Wird Sprit jetzt wieder günstiger?Die Straße von Hormus wird wieder geöffnet! DAS sind die möglichen Folgen für den Norden

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Öltanker und Frachtschiffe in der Straße von Hormus
Altaf Qadri/AP/dpa
von Alisha Elling und Luisa Wiewgorra

Zwei Wochen Feuerpause zwischen den USA und Iran!
Mit der Ankündigung der Waffenruhe ist der Ölpreis sofort gesunken und erreichte den niedrigsten Stand seit Mitte März. Doch an den Zapfsäulen zeigte sich am Mittwoch (8. April) ein gegenläufiges Bild: Pünktlich um 12 Uhr stieg der Preis an einer Hamburger Tankstelle für einen Liter Diesel von 2,43 Euro auf 2,50 Euro. Auch Super kostete auf einmal vier Cent mehr. Wird das jetzt so bleiben?

Weltweiter Handel mit Öl und Gas eingeschränkt

Die Straße von Hormus befindet sich zwischen Iran und Oman. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer und spielt eine entscheidende Rolle für den weltweiten Handel mit Öl und Gas. Normalerweise fahren hier Schiffe durch einen schmalen Verkehrskorridor rein und raus. Durch den Krieg wurde dieser Verkehr aber fast komplett gestoppt. Rund 2.000 Schiffe − darunter 50 Schiffe deutscher Reedereien − hängen seit fast fünf Wochen fest. Vor der Straße von Hormus liegen außerdem etwa 500 weitere Schiffe. Diese könnten theoretisch umdrehen. Doch für Reedereien ist Warten meist günstiger als Umkehren.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi stellt jetzt mit der Waffenruhe in Aussicht, dass Tanker und Frachtschiffe die Meerenge in den kommenden zwei Wochen wieder passieren dürfen.

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Verbesserung für Verbraucher erst später spürbar

Bislang ist unklar, ob die Straße von Hormus tatsächlich passierbar sein wird. Laut Verband Deutscher Reeder ist die Öffnung der Meerenge eine logistische Herausforderung: „Die Koordinierung der Herausführung von tausenden festgesetzten Schiffen und ihren Besatzungen aus der Gefahrenzone wird internationale Abstimmungen und etwas Zeit benötigen”, erklärt der Verband in einem Statement auf RTL-Anfrage. Laut Branchenbeobachtern machen sich Veränderungen am Rohölmarkt zudem häufig erst zeitverzögert bei den Verbrauchern bemerkbar. Bis die Norddeutschen den Effekt an den Zapfsäulen spüren, braucht es also Zeit.

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Reedereien sind skeptisch

Zudem stehe die Sicherheit der rund 20.000 festsitzenden Seeleute an erster Stelle: „Für uns ist die wichtigste Frage Sicherheit, nicht Geschwindigkeit”, sagt Nils Haupt von der Reederei Hapag Lloyd im Gespräch mit RTL. „Wir hatten ein Schiff, das wurde von Bombenschrapnellen getroffen wurde. Das Schiff hat gebrannt, der Maschinenraum hat gebrannt und auch da kann man sich unschwer vorstellen, dass so eine Crew nach so einem Tag, den sie erlebt hat, doch einigermaßen traumatisiert ist.” Zwar sei der Waffenstillstand eine gute Botschaft, dennoch sei man skeptisch: „Die Fragen, die sich uns stellen: Wie soll diese Durchfahrt funktionieren? (...) Wie sicher werden diese Durchfahrten sein? Wie wird die Reihenfolge sein?”, so Haupt.

Höhere Preise im Supermarkt

Auch die Preise an den Supermarktkassen sind durch die erhöhten Energie- und Transportkosten gestiegen. Laut der Handelskammer Hamburg ist eine Stabilisierung der Preise eher in Monaten statt Wochen realistisch: „Damit sich Preise langfristig stabilisieren, reichen zwei Wochen nicht und das wird auch nicht passieren, solange nicht am Ende der zwei Wochen ein belastbaren Verhandlungsergebnis steht”, sagt Doris Hillger von der Handelskammer Hamburg.

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„Wenn das dann stünde, auch dann ist es natürlich so, dass es eine Weile dauert, bis die Logistik sich wieder normalisiert.” Was tausende Kilometer entfernt passiert, wird also auch wirtschaftlich weiter seine Spuren hinterlassen, auch bei uns im Norden an der Kasse und der Zapfsäule.

Quellen: Eigene RTL-Recherche, dpa