Widerliche Rassismus-Attacke auf Berliner Familienvater (32)

"Verpiss dich in deine Heimat. Du hast hier nichts zu suchen"

Die Frau, die den 32-jährigen Vater einer Tochter in Berlin aufs übelste beleidigte.
Die Frau, die den 32-jährigen Vater einer Tochter in Berlin aufs übelste beleidigte.
© Screenshot Twitter

29. November 2021 - 16:01 Uhr

Berlin-Fennpfuhl: Staatsschutz ermittelt

Ein Vater ist vor der Volkshochschule in Berlin-Fennpfuhl von einer Frau aufs übelste rassistisch beleidigt und mehrfach bespuckt worden. Der 32 Jahre alte Mann wollte am Freitagnachmittag mit seiner einjährigen Tochter an der Einrichtung in der Paul-Junius-Straße vorbeigehen, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Als die Frau von ihm abließ und ins Gebäude ging, setzte der Mann seinen Weg fort und erstattete Anzeige. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz im Landeskriminalamt ermittelt.

Im Video: " Ich wurde beschimpft und bespuckt"

Nach Rassismus-Attacke in Berlin: Auch Opfer erstattet Anzeige

"Das habe ich heute in Lichtenberg erlebt, Polizei Berlin wäre eine Anzeige hier möglich oder bringt nichts?", fragt er auf Twitter zu seinem Video. Die Berliner Polizei reagiert umgehend, antwortet ebenfalls bei Twitter: "Zurzeit verbreitet sich ein Video in den Sozialen Medien, das eine Frau zeigt, die in Berlin eine Person massiv fremdenfeindlich beleidigt. Wir haben das Video kurz nach der Veröffentlichung unserem Staatsschutz beim LKA übermittelt." Mittlerweile sei eine Anzeige aufgenommen worden.

"Verpiss dich in deine Heimat. Du hast hier nichts zu suchen", schreit die Frau im Video, während sie den Mann, der mit seiner einjährigen Tochter unterwegs ist, mehrfach anspuckt. Wir verzichten bewusst darauf, die weiteren menschenverachtenden Beleidigungen der Frau zu reproduzieren.

Weil die Frau im Video gut zu erkennen ist, ist es vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis sie identifiziert ist. Die Ermittlungen zu diesem Vorfall sowie zur Identifizierung der Unbekannten hat der polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes übernommen. Wie der "Tagesspiegel" berichtet, habe der Mann schon häufiger rassistische Angriffe erlebt, sie aber oft nicht ernst genommen. Dieses Mal habe er sich jedoch entschlossen, die Attacke zu filmen. Wie der "Tagesspiegel" weiter berichtet, ist der 32-Jährige in Nigeria geboren, lebt seit sieben Jahren in Deutschland und wohnt in Berlin-Lichtenberg.

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Darum ist die Berichterstattung zu Alltagsrassismus so wichtig

Täglich werden mindestens drei bis vier Menschen in Deutschland Opfer rechter Gewalt, so der Verein Opferperspektive. Dabei sind laut Beratungsstellen rund zwei Drittel aller Angriffe rassistisch motiviert.

Viele Menschen, die nicht tagtäglich rassistischen Ressentiments ausgesetzt sind, sind oft überfordert, wenn Rassismus-Opfer ihre Diskriminierungs-Erfahrungen teilen und öffentlich machen. Oft führt das Aufzeigen und Benennen von erlebtem Rassismus zu einem bestimmten Rechtfertigungs-Muster, zu Erklärungsversuchen, man habe es doch gut gemeint, oder gar zu Gegenvorwürfen, man solle sich nicht so sehr anstellen.

Sich mit den Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen, kann aber helfen zu verstehen, warum sich viele Menschen in Deutschland zurecht über rassistische Diskriminierungen und strukturelle Benachteiligungen beklagen und ihre Stimmen lauter werden. Als Nicht-Betroffener sollte man zunächst diesen einen Rat befolgen: gut zuhören und die geschilderten Rassismus-Erfahrungen Betroffener ernstnehmen. (kra)