Retter kommen erst nach Stunden„Wäre das hier echt, wären längst alle tot“: ICE-Übung endet im Desaster

Zum Glück ist das alles nur eine Übung.
In Thüringen trainieren mehr als 250 Einsatzkräfte den Ernstfall: Ein ICE brennt in einem Tunnel, rund 100 Menschen sitzen fest. Doch ausgerechnet bei der Alarmierung läuft offenbar einiges schief – die ersten Retter erreichen den Tunnel erst mehr als zwei Stunden nach dem Notruf.
Großübung simuliert brennenden ICE in Thüringen
Das Szenario könnte kaum ernster sein: Im 1320 Meter langen Sandbergtunnel bei Traßdorf im Ilm-Kreis bleibt ein brennender ICE liegen. Rund 100 Komparsen spielen die Passagiere, einige von ihnen gelten bei der Übung als schwer verletzt. Mehr als 250 Einsatzkräfte aus Thüringen sollen zeigen, wie sie bei einem solchen Unglück zusammenarbeiten.
Doch dann passiert lange Zeit fast nichts. Wie Bild berichtet, setzt der Lokführer um 10.15 Uhr wie geplant seinen Notruf bei der Bahnleitstelle ab. Die ersten Blaulichter erreichen den Tunnel demnach allerdings erst zwei Stunden und sieben Minuten später. Vorgesehen war laut Bericht eine Ankunft der Rettungskräfte innerhalb von 10 bis 25 Minuten.

Feuerwehr-Experte: „Wäre das hier echt, wären längst alle tot“
Nach ersten Erkenntnissen liegt das Problem offenbar in der Alarmierungskette. Die Rettungsleitstelle Mittelthüringen sei erst rund 30 Minuten nach dem Notruf informiert worden. Danach habe es noch einmal etwa eine halbe Stunde gedauert, bis Feuerwehren in der Umgebung alarmiert wurden. Weitere Verzögerungen kamen offenbar hinzu, heißt es weiter.
Ein Feuerwehr-Experte zieht eine drastische Bilanz: „Wäre das hier echt, wären längst alle tot.“ Besonders bitter: Die Großübung war mehr als zwei Jahre lang vorbereitet worden. Auch Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) beobachtete das Training vor Ort.
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Innenministerium will Pannen bei ICE-Übung aufarbeiten
Dass bei der Alarmierung etwas schiefgelaufen ist, bestätigt auch das Thüringer Innenministerium. Sprecher Daniel Baumbach erklärt gegenüber Bild, mehrere für Tunneleinsätze vorgesehene Einheiten seien deutlich verspätet eingetroffen. Die genauen Ursachen sollen Fachleute nun in den kommenden Wochen untersuchen.
Die Übung soll schließlich genau solche Schwachstellen sichtbar machen, bevor tatsächlich Menschenleben davon abhängen. Der Sandbergtunnel gehört zur 107 Kilometer langen ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt. Insgesamt verlaufen 41 Kilometer dieser Verbindung durch Tunnel. Eine vergleichbar große Tunnelübung hatte es zuletzt 2019 gegeben.
Auch Warn-Apps funktionieren nicht wie geplant
Die verspäteten Einsatzkräfte bleiben offenbar nicht die einzige Panne. Eigentlich sollten während der Übung auch Warnmeldungen über die Apps Nina und Katwarn verschickt werden. Doch nach Angaben der Verantwortlichen erreichten diese Hinweise nicht alle vorgesehenen Nutzer.
Nun dürfte entscheidend sein, welche Konsequenzen die Verantwortlichen aus dem Test ziehen. Denn bei einem echten Feuer in einem voll besetzten Zug wären mehr als zwei Stunden Wartezeit für eingeschlossene Passagiere eine dramatisch lange Zeit
Verwendete Quellen: Bild
































