Clan-Verbrecher sollen ihn bedroht und verletzt haben

Bushido gegen Clanchef Arafat Abou-Chaker und Brüder vor Gericht

17. August 2020 - 9:03 Uhr

24 Prozesstage geplant

Einst waren sie Freunde, heute sind sie erbitterte Feinde. Rapper Bushido und der Berliner Clanchef Arafat Abou-Chaker. Letzter, eine inzwischen bundesweit bekannte Unterweltgröße war eine Zeit lang Manager des Musikers, ehe sie sich entzweiten. Nun gibt es ein Wiedersehen vor Gericht. Vier Abou-Chaker-Brüder sind angeklagt, Bushido beleidigt und drangsaliert zu haben.

Einst nannte Arafat Abou-Chaker den Rapper "Bruder"

Es  hätte ein großer Prozess werden können, inklusive aller Ingredienzien wie Medienauflauf, (Rapper-)Prominenz und hohen Sicherheitsvorkehrungen. Doch die Öffentlichkeit wird überwiegend außen vor bleiben. Zugelassen sind an den einzelnen Tagen nur ein Dutzend Prozessbeobachter und Journalisten.

Anis Ferchichi, so Bushidos bürgerlicher Name, wurde von Arafat Abou-Chaker einst "Bruder" genannt, doch das ist Geschichte. Sie endete 2017, als der Musiker beschloss, neue Wege zu gehen und die berufliche Zusammenarbeit mit seinem Manager zu beenden.

Neben dem Clanchef sind auch seine leiblichen Brüder Yasser (39), Nasser (49) und Rommel (42) angeklagt.

Bushido und Familie stehen unter Polizeischutz

Anna Maria Lagerbloom and Bushido leaving the registry office in Zehlendorf after getting married. Berlin, Germany - 23.05.2012 Credit: WENN.com
Bushido und seine Frau Anna-Maria bei ihrer Hochzeit.
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Die Vorwürfe lauten versuchte schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung und Beleidigung. Arafat Abou-Chaker und Bushido, waren langjährige Geschäftspartner, hatten sich getrennt. Danach befürchteten der Musiker und seine Frau Anna-Maria Ferchichi offenbar Racheakte. "Natürlich haben wir Angst, dass jemand aus Rache auf mich oder meinen Mann schießt. Eigentlich rechnen wir jeden Tag damit", zitierte das Magazin "Stern" die Frau. Bushido und seine Familie stehen seit längerem unter Polizeischutz.

Der "Spiegel" berichtet von einer Auseinandersetzung der Abou-Chakers mit Bushido im Januar 2018. Arafat Abou-Chaker habe ihn stundenlang beschimpft, später eine gut gefüllte Halbliter-Plastikflasche ins Gesicht geschlagen. Zudem habe er gedroht, seine Familie anzugehen, so das Magazin weiter. Bushidos einzige Möglichkeit, von Abou-Chaker loszukommen, "sei, sich für mehrere Millionen freizukaufen. Andernfalls müsse er bis an sein Lebensende zahlen."

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Polizei: Wichtiges Zeichen, dass Arafat Abou-Chaker Gerichtssaal mal ohne Lächeln verlässt

Im Januar 2019 wurde Arafat Abou-Chaker bei einem Gerichtstermin in Berlin festgenommen. Sehr zur Erleichterung der Gewerkschaft der Polizei: "Berlin hat den großen Einfluss bestimmter Protagonisten in der organisierten Kriminalität durch jahrelanges institutionelles Wegsehen und Kleinreden sowie mangelndes Durchgreifen mit zu verantworten. Es ist ein wichtiges Zeichen unseres Rechtsstaates, dass Arafat Abou-Chaker den Gerichtssaal mal ohne ein Lächeln auf den Lippen verlässt", reagierte sie seinerzeit. Es blieb beim Wunsch: Nach rund zwei Wochen wurde der Haftbefehl gegen den Clanchef wegen "fehlender Haftgründe" aufgehoben.

TVNOW-Doku: Clans in Deutschland

Sie heißen Abou-Chaker, Remmo, Al-Zein, Miri. Und es gibt noch viel mehr: Arabische Großfamilien beherrschen mittlerweile ganze Straßenzüge in Berlin, im Ruhrgebiet oder in Niedersachsen. Wie konnte es so weit kommen? Wie ticken die Clan-Mitglieder? Und wie will man die Lage in den Griff kriegen? Die große TVNOW-Doku "Clans in Deutschland" gibt Einblicke in die abgeschottete Welt der Clans.