Vor und nach dem Fallen – Sturzzentrum macht Patienten fitMit diesen Geräten trainieren sonst Profisportler!

Durch seine Parkinson-Erkrankung ist Michael Gebhardt besonders sturzgefährdet.
Durch seine Parkinson-Erkrankung ist Michael Gebhardt besonders Sturz-gefährdet.
RTL
von Suzan Üner und Johanna Kroke

Schnell zurück in die Bewegung!
Mit diesem Ziel arbeiten im Hamburger Albertinen Krankenhaus Unfallchirurgen, Altersmediziner, Physiotherapeuten und Pflegepersonal eng zusammen. Vor allem ältere Patienten werden nach einem Sturz hier wieder mobil oder trainieren dafür, dass sie gar nicht erst ins Fallen kommen. Dabei kommen auch Therapiegeräte zum Einsatz, die sonst nur für Profisportler eingesetzt werden.

Ein kleines Stolpern mit tiefgreifenden Folgen

Es ist nur ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, der das Leben von Karin Alster auf den Kopf stellt. Die 81-Jährige steigt aus dem Bus, stolpert über eine Unebenheit auf dem Gehweg und stürzt. Alles tut ihr weh, an Aufstehen ist gar nicht zu denken. „Dann waren da plötzlich fünf sehr liebe, nette Menschen und haben gesagt: Brauchen Sie einen Arzt?“, erinnert sich Alster im Gespräch mit RTL. „Und dann war da ein Mann, der hat mich aufgehoben und zur nächsten Bank getragen. Und dann haben sie alles gemacht.”

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Nach ihrer Oberschenkel-OP bekommt Karin Alster Krankengymnastik im Sturzzentrum.
Nach ihrer Oberschenkel-OP bekommt Karin Alster Krankengymnastik im Sturzzentrum.
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Im Video: Dieser Helfer reagiert blitzschnell!

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Damit Immobilität nicht zum Teufelskreis wird

Im Hamburger Sturzzentrum wird Karin Alster von Chirurgen und Altersmedizinern betreut, die auf die Bedürfnisse von älteren Menschen spezialisiert sind. „Beim älteren Menschen geht es uns vor allem darum, möglichst schnell und zügig eine Vollbelastung, eine volle Mobilität zu erreichen”, erklärt Chefarzt Till Orla Klatte im Interview mit RTL, „weil die Immobilität natürlich das eh schon geschwächte Gesamtsystem weiter schwächt. Das führt weiter zur Knochenschwächung, zur weiteren Verringerung der Mobilität.” Es ist ein Teufelskreis, den die Mediziner möglichst stoppen wollen.

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Anti-Sturz-Training wie die Profis

Ob Oberschenkelhalsbrüche, wie bei Karin Alster oder Frakturen an Becken, Ober und Unterarm. Die Patienten gezielt und nach ihren individuellen Fähigkeiten in Bewegung zu bringen, ist eine der wichtigen Säulen der Therapie hier im Sturzzentrum. Dabei geht es den Medizinern nicht nur um die Nachsorge operierter Patienten, sondern auch um Sturzprävention. Denn viele Vorerkrankungen können dazu führen, dass ältere Menschen schneller stürzen oder Knochen leichter brechen.

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Michael Gebhardt trainiert im Sturzzentrum, damit er trotz Parkinson sicher auf den Beinen bleibt.
Michael Gebhardt trainiert im Sturzzentrum, damit er trotz Parkinson sicher auf den Beinen bleibt.
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Bei der Vorsorge kommen auch Trainingsgeräte zum Einsatz, die sonst von Top-Athleten genutzt werden. Michael Gebhardt ist bisher nicht gestürzt, aber durch seine kürzlich diagnostizierte Parkinsonerkrankung sturzgefährdet. Er trainiert auf einem Laufband sicher durch unwegsames Gelände zu gehen. Während sich das Band mal plötzlich zur Seite bewegt, ist Gebhardt über eine Aufhängung gesichert – damit es nicht schon im Training zum Unfall kommt. „Das bringt richtig was. Ich habe jedes Mal das Gefühl, dass das viel flüssiger geht, dass ich die Füße besser hochkriege”, freut er sich. Das Training wird vom Albertinen Krankenhaus auch ambulant angeboten, ist allerdings oft noch keine Kassenleistung.