal seine Stimme und er kämpft mit den Tränen. "Ich habe ihm zehn oder 15 Millionen Euro gegeben. Geld juckt mich nicht. Aber als die Polizei zu mir und meiner Familie nach Hause kam, musste ich erstmal nach oben gehen. Ich rappe jahrelang "Ich f*** das LKA" und die passen dann auf meine Familie auf."

Bushido weinend: "Ich hätte alles viel früher beenden sollen"

Um 12:45, kurz vor dem Ende der Verhandlung bricht die sonst so harte Schale des Rappers dann endgültig zusammen: seine Stimme erstickt und mit den Händen vor den Augen wischt er sich immer wieder Tränen aus dem Gesicht.

Auch der Richter bemerkt, wie angeschlagen der Rapper ist, reagiert schnell und fragt nach kurzer Zeit bereits: "Brauchen Sie eine Pause?" Bushido verneint und versucht, seine Tränen wegzudrücken und weiter zu reden. "Ich wusste, dass ich meiner Verantwortung nicht nachgekommen bin. Ich hätte alles viel früher beenden sollen. Ich hatte echte Selbstzweifel gehabt", gibt der Rapper zu und erzählt mit weinerlicher Stimme weiter: "Ich habe meine Frau schlecht behandelt, sie jahrelang belogen. Ich habe in der Öffentlichkeit alles so dargestellt, als sein wir die coolsten Brüder. Das Ganze, was eh schon so lange auf meinen Schultern gelastet hat gipfelt darin, dass er meine Frau und Kinder bedroht."

Abou-Chakers schockiert und versteinert

RTL-Reporterin Samina Faizi verfolgt den Abou-Chaker-Prozess von Anfang an.
RTL-Reporterin Samina Faizi verfolgt den Abou-Chaker-Prozess von Anfang an.
© RTL

Bushidos Ausbruch sorgt auch bei der angeklagten Familie Abou-Chaker für eine Schockstarre. "Ich konnte genau in die Gesichter von Rommel, Nasser und Arafat schauen: sie wirkten genauso versteinert wie ich", fasst Faizi die besondere Situation vor Gericht zusammen. Zwischenrufe jeglicher Art haben auch sie sich heute deshalb verkniffen.

Bis zum 01. März hat Bushido nun Zeit, sich psychisch wieder zu fangen – dann muss er erneut vor Gericht aussagen.