Anwältin Nicole Mutschke klärt auf

Whatsapp verschiebt Änderung der Datenschutzregeln: Was erwartet deutsche Nutzer?

Was erwartet den deutschen Whatsapp-Nutzer in Sachen Datenschutz?
Was erwartet den deutschen Whatsapp-Nutzer in Sachen Datenschutz?
© dpa, Ritchie B. Tongo, rt ase ase sab kno fgj

18. Januar 2021 - 10:58 Uhr

Nach heftiger Kritik: Whatsapp verschiebt Regeländerung auf Mai

Bei den neuesten Whatsapp-Änderungen sollten Nutzer ganz genau hinschauen! Denn der Messenger-Dienst ändert seine Nutzungsbedingungen – und wer diesen als User nicht zustimmt, kann die App nicht weiter nutzen. Zunächst kündigte Whatsapp an, die Änderungen zum 8. Februar hin umsetzen zu wollen. Nach massiver Kritik und Nutzerabwanderung verschiebt Whatsapp den Start der neuen Regeln nun um gut drei Monate auf den 15. Mai.

Womit müssen deutsche Whatsapp-Nutzer denn nun konkret rechnen, wenn sie sich bei dem kostenlosen Dienst anmelden und über ihn Nachrichten, Bilder und Co. verschicken? Wir haben die Anwältin Nicole Mutschke gefragt.

Welche Nutzerdaten greift Whatsapp konkret ab?

Besonders heiß diskutiert wird aktuell vor allem die veränderte Datenschutzrichtlinie, in der es um das Teilen von Daten mit dem Mutterkonzern Facebook geht. Dabei sollen Whatsapp-Nutzerdaten an Facebook zu Werbezwecken oder zur Verbesserung von Produkten weitergeleitet werden. Diese Änderung soll jedoch nicht für EU-Länder gelten. Trotzdem wird der Messenger-Dienst auch hierzulande bezüglich seines Umgangs mit Datenschutz kritisch beäugt.

Aus juristischer Sicht könne man die Frage, welche Nutzerdaten der Messenger-Dienst konkret abgreift, letztlich nur mit Verweis auf die Angaben aus den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie beantworten, erklärt uns Anwältin Nicole Mutschke. "Wenn man sich bei Whatsapp anmeldet, speichert Whatsapp - soweit aus den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie ersichtlich - zunächst die Telefonnummer".

Durch den Zugriff auf die Kontakte des Adressbuches würden dann auch die jeweiligen Kontaktdaten der Nutzer sowie generell alle Daten, die Nutzer selbst angeben, gespeichert. Das betrifft etwa das Profilbild, den Status sowie den Anzeigenamen. Zudem speichere der Messenger-Dienst Daten zum Smartphonemodell, den Batteriestand, die Aktivität des Nutzers, Standortinformationen, das Mobilfunknetz, die Signalstärke und IP-Adressen.

Anwältin Nicole Mutschke
Anwältin Nicole Mutschke hält die Datenverwendung bei Whatsapp für nicht transparent genug.
© RTL

Was ist so schlimm an dieser Datennutzung?

"Wenn man sich ansieht, welche weitreichenden Informationen man zur Verfügung stellt, dann sollte man grundsätzlich die Nutzung kritisch betrachten", so Mutschke. Generell sollten sich User bei kostenlosen Diensten immer fragen, wie das Unternehmen wohl Geld verdient, wenn es nicht direkt von den Kunden kommt, so die Expertin. "Kostenpflichtige Produkte von Unternehmen, die ihren Sitz komplett in Europa haben, müssen grundsätzlich einen guten Schutz anbieten. Auch hier muss man sich aber gut informieren."

Negativ sei zudem, dass in den den neuen Nutzungsbedingungen nicht klar und verständlich gesagt werde, welche Informationen nun konkret welchem Unternehmen übermittelt werden, kritisiert die Anwältin. "Für einen Whatsapp-Nutzer ist es meiner Ansicht nach nicht möglich nachzuvollziehen und zu kontrollieren, was Whatsapp mit den Daten macht. Somit ist die Datenverwendung nicht wirklich transparent."

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Wie sieht es in Sachen Datennutzung bei den Whatsapp-Konkurrenten aus?

Lohnt es sich also, zu einem anderen Messenger-Dienst zu wechseln? Zumindest in Sachen Datenschutz, könnte das Vorteile bieten, so Nicole Mutschke: "Alternative Messenger-Dienste hatten in der Vergangenheit angekündigt, nun ihren sogenannten App-Quellcode veröffentlichen zu wollen. Vereinfacht gesagt ist dann einsehbar, welche Veränderungen an der App von dem Hersteller vorgenommen wurde und damit auch, was genau mit unseren Daten passiert." Was die beliebtesten Whatsapp-Konkurrenten in Sachen Datenschutz bieten, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Video: So aktivieren und deaktivieren Sie bei Whatsapp "ablaufende Nachrichten"

Schützt uns denn die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nicht vor Datenmissbrauch?

In Deutschland gilt die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) – doch kann man überhaupt darauf vertrauen, dass sich internationale Unternehmen wie Facebook daran halten? Grundsätzlich sei es natürlich so, sagt Nicole Mutschke, dass die DSGVO verbindliches Recht sei, an das sich alle Unternehmen in Europa halten müssten. "Ein Gesetz allein bietet natürlich keinen absoluten Schutz vor Datenmissbrauch, es muss von den Unternehmen auch 'gelebt' und 'befolgt' werden", so die Anwältin. "Wenn es aber Hinweise auf eine Verletzung des Datenschutzes gibt, kann dies von den Behörden natürlich untersucht und ggf. sanktioniert werden." Gerade Facebook stehe dabei unter dauernder Beobachtung der Datenschützer.

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