Schwede sollte angeblich töten und abkassierenMord auf Bestellung? Jugendlicher wegen mutmaßlichen Auftragsmords vor Gericht
Die Frontscheibe eines SUVs wurde von Kugeln durchsiebt, ein Rocker schwer verletzt – dieses Attentat in Köln beschäftigt derzeit die Justiz. Vor dem Landgericht steht allerdings nicht der mutmaßliche Schütze, sondern ein Jugendlicher aus Schweden. Laut Anklage soll er ursprünglich den Auftrag gehabt haben, die Tat gegen Bezahlung auszuführen.
Anklage: Mordauftrag gegen Geld angenommen
Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil der Angeklagte zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat erst 17 Jahre alt war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll er sich über einen Vermittler zu einem Auftragsmord bereit erklärt haben. Hans Logemann vom Landgericht Köln sagt: „Der seinerzeit 17-jährige und in Schweden wohnhafte Angeklagte soll sich gegenüber einem ebenfalls aus Schweden stammenden Vermittler bereit erklärt haben, nach Deutschland zu reisen und gegen Bezahlung eine Person zu töten.“ Nach bisherigen Ermittlungen soll der Auftrag aus der Türkei gekommen sein. Organisiert worden sei die Tat demnach von einer schwedischen Gruppe, die mutmaßlich Täter für Gewalttaten vermittelt. Ermittler sprechen in diesem Zusammenhang von „Crime as a Service“ – also Kriminalität auf Bestellung.
Junge Täter sollen gezielt angeworben werden
Nach Einschätzung von Ermittlern werden für solche Taten häufig sehr junge Menschen angeworben. Kontakte entstehen wohl über Onlineplattformen oder persönliche Netzwerke. Als Anreiz gelten Geld und Anerkennung innerhalb krimineller Strukturen. Dirk Peglow, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, sagt: „Es geht hier um sehr junge Täter, die teilweise 14, 15 Jahre alt sind. Die werden rekrutiert über entsprechende Onlineplattformen, aber auch durch persönliche Kontakte. Der Anreiz ist natürlich in erster Linie, dass sie ja Geld verdienen. Wobei wir hier von auch geringeren Beträgen im Bereich von 400 bis 600 Euro sprechen. Es kommt auch auf die Tat an, aber es geht natürlich auch um Statuserwerb.“
Festnahme vor dem mutmaßlichen Anschlag
Laut Anklage reiste der Jugendliche Ende 2025 nach Deutschland. Ihm sollen eine Wohnung, eine Maske und eine halbautomatische Schusswaffe zur Verfügung gestellt worden sein. Außerdem habe er ein Foto des späteren Opfers und dessen Aufenthaltsort bekommen. Wie hoch die versprochene Bezahlung gewesen sein soll, ist bislang nicht bekannt. Logemann: „Bei zwei Gelegenheiten soll der Angeklagte sich dann zu der mitgeteilten Anschrift begeben haben. Mit einer geladenen und einsatzbereiten Schusswaffe habe er sich dann auf die Lauer gelegt, die Zielperson aber in beiden Fällen nicht angetroffen.“ Zu einem dritten Versuch sei es nicht gekommen: Schwedische Ermittler warnten die Behörden in Deutschland. Der Jugendliche wurde im Oktober vergangenen Jahres in Köln festgenommen. Mehrere Wochen später wurde der Anschlag trotzdem verübt. Nach aktuellen Ermittlungen soll ein 28-jähriger Schwede die Tat übernommen haben. Das Opfer wurde an Kopf, Hals und Brust getroffen und überlebte schwer verletzt. Warum der Mann Ziel des Angriffs wurde, ist bislang unklar. Auch der mutmaßliche Schütze sitzt inzwischen in Deutschland in Untersuchungshaft. Dem nun angeklagten Jugendlichen drohen bis zu zehn Jahre Jugendstrafe, weil er sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft bereit erklärt haben soll, einen Mord zu begehen.



