Fall Fernandes-Ulmen Auch Minas Vinted-Fotos landeten ohne ihr Wissen auf „unzähligen Pornoseiten“

Eigentlich möchte Mina nur Klamotten im Internet verkaufen – doch es kommt ganz anders.
Auf der Second-Hand-Kleiderbörse Vinted lädt sie Fotos von sich in verschiedenen Outifts hoch. Ihr Ziel: Die Kleidung gut in Szene setzen und zu Geld machen. Doch plötzlich findet sie ihre Bilder auf „unzähligen Pornoseiten”. Ein Fall mit Parallelen zu Schauspielerin Collien Fernandes, die ihrem Ex-Mann Christian Ulmen unter anderem „virtuelle Vergewaltigung“ vorwirft. Was macht solch ein Eingriff in die Intimsphäre mit den Betroffenen? RTL hat im November 2025 mit Mina Camira genau darüber gesprochen.
Vorwurf der virtuellen Vergewaltigung! Collien Fernandes erstattet Anzeige gegen Christian Ulmen
Es sind heftige Anschuldigungen, die Collien Fernandes am Donnerstag (19. März) gegen Christian Ulmen erhebt. Laut Fernandes habe sich ihr Ex-Mann im Internet als die 44-Jährige ausgegeben und soll unter anderem pornografisches Material verschickt haben, das mit (falschen) Videos und Bildern offenbar bewusst den Eindruck vermitteln sollte, es handle sich bei den gezeigten Frauen um Fernandes. Auch auf Pornoseiten sei das Material laut der Schauspielerin teilweise gelandet. Laut dem zuständigen Gericht auf Mallorca wurde Anzeige wegen mutmaßlicher widerrechtlicher Aneignung des Personenstands, Geheimnisverrats, öffentlicher Beleidigung, wiederholter Misshandlung und schwerer Drohungen erstattet. Ob es zur Anklage kommt, muss jetzt die Staatsanwaltschaft prüfen, die Ermittlungen laufen noch. Zunächst hatte der Spiegel über die Vorwürfe berichtet.
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Nach der Spiegel-Berichterstattung meldete sich Christian Ulmens Anwalt zu Wort. Prof. Dr. Christian Schertz vertritt die presserechtlichen Interessen des Schauspielers. Er teilte mit: „Die Berichterstattung ist nach summarischer Überprüfung aus mehreren Gründen rechtswidrig. Wir sind daher auch beauftragt, gegen den Spiegel rechtliche Schritte einzuleiten. Es handelt sich zum einen in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung. Zum anderen werden unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet. Wir bitten daher unbedingt, die Persönlichkeitsrechte von Herrn Ulmen zu beachten und von einer Übernahme einseitiger Vorwürfe Abstand zu nehmen.” Eine RTL-Anfrage ließ Rechtsanwalt Prof. Dr. Schertz zunächst unbeantwortet. Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Mina Camira landet ungewollt auf Pornoseiten: „Die beobachten mich halt seit zwei Jahren“
Dass von Frauen ungewollt und unwissentlich Bilder und Videos auf Pornoseiten landen, ist kein Einzelfall. Eines der Opfer: Mina Camira. Jahrelang nutzt die 22-jährige Studentin aus Köln die App Kleiderkreisel, die 2020 in Vinted umbenannt wird. Was Mina Camira damals jedoch nicht weiß: Sie wird nicht nur über die App immer wieder belästigt und erhält laut eigenen Angaben aufdringliche Nachrichten; ihre Fotos, die sie dort hochlädt, um ihre Kleidung zu verkaufen, werden geklaut und auf Pornoseiten hochgeladen. Ohne ihr Wissen und ohne ihre Einwilligung! „Das waren einfach nur Tragefotos“, sagt die Kölnerin im November 2025 im Gespräch mit RTL. „Man sieht nicht mal mein Gesicht, das ist einfach nur ein Frauenkörper mit einem Kleidungsstück.“
Erst wenige Monate vor dem Interview entdeckte ein Freund Fotos der Studentin auf den entsprechenden Pornoseiten: „Er hat bei Google nach meinem damaligen Instagram-Namen gesucht und dann sind dort 20 bis 30 verschiedene Pornoseiten aufgetaucht.“ Gefüttert sind sie mit Fotos von ihren Vinted-Angeboten, aber auch mit Bildern und Beiträgen von Instagram und Co. „Ich habe am Anfang gedacht, der veräppelt mich. Warum ich? Ich habe mich total ekelig gefühlt.“ Erst am nächsten Morgen begriff die 22-Jährige das Ausmaß und brach zusammen: „Ich habe voll geheult und dachte, ich will einfach nur, dass das weggeht.“
„Es sind halt wirklich unzählige Pornoseiten“, so die 22-Jährige weiter. „Auf manchen sind ganze Accounts von mir erstellt worden, einer ist zum Beispiel vor zwei Jahren erstellt worden.“ Im Fall von Mina Camira geht es um Hunderte Fotos. „Das ist so unheimlich. Ich hatte damals nicht mal 500 Follower, ich war eine Privatperson und plötzlich landet man in so einem Forum.“ Das Ausmaß: Kaum in Worte zu fassen.
„In den Foren ist auch alles verlinkt, da sind Links zu meinen ganzen Social Medias“, so die Studentin weiter. Neben den gesichtslosen Vinted-Fotos wurden so auch Selfies oder Fotos von Mina und ihren Freundinnen auf den Seiten hochgeladen. „Und da updaten dann immer andere Leute, die dafür Geld zahlen, wenn ich was Neues poste.“ Teilweise gehe es sogar um Instagram-Storys, die maximal 24 Stunden online waren, erklärte sie weiter. „Also richtig gruselig, die sind richtige Stalker, die beobachten mich halt seit zwei Jahren und da können sie sich auch austauschen. Das ist richtig krank.“
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Auch acht Monate später sind ihre Fotos weiterhin auf Pornoseiten
Mittlerweile sei die Scham verflogen. Genau wie Gisèle Pelicot ist sich Mina Camira sicher: Die Scham muss die Seite wechseln. „Betroffene sind nie schuld, es sind immer die Täter.“ Und genau die müssen zur Rechenschaft gezogen werden, so die Studentin weiter. Doch das ist in Minas Fall leider nicht passiert. Die Anzeige, die sie kurze Zeit nach der bitteren Erkenntnis gestellt hatte, wurde eingestellt.
„Weil nach Prüfung der Sach- und Rechtslage keine konkreten und erfolgversprechenden Anhaltspunkte zur Ermittlung eines mutmaßlichen Täters erkennbar waren“, erklärt ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft im November 2025 auf Nachfrage von RTL. „Eine Identifizierung der mutmaßlich für die Verbreitung des Bildmaterials verantwortlichen Person war nach hier durchgeführter Prüfung demnach nicht möglich.“ Für Mina Camira schwer zu begreifen.
Zeitgleich wandte sie sich an Google und an die Betreiber der Pornoseiten und hoffte, dass die Accounts von ihr so gelöscht würden. Doch auch da stieß sie schnell an ihre Grenzen. „Ein paar Sachen wurden gelöscht“, sagt sie. „Aber es ist halt immer noch so, dass so viele online sind. Es macht wirklich keinen Unterschied.“ Allein auf ein Fake-Profil von Mina habe jemand 258 Fotos hochgeladen. „Und da löschen die dann ein Foto.“
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Betroffene startet Petition und fordert mehr Schutz auf Vinted
Darum versucht Mina Camira mittlerweile einen anderen Weg: Auf Innn.it hat die Studentin die Petition „Unsere Vinted-Fotos sind kein Porno – Schützt uns vor Missbrauch & Belästigung, jetzt!!“ gestartet. Denn gerade von Vinted selbst fühlt sich die 22-Jährige nicht unterstützt. „Ich habe das Gefühl, die nehmen das nicht ernst und denen ist Profit wichtiger als die Sicherheit der Nutzerinnen.“ Missbrauch und Belästigung „muss endlich mal unterbunden werden“, so Mina. Innerhalb weniger Wochen wurden mehr als 33.000 Unterschriften gesammelt. Mittelweile sind es mehr als 48.000 (Stand: 20. März 2026).
Auf Nachfrage von RTL erklärte ein Sprecher des Unternehmens Vinted im November 2025: „Wir dulden keinerlei Belästigung oder unangemessenes Verhalten auf unserer Plattform und nehmen negative Erfahrungen unserer Mitglieder sehr ernst.“ Der Herausforderungen, denen sich Online-Plattformen stellen müssten, sei man sich bewusst.
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Ein Einzelfall ist Mina Camira nicht, erst im Frühjahr 2024 gab es einen Belästigungsskandal rund um Vinted. Mittlerweile hätten sich auch viele Betroffene bei der Studentin gemeldet. Eine genaue Zahl, wie viele Vinted-Nutzerinnen von Missbrauch und Belästigung betroffen sind, gibt es nicht. „Genaue Zahlen zu gesperrten Konten können wir nicht bekannt geben, die Anzahl der Meldungen ist im Vergleich zur Größe unserer Community jedoch gering und nicht repräsentativ für die gesamte Vinted-Community“, teilte das Unternehmen im November mit.
Für Mina ist dennoch klar: Es muss sich dringend etwas ändern. Für einen besseren Schutz nennt sie vier konkrete Punkte:
Eine Screenshotsperre – Whatsapp macht es vor, dort kann man beispielsweise Profilbilder nicht mehr screenshotten
Verifizierungspflicht – Nutzer*innen müssen künftig ihre Identität bestätigen, um im Belästigungsfall den Opfern die Möglichkeit zu geben, Anzeige zu erstatten
Schutz von sensiblen Daten – Adressen und besonders schützenswerte Informationen müssen vom Kaufsystem unkenntlich gemacht werden. Beim Verkauf muss die Absendeadresse in einem QR-Code verschlüsselt werden, sodass nur Postdienstleister Zugang haben
Optimierung des Wortfilters – So können sexuell belästigende Nachrichten gar nicht erst verschickt werden
„Der Schutz unserer Mitglieder hat für uns höchste Priorität”: Vinted plant weitere Maßnahmen
„Mir ist eines total wichtig: Ich bin überhaupt nicht gegen Vinted, sondern ich bin für Vinted. Deswegen ist mir auch so wichtig, dass sich das noch positiver verändert.“ Und auch das Unternehmen betont damals auf RTL-Nachfrage: „Wir arbeiten kontinuierlich daran, den bestmöglichen Schutz für unsere Community zu gewährleisten und unsere Schutzmechanismen fortlaufend weiterzuentwickeln – mit dem Ziel, Vorfälle zu verhindern und im Ernstfall schnell zu reagieren. Vinted verfolgt eine Null-Toleranz-Politik gegenüber unerwünschter oder sexuell expliziter Kommunikation.“
Weiter hieß es in dem Statement: „Sollten Fotos oder persönliche Informationen ohne Zustimmung auf Drittseiten veröffentlicht werden, empfehlen wir betroffenen Mitgliedern, sich direkt an die jeweiligen Plattformen zu wenden und die Entfernung der Inhalte zu beantragen. Wenn wir Kenntnis davon erhalten, dass Profilbilder oder persönliche Daten ohne Einverständnis auf anderen Seiten geteilt wurden, nehmen wir proaktiv Kontakt mit den betreffenden Plattformen auf, um die Entfernung zu veranlassen“, so der Unternehmenssprecher. „In einigen Fällen, etwa bei Telegram, haben wir bereits entsprechende Meldungen eingereicht.“
Zudem erklärte das Unternehmen: „Der Schutz unserer Mitglieder hat für uns höchste Priorität. Wir werden unsere Systeme weiterhin überprüfen und weiterentwickeln – auch wenn manche Maßnahmen mehr Zeit und Tests erfordern.“ Details, wie die Maßnahmen aussehen könnten, nennt das Unternehmen zum Zeitpunkt der Anfrage nicht.
Stalking und sexuelle Gewalt sind ernstzunehmende Themen. Solltet auch ihr betroffen sein, findet ihr Hilfe unter der kostenlosen Hotline 08000 – 116 016 oder unter www.hilfetelefon.de.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche
Transparenz-Hinweis: Dieser Text erschien zunächst am 18. November 2025 und wurde nun erneut veröffentlicht.



