Seit dem Kalten Krieg

Nur ein Missverständnis von Vernichtung entfernt: UN-Chef warnt vor größter nuklearer Gefahr

United Nations Secretary-General Antonio Guterres addresses the media prior to the Nuclear Non-Proliferation Treaty review conference in New York City, New York, U.S., August 1, 2022.  REUTERS/David 'Dee' Delgado
UN-Chef-General Guterres warnt vor der größten nuklearen Gefahr.
DD, REUTERS, DAVID DEE DELGADO

Die Welt sei nur ein Missverständnis von einer nuklearen Vernichtung entfernt, warnte UN-Generalsekretär António Guterres. Der 73-Jährige fand zum Start der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag in New York drastische Worte. „Die Menschheit läuft Gefahr, die Lehren zu vergessen, die in den schrecklichen Feuern von Hiroshima und Nagasaki geschmiedet wurden“, so Guterres.

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Anspannungen auf Höchststand: "Zeit nuklearer Gefahr"

Angesichts zahlreicher Krisen weltweit hat der UN-Chef vor dem steigenden Risiko atomarer Vernichtung gewarnt. Die Welt befinde sich in einer „Zeit nuklearer Gefahr, wie es sie seit dem Höhepunkt des Kalten Krieges nicht mehr gegeben hat“, sagt der UN-Chef. Nur eine Fehlkalkulation könne zur Vernichtung führen.

Guterres erklärte weiter, dass die geopolitischen Spannungen einen neuen Höchststand erreicht hätten – und verwies auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine, Konflikte in Nahost, auf der koreanischen Halbinsel sowie Krisen mit „nuklearen Untertönen“. Die Beseitigung von Atomwaffen sei die einzige Garantie, dass diese niemals eingesetzt würden.

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13.000 Atomwaffen weltweit - Abrüstung gerät ins Stocken

Das mehr als 50 Jahre alte Abkommen über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV) bildet die Grundlage für atomare Abrüstung weltweit. Es besagt, dass nur die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien Atomwaffen besitzen dürfen. Die vier anderen mutmaßlichen Atommächte Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea sind dem Vertrag entweder nicht bei- oder wieder ausgetreten.

Alle fünf Jahre ist eine Überprüfung des Erreichten vorgesehen. Die zehnte Überprüfungskonferenz sollte bereits 2020 stattfinden, wurde wegen der Corona-Pandemie aber verschoben. Die Konferenz geht bis zum 26. August. Die atomare Abrüstung war schon vor Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ins Stocken geraten. Jetzt wird die Reduzierung der knapp 13.000 Atomwaffen weltweit noch schwerer.

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Baerbock zur Atom-Abrüstung:"Müssen hartnäckig bleiben"

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock mahnte vor ihrer Abreise nach New York, trotz aller Kriege, Konflikte und Drohgebärden weiter für atomare Abrüstung zu kämpfen. „Auch wenn dieses Ziel in der aktuellen Weltlage noch so entfernt scheinen mag: Wir dürfen dieses Ziel nie aus den Augen verlieren, müssen hartnäckig dran bleiben, wenn es um seine Umsetzung geht“, sagte sie. Deutschland habe zusammen mit 15 weiteren Ländern 22 Vorschläge für nukleare Abrüstung gemacht. Wenn man in New York „auch nur einen Millimeter“ vorankomme, sei das jede Anstrengung wert.

"Möglichkeit für neue Verhandlungen": Iran signalisiert Bereitschaft

Angesichts von Spannungen und stockenden Verhandlungen über das iranische Atomprogramm nahm der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, in seiner Rede auch Teheran in die Pflicht: „Wir brauchen einen Zugang, der der Breite und Tiefe dieses nuklearen Problems angemessen ist“. Nur dann sei die IAEA in der Lage „die notwendigen und glaubwürdigen Zusicherungen zu geben, dass jede Aktivität in der Islamischen Republik Iran friedlichen Zwecken dient.“ Die Verhandlungen über eine Wiederbelebung des 2015 geschlossenen Abkommens zwischen dem Iran und den sechs Vertragspartnern – China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und USA – stocken seit März.

Der Iran signalisierte unterdessen seine Bereitschaft für eine Wiederaufnahme der Atomverhandlungen. „Wir haben in den letzten Tagen wichtige Botschaften erhalten (... ) Es besteht in der Tat schon bald die Möglichkeit für neue Verhandlungen“, sagte Außenamtssprecher Nasser Kanaani in Teheran. Der Iran wolle definitiv ein Ende des Atomstreits und eine umfassende Einigung. (jaw/dpa)

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