Nach Angriff auf Frau in HamburgAuge in Auge mit Wolf, Hirsch und Co.: Was tun, wenn ich einem Wildtier begegne?

Richtiges Verhalten im Ernstfall!
Seit Tagen läuft ein Wolf durch das Stadtgebiet von Hamburg. Am Montagabend (30. März) plötzlich eine unfassbare Szene: Er attackiert eine Passantin und beißt ihr ins Gesicht. Immer wieder hören wir von dramatischen Begegnungen mit Wildtieren. Doch was ist wirklich zu tun, wenn wir uns plötzlich Auge in Auge gegenüberstehen?
Die Ungefährlichen: Füchse, Waschbären und Marder
Füchse
In Berlin leben schätzungsweise 10.000 bis 15.000 Füchse, der „berühmteste“ residiert wohl seit 2021 im Schlosspark Bellevue. Dort hat ihn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf den Namen Theo getauft.
Die Tiere sind sehr zutraulich, neugierig und verspielt. Manchmal versuchen sie, mit Katzen oder Hunden zu spielen – und dieses Verhalten wird vom Mensch dann als Angriff fehlinterpretiert. Dabei sind die Rotröcke für uns Menschen ungefährlich. Streicheln oder sogar auf den Arm nehmen sollten wir sie trotzdem nicht, denn das könnten die Tiere wiederum als Angriff verstehen und sich mit Bissen und Kratzen wehren.
Verhaltens-Tipp:
Am besten macht ihr einfach gar nichts. Sollte euch ein Fuchs aber dennoch mal zu nahe kommen und sich aggressiv verhalten, rät der NABU dazu, ihn genauso aggressiv zu verscheuchen: Zum Beispiel durch heftiges Auftreten, einen Wasserstrahl oder Schlagen mit einer Rute auf den Boden, um Dominanz zu zeigen. Schuhe am besten nicht draußen stehen lassen, wenn die Gegend als Fuchsgebiet bekannt ist. Sonst heißt es bald bei Ihnen „Fuchs, du hast den Schuh gestohlen...“
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Waschbären
Die Tiere tragen ihre Banditenmaske vielleicht nicht ganz zu Unrecht. Sie gelten als gewitzt und klug und sind kleine Langfinger, die es aber eigentlich nur auf Essen abgesehen haben. Das erschnuppern sie mühelos und holen es sich auch ganz unverfroren. Sie können sehr gut klettern und wühlen, und es ist nahezu unmöglich, sie vom Grundstück fernzuhalten, wenn die Tiere sich das einmal in den Kopf gesetzt haben. Deswegen ist es besonders wichtig, keine Speisereste offen herum liegenzulassen. Besonders verbreitet sind Waschbären in Nordhessen, Südniedersachsen und Brandenburg.
Treffen sie auf Menschen, sind die Tiere meistens vollkommen gelassen. Sie sind frech – daher fliehen sie oft nicht, lassen sich aber auch nicht davon abhalten, Lebensmittel zu stibitzen.
Verhaltens-Tipp:
Lärm und Licht können die Tiere vertreiben. Wenn sie sich bedroht fühlen, stellen sie sich auf und fauchen. Vor allem dann, aber auch generell, sollten wir Menschen sie keinesfalls anfassen. Sie können nämlich auch Flöhe oder infektiöse Krankheiten übertragen. Wird das Tier tatsächlich gefährlich, kann die Feuerwehr mit Fanggeräten helfen.
Marder
Sie werden in der Regel nur für Autos gefährlich. Die Nager lieben Schläuche und Co. und sorgen jährlich für etwa 233.000 Schadensmeldungen an Autos.
Aber sie tun auch etwas Gutes für uns und halten Mäuse und Ratten fern. Wenn wir sie tatsächlich einmal antreffen sollten. Marder sind überwiegend nachts unterwegs, wenn überhaupt sehen wir sie wahrscheinlich nur kurz und von hinten. Die Tiere sind sehr scheu und stellen in der Regel absolut keine Gefahr für den Menschen dar.
Verhaltens-Tipp:
Nicht anfassen, zur Not laut klatschen. Lasst ihm eine Möglichkeit zur Flucht.
Video-Tipp: Wolfs-Angriff mitten in Hamburg
Die Gefährlichen: Wolf, Hirsch und Wildschwein
Wölfe
Laut NABU gibt es (Stand November 2025) in Deutschland 219 Wolfsrudel, 43 Paare und 14 Einzeltiere. Begegnungen sind zwar selten, aber nicht ausgeschlossen, denn auch sie sind immer auf der Suche nach Futter und der Mensch dringt häufig in den Lebensraum der Tiere ein.
Verhaltens-Tipp:
Zunächst einmal gilt: Ruhe bewahren. Vor allem bei jungen Wölfen ist es wichtig, möglichst selbstsicher aufzutreten. Macht euch groß und schwenkt Arme und Beine. Ihr solltet auf keinen Fall wegrennen, das kann ihren Jagdreflex auslösen. Aber ihr könnt euch langsam und mit Blickrichtung zum Tier zurückziehen. Meistens wird sich aber auch der Wolf selbst entfernen. Er trabt langsam davon und dreht sich dabei möglicherweise mehrfach um. Tatsächliche Angriffe auf Menschen sind extrem selten.
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Hirsche
Rotwild, Damwild und Rehe sind Fluchttiere. Sie nehmen Reißaus, wenn sie Menschen sehen. Aber: In der Brunftzeit kommt es immer wieder zu Angriffen. Ein ausgewachsener Rothirsch kann bis zu 1,50 Meter groß und bis zu 110 Kilogramm schwer werden. Fühlt er sich provoziert, kann er mit seinem Geweih schwere Verletzungen verursachen.
Verhaltens-Tipp:
Experten empfehlen, laut zu rufen und sich langsam zu entfernen, wenn das Tier Ihnen zu nahe kommt. Sie haben einen ausgeprägten Fluchtinstinkt und ziehen sich meist von selbst zurück, wenn sie Menschen wahrnehmen.
Wildschweine
Vor allem Stadtwildschweine gibt es in vielen deutschen Stadtparks. Logisch, für die Tiere ein Schlaraffenland dank weggeworfener Essensreste oder überquellenden Mülleimern.
Beim Waldspaziergang dürftet ihr im Normalfall nicht auf Wildschweine treffen. Nur im Frühjahr, wenn die Frischlinge geboren werden, kann es öfter mal zu Aufeinandertreffen kommen. Denn die Bache, also das Muttertier, versucht, ihren Nachwuchs zu verteidigen. Unter Fauchen und Drohgebärden kann es sein, dass sie auf Spaziergänger losgeht.
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Verhaltens-Tipp:
Ruhe bewahren und sich langsam zurückziehen. So signalisiert ihr, dass ihr keine Gefahr darstellt. In aller Regel werden Wildschweine nicht angreifen. Sollte es doch passieren: macht euch groß, nehmt eine bedrohliche Haltung ein und klatscht laut in die Hände. Hilft alles nicht, haltet Ausschau nach einem Hochsitz, einem Holzstapel oder einem Baum, auf den ihr euch zurückziehen könnt, bis sich das Tier entfernt hat.
Verwendete Quellen: NABU, NLWKN, Wildtierschutz, Wanderbares Deutschland, PETA
































