Schluss mit „Wortakrobatik”Trainer von Bundesligist erklärt: „Ich bin schwul”
ER will sich nicht mehr verstecken!
2014 erklärte Thomas Hitzlsperger (43) als erster ehemaliger Fußball-Star in Deutschland, dass er schwul ist. Über zehn Jahre später gibt es noch immer kein öffentliches Coming-out eines aktiven Profis. Dafür bricht ein aktiver Trainer nun sein Schweigen. Christian Dobrick (29) trainiert die U19 von Fußball-Bundesligist St. Pauli und spricht exklusiv bei RTL und im Stern über seine Homosexualität und etwas, das doch längst normal sein sollte.
St. Pauli-Trainer Christian Dobrick macht seine Homosexualität öffentlich
„Ich bin Fußballtrainer, 29 Jahre alt. Und warum ich hier sitze, ist am Ende: Ich bin schwul und das wollte ich einmal gesagt haben”, beginnt Christian Dobrick das Interview. Im Gespräch mit RTL scheinen ihm diese Worte leicht über die Lippen zu gehen. Tatsächlich sind es aber Worte, über welche er sehr lange nachgedacht hat – vor allem darüber, ob er sie in der Öffentlichkeit sagen soll.

RTL trifft Dobrick in Hamburg, fernab des Fußballplatzes oder der Trainerbank. Seit zehn Jahren ist er aktiver Fußballtrainer. Seit Sommer 2025 trainiert er beim FC St. Pauli als U19-Coach die Profis von morgen. Zuvor hatte Dobrick drei Jahre in der Red Bull Fussball-Akademie in Salzburg gearbeitet.
Spannend: Sein Verein und seine Spieler wissen zum Zeitpunkt des Interviews von seinem Vorhaben nichts. Doch für ihn ist klar, dass er nicht zusätzlich mit dieser „Last“ im Kopf leben will. „Es ist tierisch anstrengend“, erzählt er und beschreibt das Gefühl als „permanentes Hintergrundrauschen“.
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Zwar belastet ihn das „Geheimnis“ nicht auf dem Platz, aber in alltäglichen Situationen am Arbeitsplatz. „Es kommt dann mal die Frage von einem Arbeitskollegen und dann fängt man an, einen rhetorischen Eiertanz zu führen und sagt: Meine bessere Hälfte oder ich bin vergeben. Ehrlicherweise ist das dann ein bisschen Wortakrobatik.“ Eine Wortakrobatik, die er mit diesem Interview für immer hinter sich lässt. Auch, weil er sich voll und ganz auf seinen Job als Trainer konzentrieren will. „Es zieht mindestens mal zehn Prozent vom Arbeitsspeicher im Hintergrund, die man eigentlich für den Sport investieren könnte.“
Zehn Jahre arbeitet der gebürtige Flensburger bereits im Fußballgeschäft, den Entschluss, mit seiner Homosexualität an die Öffentlichkeit zu gehen, hat er sich nicht leicht gemacht. „Das war ein längerer Prozess“, erzählt er. Ein Prozess, der mit seinen Karriereschritten im Fußball immer ernster wird.
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Zugleich ist ihm bewusst, dass sich mit seinem Coming-out im schlimmsten Fall auch etwas ändern könnte. „Man hat natürlich Befürchtungen. Ändert das, was als Trainer erst mal in der Situation ist, Verantwortung für eine Gruppe zu übernehmen, ein Stück weit auch emotional voranzugehen. Und dafür braucht man eine gewisse Autorität und ein gewisses Selbstbewusstsein.“
St. Pauli-Trainer Christian Dobrick lebt mit Behinderung
Selbstbewusst ist Dobrick definitiv. Das für andere Menschen „anders” sein begleitet ihn schon sein ganzes Leben. Denn der Coach hat eine Körperbehinderung (ihm fehlt seit Geburt der linke Unterarm). Er sagt, dass er es gewohnt sei, von erwachsenen Menschen wie „Knut der Eisbär im Berliner Zoo angeschaut” zu werden. Er rechnet damit, dass er nun noch einmal mehr angeschaut oder vielleicht auch beschimpft werden könnte.

Doch für Dobrick steht fest: „Wenn ich maximal authentisch sein möchte, als Trainer und Mut von meinen Spielern verlange, mutig Fußball zu spielen, dann geht das nur, wenn ich da vorne stehe und auch den Mut habe zu sagen, Freunde, das bin ich so, macht damit, was ihr wollt.“ Dass er aufgrund seines Coming-out jetzt Probleme im Klub bekommt, denkt er nicht. Gedanken darüber, wie er es der Mannschaft kommuniziert, hat er sich auch noch nicht gemacht. Das mache er dann „gefühlig“ in dem Moment. Sollte ein Spieler ihn nun deshalb ablehnen, stellt er klar: „Wenn die persönliche Weltanschauung dem Beruf im Wege steht, dann tut es mir leid für ihn.“
Dobrick selbst will sich spätestens jetzt zu 100 Prozent im Beruf nur noch auf Fußball konzentrieren!
Mehr dazu lest ihr bei stern+. Mehr seht ihr bei RTL Aktuell (18.45 Uhr bei RTL und auf RTL+) und im Nachtjournal Spezial: „Coming-out im Profifußball”.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche



