Adegbayi B. wurde rassistisch beschimpft und angegriffen

Familienvater entsetzt über Spuck-Attacke: "Mein Kind ist jetzt traumatisiert"

30. November 2021 - 8:45 Uhr

Deutsch-Afrikaner in Berlin mehrfach von unbekannter Frau bespuckt und beschimpft

Was diesem Mann und seiner Tochter widerfahren ist, ist kaum zu fassen. Adegbayi B. wurde vergangenen Freitagnachmittag von einer unbekannten Frau beschimpft und mehrfach bespuckt. Der Familienvater war während der widerlichen Attacke mit seiner einjährigen Tochter in der Nähe der Volkshochschule in Berlin-Fennpfuhl unterwegs. Die Frau soll den Mann mit nigerianischen Wurzeln ohne Grund angegriffen haben. Im Interview mit RTL spricht der 32-Jährige über den heftigen Vorfall – was er dazu sagt, zeigen wir im Video.

Berlin-Fennpfuhl: Familienvater teilte Video der Rassismus-Attacke auf Twitter

Adegbayi B. ist Vater von zwei Kindern, Rassismus begleite ihn leider regelmäßig in Deutschland, sagt er. Im Interview erzählt der 32-Jährige, dass er mindestens zwei bis drei Mal im Monat einfach so eine Beleidigung, die ihm im Vorbeigehen zugerufen wird, ertragen muss. Das, so sagt er, pralle mittlerweile schon fast an ihm ab. So heftig wie dieses Mal vor der Volkshochschule in Berlin-Fennpfuhl, sei es meist zum Glück nicht.

"Ich habe meine Tochter von der Kita abgeholt und lief hier entlang, plötzlich schrie eine Frau: du Affe, was machst du in meinem Land?!" Der gebürtige Nigerianer habe sich zunächst nicht angesprochen gefühlt, drehte sich wegen der Schreie nur kurz um. Dann habe er bemerkt, dass sich die schlimmen Beleidigungen wohl gegen ihn richteten.

Die Frau sei auf ihn zugegangen. Der Familienvater habe sie daraufhin gefragt, ob er ihr helfen könne. Das habe die Unbekannte noch wütender gemacht, sie habe geschrien: "Was? Der redet noch mit mir?" Dann spuckte die Frau Adegbayi mehrfach an – das zeigen Videoaufnahmen. Sie spuckt auf seine Schuhe, die Hose und auch knapp am Gesicht des Vaters vorbei. An dieser Stelle verzichten wir drauf, die folgenden Beleidigungen näher auszuführen (Anm. d. Red.).

Der Staatsschutz ermittelt wegen der Rassismus-Attacke in Berlin

Adegbayi B. entschied sich, den Angriff mit seinem Handy aufzunehmen. Damit habe er vermeiden wollen, dass man ihm später nicht glaube. Die einjährige Tochter sei traumatisiert gewesen, erzählt uns Adegbayi B. im Interview. Die lauten Schreie hätten das Kind im Kinderwagen erschreckt. Als die Frau endlich weitergezogen sei, habe der Vater seine Tochter zunächst beruhigen müssen.

Kurz darauf sei der 32-Jährige zur Polizei gegangen und habe Anzeige gegen die Unbekannte erstattet. Der Polizist sei schockiert gewesen, erzählt er. Außerdem lud der Familienvater das Video auf Twitter hoch. Das erregte Aufsehen und nun ermittelt der Staatsschutz. Die Frau konnte mittlerweile von der Berliner Polizei identifiziert werden. Es handelt sich um eine 38-Jährige, die bei der Polizei wegen ähnlicher Delikte bereits bekannt ist. Sie hat sich nun wegen ihres Verhaltens zu verantworten, so die Berliner Polizei bei Twitter.

Adegbayi B. wünscht sich für die Zukunft nur eins: dass mehr Menschen Zivilcourage zeigen und andere in solchen Momenten unterstützen. Viele Leute hätten die Attacke mitbekommen, aber: "Es hat niemand geholfen." Der 32-Jährige bereitet seinen vierjährigen Sohn schon jetzt in Gesprächen darauf vor, dass solche Situationen auf ihn zukommen können im Leben. Das findet der Familienvater traurig. Er hofft, dass seine Kinder so etwas nicht erleben müssen, weiß aber dass dieser Wunsch vermutlich unrealistisch ist.

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Darum ist die Berichterstattung zu Alltagsrassismus so wichtig

Täglich werden mindestens drei bis vier Menschen in Deutschland Opfer rechter Gewalt, so der Verein Opferperspektive. Dabei sind laut Beratungsstellen rund zwei Drittel aller Angriffe rassistisch motiviert.

Viele Menschen, die nicht tagtäglich rassistischen Ressentiments ausgesetzt sind, sind oft überfordert, wenn Rassismus-Opfer ihre Diskriminierungs-Erfahrungen teilen und öffentlich machen. Oft führt das Aufzeigen und Benennen von erlebtem Rassismus zu einem bestimmten Rechtfertigungs-Muster, zu Erklärungsversuchen, man habe es doch gut gemeint, oder gar zu Gegenvorwürfen, man solle sich nicht so sehr anstellen.

Sich mit den Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen, kann aber helfen zu verstehen, warum sich viele Menschen in Deutschland zurecht über rassistische Diskriminierungen und strukturelle Benachteiligungen beklagen und ihre Stimmen lauter werden. Als Nicht-Betroffener sollte man zunächst diesen einen Rat befolgen: gut zuhören und die geschilderten Rassismus-Erfahrungen Betroffener ernstnehmen.

(mca/kra)