Nach Coming-Out von Pauli-TrainerDer (halbe) Sinneswandel des Jens Lehmann

von Dirk Elbrächter, Jonas Gerdes und Manuel Lippert

Er hat dazugelernt!
Vor einer Woche bricht Christian Dobrick (29) sein Schweigen. Der U19-Trainer von Bundesligist FC St. Pauli ist schwul – und das ist auch gut so! Das Thema macht die Runde, stößt auf großen Respekt und breites Verständnis. Ein Verständnis, das in der Fußballwelt nicht selbstverständlich ist, auch wenn es das eigentlich sein sollte. Erinnerungen werden wach an das Coming-Out von Thomas Hitzlsperger (43), das vor allem bei Ex-Nationalkeeper Jens Lehmann (56) damals mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Heute ist er da zumindest einen Schritt weiter, wie er uns im Interview erzählt.

Entschuldigen will sich Lehmann aber nicht

Als Hitzlsperger nach dem Ende seiner Karriere den Schritt aus dem unerträglichen Versteckspiel wagte, war das Echo enorm. In einem Interview mit der Zeit im Januar 2014 gab der ehemalige Nationalspieler und langjährige England-Legionär öffentlich seine Homosexualität bekannt.

Dafür erntete er viel Zustimmung, aber auch eine Menge scheue, unbeholfene Reaktionen. So unter anderem von Lehmann, der von 2008 bis 2010 mit Hitzlsperger gemeinsam beim VfB Stuttgart spielte. „Komisch. Man duscht jeden Tag zusammen. Niemand kann seine Gedanken kontrollieren”, sagte der frühere DFB-Torhüter in demselben Jahr bei Sky90 reichlich ungelenk, um es nett zu formulieren.

Jens Lehmann und Thomas Hitzlsperger
Jens Lehmann und Thomas Hitzlsperger nach der geglückten Champions-League-Quali 2009 mit dem VfB Stuttgart gegen Timisoara.
Imago

Auf das aktuelle Coming-Out Dobricks angesprochen, gesteht Lehmann, eine solche Aussage heute nicht mehr zu tätigen. „Ja, im Jahr 2014 habe ich das so gesagt und das würde ich heute wahrscheinlich zwölf Jahre später, nicht mehr so machen, weil sich auch der Zeitgeist natürlich verändert hat. Aber damals wurde man damit konfrontiert und man wusste nicht so genau, wie man darüber eigentlich denken sollte”, erklärt er im Interview mit RTL/ntv.

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Aber Lehmann wäre nicht Lehmann, wenn er nicht weiter zu polarisieren wüsste. So schickt er auch gleich ein ABER hinter, denn zu einer Entschuldigung für seine damalige Aussage will er sich einfach nicht hinreißen lassen: „Also entschuldigen möchte ich mich jetzt nicht unbedingt, weil ich damals auch keinen persönlich angegriffen habe. Meine Aussage damals, wenn man die so sieht, ist ja auch ein bisschen aus Unkenntnis und Unbehagen heraus entstanden, demzufolge sehe ich jetzt keinen Grund dafür, mich bei irgendjemandem zu entschuldigen.”

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Dennoch unterstützt Dobricks Coming-Out, so wie es auch Bundestrainer Julian Nagelsmann mit unaufgeregter Selbstverständlichkeit tut.

Ob Lehmann aktiven Fußballern heutzutage dazu rät, sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen, verrät er oben im Video!