Prozess-Beginn vor dem Koblenzer Landgericht„Eine sehr kranke Person!” Familie von Amy Lopez hofft nach 31 Jahren auf Gerechtigkeit
Es ist ein Schmerz, der 31 Jahre währte!
Eine Zeit der quälenden Ungewissheit für die Angehörigen der ermordeten Amy Lopez (†24). Im September 1994 wurde die amerikanische Studentin in Koblenz brutal getötet, der Täter entkam unerkannt. Nun, nach mehr als drei Jahrzehnten, hat das Warten auf Gerechtigkeit ein Ende. Ein 81-jähriger Mann wurde als mutmaßlicher Mörder überführt. Der Prozess, der am 18. August 2026 beginnt, rückt das unermessliche Leid der Familie erneut in den Fokus, die nie die Hoffnung aufgab.
Amy Lopez’ Familie lebte jahrelang mit Ungewissheit
Für Amy Lopez war es die Reise ihres Lebens. Ein Geschenk ihres Vaters Walter zum bestandenen Schulabschluss. „Das war ihre einzige Chance, eine Reise zu unternehmen, bevor das Medizinstudium begann“, erinnerte sich ihr Vater 1996 in einem RTL-Interview. Die junge Texanerin kam nach Koblenz, in „diese schöne Stadt“, die sie als „sehr friedlich und wirklich romantisch“ empfand. Amy ahnte nicht, dass sie diesen Ort nicht mehr lebend verlassen würde. Am Tag vor ihrem Tod telefonierte sie noch glücklich mit ihrem Vater. Es war das letzte Mal, dass er ihre Stimme hörte.

Zum zweiten Todestag, 1996, kehrten ihr Vater Walter und ihr Bruder Robert an den Ort des Verbrechens zurück: die Festung Ehrenbreitstein. Hier hatte Amy in einem Gewölbe vergeblich um ihr Leben gekämpft. „Ich hätte gedacht, dass so etwas in meiner Heimat, einer sehr großen Stadt passieren kann. Aber niemals in Koblenz“, sagte ihr Vater damals, die Trauer ins Gesicht geschrieben. Für die Familie war klar, dass Amy dem Täter vertraut haben muss. Ihr Bruder Robert war überzeugt: „Ich glaube, sie wurde getäuscht, als sie hierher gebracht wurde.“ Seine Worte über den damals unbekannten Mörder hallen bis heute nach: „Ich glaube, der Täter ist eine sehr kranke Person, ein Feigling, ein Mensch ohne Gewissen.“
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Amy Lopez wurde Opfer eines Sexualverbrechens
Die Ermittler gingen früh davon aus, dass Täter und Opfer zufällig aufeinandergetroffen waren. „Amy war ganz einfach zur falschen Zeit am falschen Ort“, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Spielende Kinder fanden ihre Leiche am 26. September 1994, nur 85 Minuten, nachdem sie zuletzt gesehen wurde. Das Opfer war teilweise entkleidet und wies schwerste Kopfverletzungen, Messerstiche und Würgemale auf. Der Täter hatte persönliche Gegenstände wie ihre Brille, eine Uhr und ihre Nike-Schuhe mitgenommen. Trotz intensiver Ermittlungen und eines Aufrufs bei „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ blieb der Fall ein „Cold Case“.
Zwei Jahre nach dem grausamen Tod seiner Schwester hoffte Robert Rimbau, dass ihr Mörder geschnappt wird, und appellierte an Zeugen: „Vielleicht kann sich irgendjemand an etwas erinnern oder er hat etwas gehört. Vielleicht hat der Täter mit irgendjemandem geredet. Vielleicht erinnert sich derjenige daran und gibt der Polizei einen guten Tipp.“
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Jahrzehnte vergingen. Doch 2024 gelang der Durchbruch: Durch moderne Methoden konnten an Amys Kleidung männliche DNA-Spuren gesichert werden. Ein freiwilliger DNA-Test führte die Ermittler schließlich zu Hans S., einem heute 81-jährigen Mann, der bereits 1999 wegen versuchter Vergewaltigung zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war. Im Februar 2026 wurde er in dem Seniorenheim festgenommen, in dem er mit seiner Frau lebte. Zunächst schwieg er, doch später gestand er die Tat. Die Ermittlungen ergaben, dass er damals Vergewaltigungsfantasien hegte und sein Opfer gezielt unter einem Vorwand in einen abgelegenen Teil der Festung lockte, um sich an ihr zu vergehen.
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Die Hoffnung auf späte Gerechtigkeit
Am 18. August 2026 beginnt vor dem Landgericht Koblenz der Prozess gegen Hans S. Ein unscheinbarer 81-Jähriger aus einem Altenheim, der laut Anklage ein Doppelleben führte – höflicher Senior nach außen, gefährlicher Sexualverbrecher im Verborgenen. Amys Familie wird als Nebenklägerin auftreten. Ihr größter Wunsch von damals, dass der Täter vor Gericht gestellt wird, geht damit in Erfüllung. Nach 31 Jahren unvorstellbaren Leids bekommen sie nun die Chance, dem Mann ins Gesicht zu sehen, der ihnen das Liebste nahm, und vielleicht endlich die Antworten zu erhalten, die sie so lange quälten. Es ist die späte Hoffnung auf Gerechtigkeit für Amy.
Verwendete Quellen: RTL-eigene Recherche, dpa, Staatsanwaltschaft Koblenz


