Schmerzhafte Erkrankung wird oft missverstanden

Aufgeblähter Bauch durch Endometriose: Abbie (24) wird ständig für schwanger gehalten

Der Bauch von Abbie Eckert ist aufgrund ihrer Endometriose-Erkrankung aufgebläht.
Der Bauch von Abbie Eckert ist aufgrund ihrer Endometriose-Erkrankung aufgebläht.
© Mercury Press & Media

06. November 2020 - 10:21 Uhr

Abbie hat heftige Endometriose-Symptome

Der Bauch von Abbie Eckert aus Gateshead in England ist durch ihre Endometriose-Erkrankung so aufgebläht, dass die sie immer wieder gefragt wird, ob sie schwanger ist. Doch nicht nur körperlich leidet die junge Frau. Abbie sagt, die Erkrankung habe sie auch psychisch stark beeinträchtigt und ihr Selbstbewusstsein in Mitleidenschaft gezogen – vor allem vor ihrer Diagnose. Nun will die Britin mit ihrer Leidensgeschichte etwas Gutes bewirken und andere Frauen dazu ermutigen, sich ärztliche Hilfe zu suchen, wenn sie vermuten, dass mit ihrem Körper etwas nicht stimmen könnte. Sie sagt: "Hört auf eure Körper und wartet nicht so lange, wie ich es getan habe!"

Aufgeblähter Bauch und psychischer Leidensdruck

2014 erhielt Abbie die Diagnose "Endometriose". Bei der Erkrankung kommt es zu gutartigen Wucherungen der Schleimhaut außerhalb der Gebärmutter. Wird gegen die Wucherungen nichts unternommen, breiten sie sich immer weiter aus. Während die Erkrankung bei vielen Betroffenen nach außen hin nicht sichtbar ist, kann es bei anderen zu starken Schwellungen des Bauches kommen – so auch bei Abbie.

Bis zu ihrer Diagnose habe sie sich aufgrund ihres Bauches ständig mit anderen Mädchen verglichen, erzählt sie dem britischen Magazin "The Sun". Denn die Körpermitte der ansonsten schlanken Frau wölbt sich auffällig nach außen - ähnlich wie bei einer Schwangerschaft. "Das hat mein Selbstbewusstsein ziemlich mitgenommen", gibt die Britin zu.

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Ärzte hielten ihre Symptome für Periodenkrämpfe

Eine Endometriose geht oft mit heftigen Unterleibsschmerzen vor und während der Periode einher. Das kennt auch Abbie nur zu gut. Zweimal musste sie deswegen bereits ins Krankenhaus eingeliefert werden - das war noch vor ihrer Diagnose. Damals hielten die Ärzte ihre Schmerzen lediglich für starke Periodenkrämpfe. "Aber ich wusste da schon, dass das nicht sein kann", sagt Abbie. "Eine heftige Periode kann auch schlimm sein, aber das war einfach nur unermesslich." Einmal habe sie sich schreiend auf dem Boden gewunden, während ihre Kollegen den Krankenwagen riefen, erinnert sie sich im Interview mit "The Sun".

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Abbie wird ständig für schwanger gehalten

Besonders tragisch: Abbie leidet an Endometriose im Stadium IV, der schlimmsten Form der Erkrankung. Diese beeinträchtigt auch ihre Fruchtbarkeit. Vor ihrer Diagnose erlitt die junge Frau im November 2014 eine Fehlgeburt. Nach so einem schweren Schicksalsschlag ständig mit den Vermutungen anderer konfrontiert zu werden, sie sei schwanger, ist für die junge Frau besonders belastend.

"Es strapaziert meine psychische Gesundheit sehr, wenn ich im Bus von Leuten angesprochen werde und sie mich fragen, ob ich in froher Erwartung bin", sagt Abbie dem britischen Magazin. Ihr Bauch sei permanent aufgebläht. "Das geht einfach nicht weg", klagt die 24-Jährige. 

"Jeder hat seine eigene Endometriose-Geschichte"

Auch das Selbstbewusstsein der jungen Britin litt zeitweise extrem unter den Folgen der Erkrankung. Früher habe sie sehr mit ihrem Äußeren gehadert, sich ständig mit anderen Frauen verglichen. Mittlerweile, sagt Abbie, habe sie jedoch akzeptiert, dass sie nicht "fett" ist, sondern eine chronische Krankheit hat - auch dank ihres Partners, der ihr das Gefühl gibt, dass sie "von außen wie von innen wunderschön" ist. Zu Beginn der Beziehung sei es ihr nicht leicht gefallen, sich vor ihrem Freund nackt zu zeigen, doch er habe ihr geholfen, ihr Äußeres anzunehmen, "auch wenn es nicht normal ist, dass ich wie im sechsten Monat aussehe."

Nun will Abbie mit ihrer Story auf die Erkrankung aufmerksam machen und andere Frauen dazu ermutigen, sich nicht davor zu scheuen, sich ärztliche Hilfe zu suchen. "Bitte lasst euch untersuchen! Euer Körper wird es euch wissen lassen, ob es sich um mehr als nur schmerzhafte Periodenschmerzen handelt", sagt Abbie. "Hört auf eure Körper!" Gleichzeitig will sie betroffene Frauen nicht durch ihre eigenen heftigen Symptome verunsichern. "Jeder hat seine eigene Endometriose-Geschichte und meine ist vermutlich nicht mal annähernd damit vergleichbar, was die meisten Frauen erleben."

Sind starke Schmerzen während der Menstruation die Regel? Ab zum Arzt!

Thomas Römer vom Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal und Chef des Endometriose-Zentrums rät: "Sobald Sie kurz vor oder während der Monatsblutung regelmäßig Schmerzmittel nehmen müssen, sollten Sie mit Ihrem Gynäkologen über die Möglichkeit einer Endometriose sprechen. Falls der Verdacht, erkrankt zu sein, tatsächlich besteht, sollten Sie nicht vor einer Bauchspiegelung zurückschrecken. Sie erfolgt unter Narkose und ist oft auch ambulant möglich."

Gehen Sie im Zweifel also lieber einmal zu oft zum Arzt als zu wenig.

Im Video: So würde Endometriose aussehen, wenn sie sichtbar wäre

Auch Make-up-Künstlerin Andrea Baines leidet an Endometriose. Mit einem täuschend echt wirkenden Bodypainting zeigt sie, wie schlimm die Schmerzen sich bei ihr anfühlen.