Das hält Dr. Specht davon

Wenn Apotheker statt Ärzte impfen - kann das klappen?

30. November 2021 - 20:20 Uhr

Kann ein Apotheker mit Impf-Komplikationen umgehen?

Noch sind es nur Forderungen führender Politiker. Ob es tatsächlich dazu kommen wird, ist noch nicht entschieden: Die Impfung in Apotheken, durchgeführt nicht etwa von Ärzten, sondern von den Apothekern selbst. Doch was ist, wenn es zu Komplikationen kommt, wenn es Impflinge unmittelbar nach der Injektion nicht gut geht oder gar der seltene Fall eines anaphylaktischen Schocks eintritt? Können Apotheker damit umgehen? Im Video sehen Sie, was Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht dazu sagt.

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Apotheken sind grundsätzlich bereit

Die Apotheken sind derweil gewappnet für eine möglich Entscheidung, dass auch dort geimpft werden darf. Allein im einwohnerstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen könnten nach Verbandsangaben hunderte Apotheken bei einer Ausnahmegenehmigung zusätzlich zu den Ärzten ebenfalls gegen Corona impfen. "Im Rheinland gibt es 500 Apotheken mit über 1000 geschulten Apothekerinnen und Apothekern, die schon impfberechtigt sind", sagte der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein, Thomas Preis, mit Verweis auf ein Modellprojekt zur Grippeschutzimpfung in den Apotheken. Viele von ihnen hätten bereits vor Wochen in einer Umfrage des Verbandes ihre Bereitschaft zu Corona-Impfungen signalisiert. "Die Bereitschaft ist hoch", unterstrich er. Das Netz der Apotheken sei im Rheinland ohnehin das dichteste in der Bundesrepublik.

Apotheken in anderen Bundesländern geben ebenfalls grünes Licht

Auch nach Ansicht des Hessischen Apothekerverbandes sollen Apotheker Booster-Impfungen anbieten dürfen. Viele vollständig Geimpfte benötigen Booster-Impfungen, doch die Kapazitäten in den Arztpraxen seien begrenzt, sagte der Verbandsvorsitzende Holger Seyfarth Ende November. "Apotheken sind flächendeckend vorhanden, auch an Samstagen geöffnet und ihre Teams haben ein breites Wissen über Impfungen." Deshalb erwartet er vom Gesetzgeber, Booster-Impfungen nach den erforderlichen Schulungen des Personals auch in Apotheken zu erlauben. Grundvoraussetzung für seinen Plan sei jedoch, dass genügend Impfstoff vom Bund bereitgestellt werde. Auch die Apothekenkammer Sachsen-Anhalt zeigt sich grundsätzlich offen. "Wenn es der ausdrückliche Wunsch der Politik ist, dann werden sich auch Apothekerinnen und Apotheker der Aufgabe stellen, Auffrischungsimpfungen gegen Covid-19 mit zu realisieren", sagte Kammerpräsident Jens-Andreas Münch.

Ähnlich sieht es der Bayerische Apothekerverband – jedoch fehlen die politischen Vorgaben. Zudem sei es auch eine Frage der Kapazitäten und Ressourcen. "Auch Apotheken sind absolut am Limit, um alle hinzugekommenen Aufgaben zu erledigen", so Verbandssprecher Thomas Metz. Dazu zählten zum Beispiel die Impfstofflieferungen an Praxen, Schnelltests oder Impfzertifikate.

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Ärztekammer ist dagegen

Kritik an dem Vorstoß der Gesundheitsminister, dass auch Apotheker künftig impfen sollen, kommt von den Ärzten: "Die Impfzentren werden nicht geöffnet, aber geimpft wird beim Apotheker. Das ist für die Ärzte nicht nachvollziehbar", sagte Tobias Brehme, Sprecher der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Immerhin sei eine Impfung ein ärztlicher Eingriff, bei dem man sich auskennen müsse. Man sende damit auch die falschen Signale - gerade in Bezug auf Impfskeptiker, so Brehme weiter. Aus seiner Sicht macht es aktuell ohnehin keinen Sinn, wenn auch noch Apotheken ins Impfen einsteigen, da ohnehin nicht genügend Impfstoff verfügbar sei. (dpa/mol)