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Wunderwaffen: Können Corona-Apps die vierte Infektionswelle dämpfen?

300.000 Infektionsketten konnten bereits unterbrochen werden

Wie Corona-Apps die vierte Infektionswelle dämpfen könnten

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes
Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes in der neuen Version 2.9 im App-Store von Apple.
Christoph Dernbach, picture alliance

Diesen Herbst und Winter haben Corona-Warn-Apps eine andere Stellung

Im vergangenen Sommer haben Smartphone-Apps zur Bekämpfung der Corona-Pandemie kaum eine Rolle gespielt. Die offizielle Corona-Warn-App zum Beispiel war zwar schon auf etwa 25 Millionen Geräten installiert, doch man war skeptisch. Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Und bringt das Ganze überhaupt was? Die Zahl der roten Warnmeldungen etwa, die einen risikoreichen Kontakt mit einer infizierten Person signalisieren, erreichte nicht mal die Schwelle von 100. Klar: In diesen Wochen gab es schließlich auch kaum Infekte, die aufgespürt werden konnten.

Jetzt sieht die Corona-Lage anders aus. Deswegen könnten Corona-Apps diesen Herbst und Winter eine ganz andere, wichtigere Rollen spielen.

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Auch die Apps beweisen: Die Corona-Lage ist ernst

Die dramatische Entwicklung der vierten Corona-Welle kann man mittlerweile auch an den App-Statistiken ablesen: In der Corona-Warn-App zum Beispiel schnellte die Zahl der roten Warnungen auf über 70.000 Fälle täglich in die Höhe. Und auch die Check-in-App Luca verzeichnete einen steilen Anstieg der Warnungen. So haben die Gesundheitsämter in Deutschland in der vergangenen Woche nach einer eingehenden Risikobewertung über 40.000 individuelle Warnmeldungen an Luca-Gäste ausgespielt.

So erkennt die App Infektionen

Eine Freundesgruppe prostet sich mit Getränken zu.
Vor allem in Bars und Restaurants können die Corona-Warn-Apps das Infektionsgeschehen verfolgen.
www.imago-images.de, imago images/Shotshop, Monkey Business 2 via www.imago-images.de

Die offizielle Corona-Warn-App (CWA), für die inzwischen 36,3 Millionen Downloads verzeichnet sind, erfasst mit Hilfe von Bluetooth-Signalen, welche Smartphones einander nahe gekommen sind. Danach benachrichtigt sie die Anwender über potenziell riskante Begegnungen.

Die Luca-App soll dagegen Restaurantbesitzern und Event-Veranstaltern unter die Arme greifen, die gesetzlich vorgeschriebene Erfassung der Kontakte der Besucher ohne Zettelwirtschaft zu erledigen. Sie trackt die Anwenderinnen und Anwender nicht den ganzen Tag. Sie kann nach einem Check-in gezielte Warnmeldungen nach dem Muster „Du hast in der Lokalität X für circa anderthalb Stunden an einem Tisch unweit von vielfachem Infektionsgeschehen gesessen" ermöglichen.

Während Datenschützer sich immer wieder an der zentralen Datenspeicherung des Luca-Systems stören, wurde bei der CWA ein dezentrales Datenschutzkonzept umgesetzt, das auch international als vorbildlich gilt. Bei allem Lob für den Datenschutz: Die Wirksamkeit der CWA wird dagegen immer wieder in Frage gestellt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die App im Oktober 2020 als „zahnlosen Tiger“ und als Flop.

Lese-Tipp: So funktioniert die neue Warnoption für Veranstaltungen

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300.000 Infektionsketten konnten bereits unterbrochen werden

Aber: Die App ist kein „Totalausfall“. Das wird über ein Jahr später durch die Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) widerlegt. Inzwischen haben rund 710.000 Menschen über die App andere Personen vor einer gefährlichen Risiko-Begegnung gewarnt. Dadurch wurden schätzungsweise in über 300.000 Fällen Infektionsketten unterbrochen.

Die Zahl der relevanten Warnungen könnte aber noch viel höher sein, wenn alle Anwenderinnen und Anwender der App, die positiv getestet wurden, diese schlechte Nachricht auch der App anvertrauen würden. Anfangs trauten sich aber nicht einmal 40 Prozent der Betroffenen, diese Alarmkette auszulösen. Zuletzt hat sich dieser Wert immerhin auf rund 60 Prozent verbessert.

Digitaler Impfnachweis löst Schub für die Apps aus

Einen Schub in der Nutzung der Corona-Apps hat der digitale Impfnachweis ausgelöst. Er kann in der speziellen App CovPass gespeichert werden, die sonst keine weiteren Funktionen hat, oder aber auch in der CWA und Luca. Aber: Immer wieder beschweren sich manche Benutzer über die Unübersichtlichkeit, die für Verwirrung sorgt: So bieten sowohl die Corona-Warn-App als auch die Luca-App einen „Check-in" an, was aber unterschiedliche Auswirkungen hat. Bei der CWA des RKI wird durch einen Check-in lediglich die Abstandsmessung im Raum nach einer unterschiedlichen Formel berechnet. Dabei werden dann auch beispielsweise bereits ausgecheckte Besucher berücksichtigt, die vor wenigen Minuten bereits das Event verlassen haben, deren Aerosole aber noch immer in der Luft schweben könnten.

Im Gegensatz zur Luca-App werden bei der CWA aber keine Kontaktdaten übertragen. Bei Luca werden dagegen der Ort, die Zeit des Aufenthaltes und die Kontakte der Beteiligten erfasst.

In 14 von 16 Bundesländern ist bislang noch in den jeweiligen Landesinfektionsverordnungen vorgeschrieben, dass Gastwirte und Veranstalter die Kontakte entweder mit Luca, einer vergleichbaren App oder analog auf Papier erfassen müssen. Nur Sachsen und seit Mitte Oktober auch Baden-Württemberg ermöglichen auch ein Check-in mit der Corona-Warn-App, ohne dabei Kontaktinformationen zu erfassen. Das könnte nun Schule machen.

Lese-Tipp: Corona: Läuft der digitale Impfpass aus? Wenn ja, wann? Und was können wir tun?

Gute Möglichkeit zur Kontakt-Verfolgung

Der Bundestag hat vor wenigen Tagen eine Reform des Infektionsschutzgesetzes beschlossen, in der die Corona-Warn-App explizit als Möglichkeit zur Kontakt-Verfolgung genannt wird. In dem Gesetz heißt es, es könne alternativ zur Erfassung von Kontaktdaten „auch angeordnet werden, dass die Nachverfolgung und Unterbrechung von Infektionsketten vorrangig durch die Bereitstellung der QR-Code-Registrierung für die Corona-Warn-App erfolgen". (dpa/vdü)