Minderjährige StraftäterWie oft werden junge Menschen in Niedersachsen zu Tatverdächtigen?

Immer mehr Ersttäter sind Kinder.
Wenn Kinder oder Jugendliche straffällig werden, sorgt das meist für großes Aufsehen. Die aktuellen Zahlen aus Niedersachsen zeigen jedoch: Insgesamt geht die Zahl der Tatverdächtigen und Taten zurück. Allerdings gilt das nicht überall im gleichen Maße und bei einigen Altersgruppen gibt es sogar gegenläufige Entwicklungen.
Drei von vier Tatverdächtigen sind junge Männer
Die aktuelle Statistik des Landeskriminalamts zeigt zunächst eine positive Entwicklung: Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen 56.643 Straftaten mit Tatverdächtigen unter 21 Jahren aufgeklärt – knapp zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der jungen Tatverdächtigen ging auf 45.173 zurück.
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Etwa drei Viertel der Tatverdächtigen sind junge Männer. LKA-Präsident Thorsten Massinger bewertet den Rückgang zwar positiv, mahnt aber: „Der Rückgang der Fall- und Tatverdächtigenzahlen ist erfreulich, aber kein Grund zur Entwarnung.“ Hinter den Zahlen stünden weiterhin junge Menschen, die früh mit Gewalt in Berührung kämen. Als Tatverdächtige ebenso wie als Opfer.
Probleme früh verhindern
Die Zahl junger Tatverdächtiger bei Diebstählen ist deutlich zurückgegangen. Nach Angaben der Ermittler sinkt sie um mehr als 12 Prozent. Besonders stark war der Rückgang beim Ladendiebstahl. Auch Straftaten an Schulen gingen weiter zurück und liegen inzwischen unter dem Niveau von vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019.
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Trotz dieser Entwicklung sehen Fachleute keinen Grund zur Entwarnung. Tatverdächtige Kinder, Rohheitsdelikte und Gewalt an Schulen müssten weiterhin genau beobachtet werden, betont Tilman Wesely vom Landeskriminalamt Niedersachsen. Gerade bei jungen Menschen brauche es „angemessene Reaktionen auf Fehlverhalten“ sowie eine konsequente Präventionsarbeit. Dafür sei eine enge Zusammenarbeit entscheidend – zwischen Schulen, Jugendhilfe, Justiz, Kommunen und Polizei. Nur so könnten problematische Entwicklungen früh erkannt und wirksam verhindert werden.
Das Umfeld spielt eine große Rolle
Die Polizei sei ein wichtiger Teil des Netzwerks, könne Jugendkriminalität aber nicht allein lösen, sagt LKA-Präsident Thorsten Massinger. Entscheidend sei, frühzeitig zu erkennen, wo es zwischen Behörden und Institutionen noch Hürden gebe. Nur so könnten problematische Entwicklungen bei jungen Menschen rechtzeitig auffallen, bevor aus einzelnen Taten eine kriminelle Laufbahn werde. Nach Einschätzung des Landeskriminalamts sind die Ursachen für Jugenddelinquenz vielfältig. Eine wichtige Rolle spielen demnach das soziale Umfeld, Familie und Schule. Gleichzeitig müssten junge Menschen erst lernen, mit Konflikten, Emotionen und Frust umzugehen. Auch soziale Medien könnten dabei einen Einfluss haben, da Jugendliche besonders leicht beeinflussbar seien.
Quelle: dpa, jam

































