Theatertrakt seit Jahren ohne BestuhlungHistorische Theaterstühle aus Rathaus in Bocholt verschwunden - Stadt erstattet Anzeige
Im Theatertrakt des Rathauses in Bocholt (Kreis Borken) fehlen derzeit die wichtigsten Plätze: die Sitzplätze. 650 historische Polstersessel aus den 70er-Jahren sollten restauriert werden – doch das beauftragte Unternehmen ist offenbar verschwunden. Die Stadt hat inzwischen Strafanzeige wegen Unterschlagung erstattet.
Auftragnehmer plötzlich verschwunden
Das Bocholter Rathaus wird seit Jahren saniert. Auch der denkmalgeschützte Theatertrakt gehört dazu. Eigentlich sollten die historischen Polstersessel aufgearbeitet und später wieder eingebaut werden. Den Auftrag erhielt 2021 ein Unternehmen aus Hannover. Nach Angaben der Stadt habe die Firma alle geforderten Nachweise erbracht und sich im Ausschreibungsverfahren durchgesetzt. Bocholt bekam sogar ein restauriertes Musterexemplar und zahlte rund 50.000 Euro an. Seit dem Frühjahr 2025 herrscht jedoch Funkstille. Der Kontakt zum Unternehmen sei plötzlich abgebrochen, erklärt die Stadt. Dave Welling von der Stadt Bocholt sagt: „Erst als hinterfragt worden ist, ob wir die Stühle mal vor Ort in einem Unternehmen anschauen können, ist der Kontakt abrupt abgebrochen.“
Stadt rechnet nicht mehr mit Rückgabe
Inzwischen geht die Stadt offenbar nicht mehr davon aus, die historischen Sitze zurückzubekommen. Deshalb soll nun Ersatz beschafft werden. Wie wertvoll die verschwundenen Sessel tatsächlich sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. Tischlermeister Berthold Seggewiß kennt die Stühle aus früheren Reparaturen und hält ihren materiellen Wert für überschaubar. Für viele Bocholter steckt der eigentliche Wert ohnehin eher in der Geschichte des alten Theatertrakts. Die Einwohner nehmen den kuriosen Fall inzwischen mit Humor. Einige schlagen vor, Besucher könnten künftig einfach eigene Klappstühle oder Sitzbälle mitbringen. Die Stadt will den „Stuhlabgang“ jedenfalls nicht aussitzen – denn im Theater soll die Show trotz allem weitergehen.



