30 Jahre keinen Sex wegen Vaginismus

„Ich wollte keinen Mann, zu dem ich mich sexuell hingezogen fühle“

15. April 2020 - 16:23 Uhr

Scheidenkrämpfe machen Sex schmerzhaft bis unmöglich

Für die meisten Menschen gehört Sex zum Leben und zu einer erfüllten Partnerschaft dazu. Für Petek Tatli war das den Großteil ihres Lebens anders. Die heute 38-Jährige litt an Vaginismus. Dabei zieht sich die Beckenboden- und Vaginalmuskulatur krampfhaft zusammen, sodass Sex nicht oder nur unter sehr starken Schmerzen möglich ist. Auch so alltägliche Dinge wie das Einführen eines Tampons oder die Untersuchung beim Frauenarzt sind für Betroffene sehr schmerzhaft.

Doch Petek hat einen Weg aus ihrem Vaginismus gefunden und kann jetzt sogar Sex genießen. Wie sie das geschafft hat und jetzt auch anderen Frauen helfen möchte, erzählt sie selbst im Video.

Petek war bis 30 Jungfrau

Schon alleine der Gedanke an Sex löste bei der jungen Frau aus Istanbul Krämpfe aus. Durch den Vaginismus war ein normales Sexleben für sie nicht denkbar. Daher datete Petek absichtlich Männer, die sie unattraktiv fand, wie "Mirror.co.uk" berichtet. "Wenn ich zurückblicke, wollte ich einfach keine Frau sein", erzählt sie. "Ich wollte meine Sexualität nicht fühlen, ich wollte keinen Mann in meinem Leben haben, zu dem ich mich sexuell hingezogen fühle."

Vaginismus kann mehr oder weniger extrem ausfallen. Bei Petek war die Abwehrreaktion so schlimm, dass sich nicht nur die Muskulatur rund um die Vagina zusammenzog, sondern sich ihr ganzer Körper verkrampfte. Die Wende kam, als Petek begann, Yoga und Meditation auszuüben. Dies verschaffte ihr ein neues Gefühl für ihren Körper. Mit Geduld und Übung schaffte sie es so, ihren Vaginismus zu bekämpfen - und hat nun mit ihrem Partner Johanne ein funktionierendes Sexleben.

Was sind die Ursachen von Vaginismus?

Im Prinzip handelt es sich bei Vaginismus um eine extreme, aber natürliche Abwehrreaktion des Körpers. Die Vaginamuskulatur verkrampft sich in Erwartung eines unerwünschten Eindringens automatisch. Man unterscheidet zwischen dem primären Vaginismus, der von Geburt an besteht und auch das Einführen von Tampons erschwert, und dem sekundären Vaginismus, der meist nach einem traumatischen Erlebnis auftritt (zum Beispiel nach sexuellem Missbrauch, aber auch nach einer Schwangerschaft, Operation oder in den Wechseljahren).

Während die Ursachen für sekundären Vaginismus klar psychischer Natur sind, kann primärer Vaginismus sowohl psychische als auch körperliche Ursachen haben, wie zum Beispiel Muskelfunktionsstörungen.

Behandlung von Vaginismus

Behandelt wird Vaginismus daher einerseits mit Entspannungs- und Beckenbodenübungen sowie einer schrittweisen Gewöhnung bzw. Weitung der Vagina mithilfe von Dilatoren in verschiedenen Größen. Andererseits kann auch eine Therapie helfen, die Angst vor der Penetration zu überwinden und so nicht zu verkrampfen.

Wichtig ist vor allem, dass betroffene Frauen sich nicht alleine fühlen oder gar das Gefühl haben, keine richtige Frau zu sein, weil bei ihnen kein penetrativer Sex möglich ist. Programme wie das von Petek Tatli aber auch Gespräche mit Vertrauten, dem Partner, anderen Betroffenen und dem Frauenarzt können dabei helfen.