Ab auf die ganz große BühneDiese Kinder verwandeln Mut in einen echten Gänsehaut-Moment

Inklusives Theaterprojekt „Decken. Farben. Jahreszeiten” der Hamburger Kurt Juster Schule
60 Hamburger Kinder mit körperlichen Behinderungen und geistigen Einschränkungen haben monatelang an einem Theaterprojekt gearbeitet. Jetzt hat das Stück Premiere gefeiert.
RTL Nord
von Jannika Schultz und Maxim Kupermann

Am Ende feiert der ganze Theatersaal!
Großer Applaus, strahlende Gesichter und sogar ein paar Tränen: 60 Kinder der Hamburger Kurt-Juster-Schule stehen nach monatelanger Arbeit auf der Bühne und präsentieren ihr inklusives Theaterprojekt. Und hier wird nicht nur gespielt, sondern mit allen Sinnen erlebt, gerochen, gefühlt und entdeckt.

Theaterprojekt „Decken. Farben. Jahreszeiten”

Riechen.png
Zitrone oder Orange? Projektleiterin Conny Zolker sucht gemeinsam mit einem Schüler den passenden Duft aus.

Viele der Bühnenbilder und Requisiten stellen die Kinder während der sechsmonatigen Proben selbst her. Der Plan dahinter: Keine klassische Kulisse erschaffen, sondern eine ganze Erlebniswelt, die nicht nur sichtbar sondern auch spürbar ist. Dabei werden beispielsweise Geschmäcker mit einbezogen und später direkt ins Publikum getragen.

Lese-Tipp: Niedersachsen will Politik zum Wahlfach machen

Ideengeberin Conny Zolke beobachtet während des Projekts viele Veränderungen bei den Kindern: „Die Kinder entwickeln Mut und entdecken einfach, dass sie was können. Sie gehen jedes Mal positiv raus, weil sie etwas geschaffen haben. Wir merken bei einigen Kindern, dass sie normalen Schulalltag sonst nicht so viel lachen. Hier gibt es Kinder, die jedes Mal mit ganz viel Freude dabei sind und lachen“ erzählt sie im Gespräch mit RTL-Redakteurin Jannika Schultz.

Im Video: Arbeiten in der Kita – trotz geistiger Einschränkung!

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Projekt durch externe Partner getragen

Im Hamburger Lehrplan ist Theaterspielen für Schulen mit Förderschwerpunkt nicht vorgesehen – für Theaterpädagoge Timo Kocielnik ein Fehler. Auf der Bühne zu stehen, könne den Kindern und Jugendlichen ein Gefühl von Selbstwirksamkeit geben: „Wir haben ja auch einige Kinder, die keinen Sprechtext haben. Die fahren zum Beispiel umher und sind einfach die Sonne. Und trotzdem haben diese Kinder die Möglichkeit, sich zu zeigen, sich zu präsentieren”, erklärt er. Am Ende ist ihm aber nur eins wichtig: dass die Kinder Spaß haben.

Tränenreicher Abschluss

Nach wochenlangen Proben, Malen und Basteln ist es dann auch soweit: Die Kinder präsentieren die lang herbeigesehnte Aufführung vor Familie, Erziehern und Betreuern. „Super emotional, war richtig toll! Ich hatte Tränen in den Augen, war wirklich schön hier zu sehen” beschreibt Sonja Hörst, Mutter eines teilnehmenden Jungen des inklusiven Projektes.

Lese-Tipp: Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover gesperrt! Wie weit sind die Arbeiten?

Nach einem erfolgreichen Abschluss geht es für das Projekt „Decken.Farben.Jahreszeiten” an einer anderen Hamburger Förderschule weiter. Die Gelder sind gerade bewilligt worden. Sechs Monate Theater für die Sinne – für Kinder, die so besonders sind.