Wohnmobil-Route im HerbstVon Prag an die Adria: Diese Camper-Route setzt auf Tempowechsel

Prag und Budapest kennt fast jeder, Bratislava entpuppt sich unterwegs als angenehme Überraschung. Eine Wohnmobilroute durch sieben Länder verbindet drei Hauptstädte mit Tagen am Balaton und auf Krk. Warum das Konzept gerade gegen Ende der Saison aufgeht und welche Campingplätze sich eignen.
Wer im Herbst noch einmal mit dem Wohnmobil Richtung Süden aufbrechen will, muss nicht zwangsläufig über den Brenner Richtung Italien. Eine Route von Süddeutschland über Prag, Bratislava und Budapest führt weiter an den Balaton und auf Wunsch bis an die Kvarner Bucht in Kroatien. So lassen sich einige der spannendsten Städte Mitteleuropas mit entspannten Tagen am Wasser verbinden.
Der Zeitpunkt ist ideal für eine Mischung aus Kultur und Entspannung. Die Hochsaison läuft aus, spätsommerlich warme Tage sind trotzdem noch möglich. Das macht die Städtetrips angenehmer und die Zeit am Wasser deutlich ruhiger. Die Entfernungen zwischen den Zielen lassen sich auch mit dem Wohnmobil - in unserem Fall ein T328 Pro+ von Carado - in drei bis fünf Stunden überbrücken.
Prag: Klassiker und grünes Kontrastprogramm
Erster Halt ist Prag. Zwei Nächte sind ein guter Einstieg, zumal das Wohnmobil während des Stadtbesuchs stehen bleiben kann. Die öffentlichen Verkehrsmittel in der tschechischen Hauptstadt sind sehr gut ausgebaut.
Der Campingplatz Sokol Praha am östlichen Stadtrand ist klein und eher einfach, dafür ruhig gelegen. Bei warmem Wetter sorgt ein kleiner Pool für Abkühlung. Praktisch ist der kostenlose Shuttle zum Bahnhof. Von dort ist man mit der S-Bahn in einer Viertelstunde im Zentrum.
Der Vormittag in Prag gehört den Klassikern: Altstadt mit Altstädter Ring, Rathaus, dann auf der Karlsbrücke über die Moldau hinüber auf die Kleinseite. Wer nur wenig Zeit hat, sollte sie nicht in Schlangen vor den Museen oder der Prager Burg verschwenden. Eine entspannende Alternative bietet Petřín: Der bewaldete Hügel mit seinen Parks und Spazierwegen ist deutlich ruhiger als die touristisch erschlossenen Gassen unten in der Stadt. Oben steht der Aussichtsturm, der 1891 nach dem Vorbild des Pariser Eiffelturms errichtet wurde und einen Blick auf die ganze Stadt und das Umland bietet.
Bratislava: der entspannte Geheimtipp dazwischen
Nach Prag mit seinen 1,4 Millionen Einwohnern wirkt Bratislava mit knapp einem Drittel an Bewohnern fast klein. Genau das macht den Reiz der slowakischen Hauptstadt, rund 300 Kilometer südöstlich von Prag, aus.
Ein Rundgang durch die historische Innenstadt ohne Gedränge, über den Markt hinauf zur Burg und zurück an die Donau reicht für einen guten ersten Eindruck. Wer von weiter oben einen Blick wagen will, fährt auf das UFO, einen - bei Eröffnung 1972 futuristischen - Aussichtsturm direkt am Fluss auf der Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes.
Ein paar Schritte abseits der typischen Stadtrundgänge lockt die "Blaue Kirche" St. Elisabeth in ihrer Disney-Zuckerguss-Optik. Auch in Bratislava empfiehlt sich nachmittags ein Ausflug ins Grüne: Die Burgruine Devin steht am Zusammenfluss von Donau und March und erlaubt gleichzeitig den Blick auf die Landschaft zwischen Österreich und Slowakei und die wechselhafte Geschichte des Landes.
Die einzige organisatorische Herausforderung: Der Camping Park Karpaty liegt idyllisch am Fuß der Kleinen Karpaten. Dort locken Wald, eine familiäre Atmosphäre und ein kleiner Badesee, aber die Stadt ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut eine Stunde entfernt. Mit dem Wohnmobil geht es in einer halben Stunde deutlich schneller; das bedeutet aber auch einen Ab/Aufbau mehr und die teils lästige Suche nach einem Stadtparkplatz.
Budapest: Großstadt ohne Sightseeing-Marathon
Rund 200 Kilometer weiter nach Südosten der Donau folgend, liegt Budapest. Wieder eine Großstadt im eigentlichen Sinn: monumental, weitläufig und mit fast 1,7 Millionen die größte der drei Hauptstädte. Wer trotzdem nur wenig Zeit zwischen zwei Nächten hat, für den empfiehlt sich eine Bootsfahrt auf der Donau, um die wichtigsten Highlights aus der Wasserperspektive und ohne viel Laufen präsentiert zu bekommen. Ein Spaziergang durch die Pester Innenstadt mit St.-Stephans-Basilika und Großer Synagoge gehört natürlich trotzdem zum Pflichtprogramm, am besten mit einem Stopp für einen kleinen Snack in der Großen Markthalle.
Am Nachmittag geht es hinüber auf die Budaer Seite ins Burgviertel. Der Aufstieg ist zwar steil, aber kurz. Alternativ fährt eine Standseilbahn hinauf, die allerdings mehr als zehn Euro pro Person kostet. Oben lassen sich Fischerbastei, Matthiaskirche und Burgpalast in Ruhe erkunden - immer wieder mit Blick über die Donau und die Pester Stadtseite. Statt eine Sehenswürdigkeit nach der anderen abzuhaken, bleibt so auch Zeit für einen Kaffee oder eine längere Pause an einem der Aussichtspunkte.
Für die Übernachtung empfiehlt sich Aréna Camping als zentraler und sauberer Stadt-Campingplatz. Bus und Metro bringen Gäste schnell ins Zentrum. Optisch ist der Platz eher funktional als idyllisch, Flugzeuge und vorbeifahrende Züge können zeitweise laut werden. Also kein Platz für einen Urlaub, aber optimal für einen Städtetrip.
Balaton: Zwischenstopp ganz ohne Programm
Erholung findet man dann nur gut eine bis anderthalb Stunden außerhalb von Budapest: Der im Sommer oft extrem volle Balaton ist im frühen Herbst deutlich ruhiger. Nach einem heißen Sommer wie 2026 bietet sich besonders das Nordufer an: Hier fällt das Ufer vielerorts steiler ab als auf der flachen Südseite, sodass das Wasser schneller tief genug zum Schwimmen ist.
Nach drei Hauptstädten ist auch kein Programm nötig, die Tage füllen sich wie von allein mit Baden im immer noch warmen Wasser, Spaziergängen, Essen gehen, Lesen oder einfach vor dem Wohnmobil sitzen. Die Auswahl an Campingplätzen ist groß, außerhalb der Hauptsaison lohnt aber vorab ein Blick auf die Öffnungszeiten.
Die Qual der Wahl: Bleiben oder weiter ans Meer
Wer sich am Balaton angekommen fühlt, kann hier gut und gerne eine ganze Woche verbringen. Im September liegen die Höchstwerte oft noch bei 22 Grad, auch das Wasser hält die Wärme des Sommers.
Wer das Meer dem See vorzieht, der schafft es in gut viereinhalb bis fünf Stunden vom Balaton an die Kvarner Bucht. Die kroatische Adria lockt dort mit etwas höherer Wasser- und Lufttemperatur.
Gerade auf solchen langen Etappen zeigt sich der Carado T328 Pro+ mit 140 PS und 8-Gang-Automatik ruhig, aber im richtigen Moment kraftvoll genug für Überholvorgänge. Bei knapp sieben Metern wirkt der Teilintegrierte auch abseits der Autobahn nicht zu wuchtig und ist dank Rückfahrkamera und diversen Fahrassistenten gut zu steuern.
Krk: Ankommen und stehenbleiben
Entlang der Küste, aber auch auf der Insel Krk warten zahlreiche Campingplätze: Vom kleinen, ruhigen Familienbetrieb bis zum großen Resort mit Restaurants, Pools, Animation und direktem Strandzugang ist hier für alle etwas geboten.
Entscheidender als die konkrete Adresse ist ohnehin, das Wohnmobil mehrere Tage stehen lassen zu können. Der T328 Pro+ bietet mit zwei Längseinzelbetten und einem Hubbett regulär vier Schlafplätze. Darunter lässt sich noch ein fünftes Bett zwischen Tisch und Quersitz einrichten. Der tägliche Umbau macht den Reisealltag umständlicher als mit einem Alkoven, hält das Fahrzeug aber kompakt.
Apropos Platz: Der große Kühlschrank mit Gefrierfach ist für die Reise gut dimensioniert, der Herd fällt wie bei vielen Wohnmobilen eher knapp aus. Clever gelöst ist das Bad: Eine schwenkbare Wand macht aus dem Raum je nach Bedarf Dusche oder WC. Die Verarbeitung ist solide, an einzelnen Materialien und Details merkt man aber, dass Carado eher im Einstiegssegment der Hymer-Konzerngruppe angesiedelt ist.
Die letzten Tage der Herbst-Rundreise finden aber ohnehin meist draußen statt: Nach den Städten und immer wieder halben Fahrtagen reichen Meer, Schwimmen, ein Spaziergang in den nächsten Ort und ein Abendessen am Hafen als Tagesprogramm völlig aus. Auch hier spielt der Herbst seine Vorteile aus: Die Adria hat die Wärme des Sommers gespeichert, aber es ist deutlich ruhiger als in der Hauptsaison.
Fünf bis sieben Länder, aber keine Länder-Sammelreise
Je nach Entscheidung für mehr Zeit am Balaton oder die Weiterreise ans Meer gestaltet sich die Rückreise schon fast klassisch: Von Kroatien geht es über Slowenien zurück, in Österreich trifft man auch die Heimkehrer aus Ungarn, und von dort geht es nach Deutschland.
So kommen in zwei Wochen mit Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, (Kroatien, Slowenien) und Österreich fünf bis sieben Länder zusammen. Das klingt nach vielen Ortswechseln, aber sowohl der Wechsel von Prag über Bratislava nach Budapest als auch der Abschluss wahlweise mit Blick auf den größten See Mitteleuropas oder das noch größere Mittelmeer bieten Möglichkeiten zum Verschnaufen.
Durch die Reise mit dem Wohnmobil gibt es auch immer die Option, spontane Zwischenstopps einzulegen oder die Reisepläne je nach Belieben anzupassen. Dank Nebensaison ist die Suche nach einem geeigneten Campingplatz meist auch einfacher.
(jmk/spot)


