„Erste Hilfe bei Selbstmitleid“ Behörden-Ratgeber für Alleinerziehende sorgt in Österreich für Empörung

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Eigentlich sollte der Ratgeber Alleinerziehenden helfen – doch mit seinen Tipps sorgte die Broschüre, die auf der Website des österreichischen Bundeskanzleramts zum Downloaden stand, vor allem für Kopfschütteln.
picture alliance / APA/HELMUT FOHRINGER

Gut gemeint, mächtig danebengegangen!
Ausgerechnet Alleinerziehenden mit finanziellen Sorgen rät eine offizielle österreichische Broschüre, nicht zu glauben, mit mehr Geld seien alle Probleme gelöst. Im Netz sorgt der Ratgeber für heftige Kritik. Inzwischen hat das zuständige Ministerium reagiert und das Dokument aus dem Netz genommen.

„Erste Hilfe bei Selbstmitleid“ sorgt für Wirbel

Wer Kinder weitgehend allein großzieht, kennt vermutlich genügend Herausforderungen im Alltag. Ein offizieller Ratgeber aus Österreich wollte Alleinerziehenden eigentlich Hilfestellung geben. Doch ausgerechnet einige seiner Tipps sorgen jetzt für einen Aufschrei in den sozialen Medien. Im Mittelpunkt steht die 36-seitige Broschüre „ElternTipps Alleinerziehend“, die bis vor wenigen Tagen auf der Website des österreichischen Bundeskanzleramts abrufbar war. Im Impressum trägt sie den Stand Januar 2026.

Besonders eine Überschrift stößt vielen sauer auf. Unter „Erste Hilfe bei Selbstmitleid“ geht es um Traurigkeit, Kummer und den Umgang mit schwierigen Lebenssituationen. Dabei fordert der Ratgeber Alleinerziehende unter anderem dazu auf, nicht davon auszugehen, dass ein neuer Partner, die Rückkehr des Ex-Partners oder mehr Geld sämtliche Probleme lösen würden. Sonst stehe man sich selbst im Weg, heißt es dort.

Genau dieser Umgang mit finanziellen Sorgen löst online Kritik aus. Auch die Empfehlungen zur Ablenkung machen sprachlos. Alleinerziehenden Vätern schlägt die Broschüre unter anderem Serien wie „Shameless“, „Two and a Half Men“ und „King of Queens“ vor. Bei Müttern stehen etwa „Gilmore Girls“ und „Big Little Lies“ auf der Liste.

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Kurios dabei: „King of Queens“ dreht sich um das kinderlose Ehepaar Doug und Carrie Heffernan und passt damit kaum zur angegebenen Kategorie „Serien rund um alleinerziehende Väter“.

Familien-Creator reagieren empört

Die Formulierungen sorgen auch bei deutschen Familien-Creatorn für Ärger. Wie der SPIEGEL berichtet, kritisiert etwa Jonas Rühl vom Instagram-Account „papa.mit.tics“ die Aussage zum Thema Geld und richtet sich dabei direkt an Familienministerin Claudia Bauer. Auch Familien-Creatorin Stefanie Dellmann nimmt die fragwürdigen Serienempfehlungen aufs Korn.

Inzwischen erreicht die Debatte auch die österreichische Politik und Gewerkschaften. Die ÖGB-Frauen kritisieren, Alleinerziehende bräuchten finanzielle Sicherheit und politische Unterstützung statt Belehrungen über ihre Einstellung. Auch Politikerinnen von Grünen und FPÖ äußern scharfe Kritik an der Broschüre.

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Ministerium zieht den Ratgeber zurück

Das Familienministerium räumt inzwischen ein, dass die kritisierten Formulierungen nicht in Ordnung seien und Inhalt sowie Tonalität nicht mehr in die heutige Zeit passten. Die Broschüre ist deshalb offline und soll überarbeitet werden.

Wie konnte ein solcher Ratgeber 2026 überhaupt noch veröffentlicht werden? Die Erklärung liegt offenbar in seiner Vorgeschichte. Das Dokument entstand bereits 2016. Für die Neuauflage in diesem Jahr wurden nach Angaben des Ministeriums lediglich Daten und Links aktualisiert. Die alten Ratschläge blieben dabei offenbar weitgehend unangetastet.

Damit hat die Empörung zumindest eine konkrete Folge. Der umstrittene Ratgeber für Alleinerziehende ist vorerst verschwunden.

Verwendete Quellen: DER STANDARD, DER SPIEGEL, ÖGB / APA-OTS, oe24.at