Keine “amerikanischen Styles” mehr

Taliban verbieten Friseuren, ihren Kunden die Bärte zu schneiden

Ein afghanischer Friseur rasiert einem Kunden den Bart. Die Terror-Herrschaft der Taliban verbietet künftig einen individuellen Look.
Ein afghanischer Friseur rasiert einem Kunden den Bart. Die Terror-Herrschaft der Taliban verbietet künftig einen individuellen Look.
© picture alliance, Sardar Shafaq

27. September 2021 - 22:53 Uhr

Afghanistan: Rasieren verboten

Die Schreckens-Herrschaft der Taliban nimmt weiter Konturen an: Knapp sechs Wochen nach ihrer Machtübernahme setzen die Islamisten in Afghanistan weiter ihre freiheitsraubenden Vorstellungen durch. Nachdem die Rechte von Frauen massiv beschnitten wurden, ist es Friseuren in der afghanischen Provinz Helmand nun auch verboten, ihre Kunden zu rasieren oder ihnen die Bärte zu stutzen. Dies verstoße gegen ihre Auslegung des islamischen Rechts, wie der britische Sender "BBC" berichtet.

Hoffnung auf gemäßigte Taliban schwindet

Jeder, der gegen diese Vorschrift verstößt, wird nach Angaben der Scharia-Polizei der Taliban bestraft. Neben der Provinz Helmand sollen auch etliche Friseure in der Hauptstadt Kabul diesen Befehl erhalten haben.

Viele hatten Hoffnung, dass die "neuen" Taliban gemäßigter auftreten als ihre Vorgänger vor 20 Jahren. Die neuen "Regeln" zeigen allerdings, dass ein entspannterer Umgang nicht wirklich zu erwarten ist. Seinerzeit verhängten die Taliban schon einmal ein Verbot, Bärte zu schneiden.

Szene des Grauens in westafghanischer Stadt Herat

Wie ernst die Taliban ihre Drohungen bei Verstößen meinen, konnte man am Samstag in der westafghanischen Stadt Herat erkennen. Dort hatten die Taliban die Leichen von vier Männern öffentlich zur Schau gestellt. Bestraft wurden diese, weil sie angeblich einen Händler und seinen Sohn entführt hatten. Die Männer "wurden aufgehängt, damit niemand es mehr wagt, solche Verbrechen zu begehen", sagte Vizegouverneur Maulaui Schir Achmed Amar der Deutschen Presse-Agentur. Auf Aufnahmen aus Herat war zu sehen, wie Schaulustige eine Leiche mit ihren Handys filmen, die in Ketten umwickelt auf dem Hauptplatz der Stadt an einem Kran aufgehängt ist.

Ähnlich soll es offenbar auch Männern ergehen, die sich ihre Bärte stutzen wollen. Ein Friseur, der einen der größten Salons in Kabul betreibt, sagte gegenüber "BBC", er habe einen Anruf erhalten, der sich als Regierungsbeamter ausgab. Sie wiesen ihn an, "nicht mehr den amerikanischen Stil zu befolgen".

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Während ihrer Herrschaft in den späten neunziger Jahren waren die Taliban dafür bekannt, Verbrechen mit öffentlichen Auspeitschungen zu bestrafen, Menschen öffentlich zu steinigen und Gliedmaßen zu amputieren. 2001 wurde ihr Regime durch den US-Einmarsch gestürzt.

Mit dem Abzug der Nato-Truppen übernahmen die militanten Islamisten Mitte August wieder die Macht in Afghanistan. Das Land ist nach Jahrzehnten von Krieg und Konflikt auf internationale Unterstützung angewiesen. Viele Staaten wollen Hilfslieferungen an Bedingungen knüpfen. Beobachter befürchten, dass die Taliban trotz aller Hoffnungen auf einen gemäßigteren Kurs wieder mit harter Hand regiert. (dpa/kra)