Panne bei NotfallübungBrennender ICE gemeldet – ausgerechnet per Fax

Ein ICE brennt im Tunnel, zahlreiche Menschen brauchen dringend Hilfe.
Dieses Szenario wurde am Wochenende in Thüringen geprobt. Doch schon bei der Alarmierung hakte es gewaltig – die Meldung lief per Fax.
Fax statt schneller digitaler Kommunikation.
Bei einer groß angelegten Katastrophenschutzübung auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt ist ausgerechnet die Alarmierung selbst zum Problem geworden. Rund 100 Menschen stellten Passagiere eines brennenden ICE in einem Tunnel dar. Doch die Rettungskräfte erreichten den Einsatzort mit erheblicher Verzögerung.
Lese-Tipp: ICE-Übung geht dramatisch schief! Augenzeugen schildern das gesamte Einsatz-Debakel
Landrätin hält Fax für „nicht mehr zeitgemäß“
Wie die parteilose Landrätin des Ilm-Kreises, Petra Enders, Focus online erklärt, habe unter anderem der interne Meldeweg der Deutschen Bahn viel Zeit gekostet. Hinzu kam die Kommunikation zwischen den Thüringer Leitstellen. Die Alarmmeldung über die simulierte Katastrophe und die vielen Verletzten wurde per Fax weitergegeben. Auf RTL-Anfrage möchte die Landrätin dieses besagte Fax nicht zur Verfügung stellen.
Lese-Tipp: „Wäre das hier echt, wären längst alle tot“: ICE-Übung endet im Desaster
Enders kritisiert die veraltete Vorgehensweise dennoch deutlich. Ein Fax sei aus ihrer Sicht „nicht mehr zeitgemäß“. Bei der Alarmierung bestehe dringender Handlungsbedarf, schließlich lebe man im Zeitalter der Digitalisierung.
Das sagt die Deutsche Bahn zur Nutzung von Faxgeräten:
Auf RTL-Anfrage erklärt ein Deutsche-Bahn-Sprecher: „Übungen in Tunnels, Strecken und Bahnhöfen werden bundesweit in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Die Deutsche Bahn arbeitet bei Übungen mit den zuständigen Einsatzorganisationen sowie Behörden der Länder und Kommunen zusammen. Dies war auch bei der Übung im Sandbergtunnel so. Wir unterstützen dabei jeweils die Vorbereitungen, stellen Personal, Anlagen und Fahrzeuge bereit und gehen anschließend gemeinsam in die Analyse. Auch das aktuelle Übungsszenario im Tunnel Sandberg werden wir gemeinsam auswerten. Zur Nutzung von Faxgeräten: Die Deutsche Bahn nutzt keine Faxgeräte mehr.”
Weitere Probleme verschärften die Situation.
Doch das angebliche Fax war nicht das einzige Problem. So ließen sich angeblich Türen des Zuges von außen nicht öffnen. Außerdem gab es Kommunikationsprobleme zwischen Rettungskräften, Einsatzleitung und Leitstelle sowie einen technischen Ausfall in der Leitstelle.

Enders fordert nun unter anderem, die Alarmierungskette zu überprüfen und technisch zu modernisieren. Auch die Deutsche Bahn müsse ihre internen Abläufe nach Ansicht der Landrätin noch einmal unter die Lupe nehmen.
Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche, Focus Online


