Schwerer Unfall raubt ihr die ErinnerungMichi (30) lebt mit Amnesie – zwei Jahre ihres Lebens einfach aus dem Gedächtnis gelöscht

von Mara Benkert, Kathrin Ebeling und Svenja Hoffmann

Plötzlich fehlen zwei Jahre ihres eigenen Lebens!
Nach einem schweren Autounfall in Südafrika wacht Michi (30) völlig verwirrt im Krankenhaus auf. Selbst wenige Minuten alte Gespräche vergisst sie wieder. Eineinhalb Jahre später kämpft sie sich noch immer zurück ins Leben – doch ein Teil ihrer Vergangenheit bleibt bis heute verschwunden.

Michi weiß plötzlich nicht mehr, wo sie ist und was passiert ist

Eigentlich wollen Michi und ihr Ehemann Marc Schreiber in Südafrika etwas ganz Neues aufbauen. Die beiden arbeiten dort in Artenschutzprojekten mit und planen sogar eine eigene Tierauffangstation. Anfang Januar 2025 sind sie kurz davor, dafür ein Grundstück zu kaufen.

Doch auf dem Weg zu einer Wanderung verändert ein schwerer Autounfall alles. Ein anderes Auto kracht ungebremst in ihren Wagen. Michi und Marc kommen schwer verletzt ins Krankenhaus. „Michi war zu dem Zeitpunkt noch zunächst bewusstlos und als sie dann zu sich kam, komplett verwirrt“, erinnert sich Marc. Seine Frau habe weder gewusst, wo sie ist, noch was passiert war.

Michis halbes Gesicht ist zertrümmert, auch ihr Gehirn wird verletzt. Doch schnell zeigt sich noch eine weitere dramatische Folge des Unfalls: Michi kann sich nicht mehr an Teile ihrer Vergangenheit erinnern – und zunächst funktioniert auch ihr Kurzzeitgedächtnis nicht.

RTL+-Streaming-Tipp: Auf einen Espresso mit Lars Amend

Michi und Marc Schreiber haben auch mit Podcaster Lars Amend („Auf einen Espresso mit Lars Amend”) über ihre Geschichte gesprochen. Die ganze Folge könnt ihr euch jederzeit auf RTL+ anhören.

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Marc muss seiner Frau den Unfall immer wieder neu erklären

Für Michi beginnt eine Zeit voller Angst. „Das Primärgefühl war erstmal tatsächlich Panik und Angst“, erinnert sie sich. Lange habe sie gehofft, vielleicht nur zu träumen: „Ich werde gleich wach und alles ist gut.“

Doch die 30-Jährige wacht aus diesem Albtraum nicht einfach auf. Weil ihr Kurzzeitgedächtnis zunächst nicht richtig funktioniert, muss Marc ihr immer wieder erklären, was geschehen ist. Teilweise hätten sie „an einem Tag 20-, 30-mal dieselben Gespräche geführt“, erzählt er.

„Wir hatten einen Unfall. Wir sind im Krankenhaus. Du wurdest operiert“, erklärt Marc seiner Frau immer wieder. Verlässt er danach nur kurz das Zimmer, weiß Michi teilweise schon nicht mehr, warum sie überhaupt dort liegt. „Warum bin ich im Krankenhaus? Warum tut mein Gesicht so weh?“, fragt sie ihn dann.

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Zwei Jahre sind durch Michis Amnesie aus dem Gedächtnis gelöscht

Zurück in Deutschland stellen Ärzte unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma fest. Prof. Lars Marquardt, Neurologe an der Asklepios Klinik Wandsbek, erklärt, dass es bei Michi zu einer sogenannten retrograden Amnesie gekommen sei. Betroffene können sich dabei nicht mehr an Dinge erinnern, die vor dem auslösenden Ereignis passiert sind.

Bei Michi fehlen ganze zwei Jahre ihres Lebens. „Nach und nach wurde mir dann eigentlich erst bewusst, was ich vergessen habe“, erzählt sie.

Ein großes Glück in dieser schwierigen Situation: Marc ist ihr nicht fremd. Die beiden sind zum Zeitpunkt des Unfalls bereits seit sieben Jahren verheiratet. „Das war eine sehr, sehr große Erleichterung“, sagt Michi. Sie habe damit einen Menschen an ihrer Seite gehabt, dem sie vertrauen und an den sie sich „dran heften“ konnte.

Michi muss ihrem Mann bei ihrer eigenen Vergangenheit vertrauen

Ihr Kurzzeitgedächtnis kehrt schließlich zurück. Die verlorenen zwei Jahre bleiben jedoch verschwunden. Marc beginnt deshalb, seiner Frau Stück für Stück von gemeinsamen Erlebnissen zu erzählen und ihr Fotos aus dieser Zeit zu zeigen.

Das stellt Michi vor eine außergewöhnliche Situation: Andere Menschen können ihr Dinge über ihr eigenes Leben erzählen, an die sie selbst keinerlei Erinnerung hat. „Man hat sich ausgeliefert gefühlt, wusste nicht, ob das stimmt oder nicht“, sagt sie. Sie habe keine Möglichkeit gehabt, das Erzählte selbst zu überprüfen.

Damit muss sie auch Teile ihrer eigenen Persönlichkeit neu kennenlernen. Gleichzeitig kämpft Michi jeden Tag darum, wieder mehr Selbstständigkeit zurückzugewinnen.

Buch über Amnesie gibt Michi neues Selbstvertrauen

Michi trainiert täglich ihr Gehirn, macht Therapie und beginnt schließlich sogar, ein Buch über ihre Amnesie zu schreiben. Ein Projekt, das für sie weit mehr ist als nur Arbeit. „Das war für mich wie so: Ich kann wieder was“, erzählt sie. „Und es war mental für mich total wichtig.“

Eineinhalb Jahre nach dem Unfall geht es der 30-Jährigen deutlich besser. Dass sämtliche verlorenen Erinnerungen irgendwann zurückkommen, darauf kann sie sich nicht verlassen. Trotzdem blickt sie wieder nach vorne: „Ich will einfach nur irgendwie wieder zurück ins Leben finden.“

Und auch den Traum, den der Unfall so brutal unterbrochen hat, haben Michi und Marc nicht aufgegeben. In drei Jahren soll ihre eigene Tierauffangstation in Südafrika Realität werden. Auch wenn Michi sich an einen Teil des Weges dorthin nicht mehr erinnern kann, möchte sie ihre Zukunft selbst weiterschreiben.

Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche