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Afghanistan-Evakuierungen: Zeit für Ortskräfte wird langsam knapp - letzte Flüge angekündigt

Kramp-Karrenbauer mit Statement zur aktuellen Lage

Letzte Evakuierungen der Bundeswehr und Terrordrohungen - Die Zeit wird langsam knapp!

Ahmad J. von Bundeswehrsoldaten aus dem Flughafen geworfen Trotz Ausreisegenehmigung
01:31 min
Trotz Ausreisegenehmigung
Ahmad J. von Bundeswehrsoldaten aus dem Flughafen geworfen

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Gefährlichste Phase der Evakuierungen

„Wir befinden uns jetzt in der sicherlich hektischsten, in der gefährlichsten, in der sensibelsten Phase.“, sagt Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer am Donnerstagmittag in Berlin. Konkrete Terrordrohungen hätten sich verschärft, die Lage vor allem am Flughafen ist extrem undurchsichtig. Gleichzeitig rückt das Ende der Rettungsmissionen der Bundeswehr immer näher und das obwohl immer noch viele Hilfebedürftige vor Ort sind. Auch die ehemalige Ortskraft Ahmad J. sitzt noch in Kabul fest und schickt RTL weiter verzweifelte Nachrichten zu seiner mittlerweile fast hoffnungslosen Situation.

Alle Infos zur Situation in Afghanistan in unserem Liveticker.

Ahmad J. hat lange für die Bundeswehr gearbeitet und wird nun wohl in Afghanistan zurückbleiben
Ahmad J. hat lange für die Bundeswehr gearbeitet und wird nun wohl in Afghanistan zurückbleiben
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Ortskraft Ahmad J. : "Ich habe große Angst"

Für die ehemalige Ortskraft Ahmad J., der teilweise jahrelang für deutsche Behörden und die Bundeswehr in Afghanistan gearbeitet hat, läuft die Zeit langsam ab. Einmal war er ganz nah dran: Ahmad J. saß bereits im Flieger, wurde mit Familie von Bundeswehrsoldaten aber wieder aus dem Flughafen geworfen, und das trotz gültiger Ausreisegenehmigung .

Zwar bestätigte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr auf Anfrage von RTL, dass man sich in diesem Fall um Aufklärung bemühen will und mit Hochdruck daran arbeite, „Herrn J. wieder in den Flughafen Kabul zu bringen und auszufliegen." Doch passiert ist das bis heute nicht.

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In einer Sprachnachricht vom Donnerstagmorgen beschreibt Ahmad seine verzweifelte Situation: "Ich habe große Angst und bin ziemlich frustriert und verletzt, weil ich zurückgelassen wurde". Seine Chancen Afghanistan noch über den Landweg verlassen zu können seien gering, überall seien Checkpoints der Taliban. Aber zu bleiben ist bald auch keine Option mehr. Am Morgen habe ihn eine ihm unbekannte Person angerufen und ihn nach seinem Aufenthaltsort ausfragen wollen. Ahmad weiß nicht, was jetzt passieren wird.

Terrordrohungen verschärft

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat derweil vor einer immer weiter wachsenden Terrorgefahr um den Flughafen im afghanischen Kabul gewarnt. „Wir wissen, dass die Terrordrohungen sich massiv verschärft haben, dass sie deutlich konkreter geworden sind“, sagte sie am Donnerstag.

Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr soll wegen des bevorstehenden Abzugs der US-Streitkräfte vom Flughafen und der wachsenden Terrorgefahr noch heute enden. Am Mittag sei aber noch eine A400M-Maschine mit 154 Menschen aus Kabul an Bord in Taschkent gelandet.

Kramp-Karrenbauer sagte, man arbeite zwar „fieberhaft“ an der weiteren Evakuierung, müsse aber die Terrorgefahr berücksichtigen. Es sei eine „höchst schwierige und höchst gefährliche Situation für alle Beteiligten“.

Man bemühe sich in „Phase zwei“ der Evakuierung nach dem Ende des Bundeswehreinsatzes zu kommen, betonte die Ministerin. In dieser Phase werde es darum gehen, auf diplomatischem Weg zu versuchen, Menschen die Ausreise zu ermöglichen.

Bundeswehr-Generalinspekteur Eberhard Zorn sagte, dass inzwischen 5200 Menschen aus 45 Nationen von der Bundeswehr ausgeflogen worden seien. Zwei Hubschrauber, die für die Evakuierungsaktionen nach Kabul transportiert worden waren, sind bereits wieder ins usbekische Taschkent gebracht worden. Dort befindet sich das Drehkreuz der Bundeswehr für die Evakuierung.

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Gerüchte in Kabul: Sichergeglaubtes Hotel als Falle der Taliban?

All das gibt Ahmad J. wenig Hoffnung das Land noch in den nächsten Tagen verlassen zu können. Derweil gehen auch Gerüchte durch Kabul, dass ein Sammelpunkt in einem Hotel für Menschen mit gültigem Visum, eine Falle der Taliban sein könnte. Gerüchten zu Folge soll das Hotel von den Taliban kontrolliert werden und Menschen dort seit über eine Woche gefangen halten werden. Bestätigen konnte RTL diese Meldungen bisher nicht. Gleichzeitig gibt es auch Meldungen von Geflüchteten, die das Hotel sicher verlassen haben und am Flughafen evakuiert werden konnten.

Aber auch diese Gerüchte zeigen eindrücklich wie undurchsichtig die Lage in Kabul aktuell ist und dass Schutzbedürftigen vor Ort immer weiter die Zeit davon läuft. (dpa/khe)