Jetzt müssen wir jedes Jahr doppelt ranklotzen

Neue Studie zeigt: Deutsches Klimaziel in Gefahr

Eine neue Studie zeigt: Das Deutsche Klimaziel für 2030 könnte wackeln.
Eine neue Studie zeigt: Das Deutsche Klimaziel für 2030 könnte wackeln.
© dpa, Patrick Pleul

06. Januar 2022 - 15:55 Uhr

Bundesregierung entfernt sich von Klimazielen

Die wieder aufflammende Coronakrise hat die Klimakrise teilweise aus den Nachrichten verdrängt. Jetzt kommt sie mit einem Paukenschlag zurück. Denn die Klimaziele der neuen Bundesregierung sind in Gefahr, wie eine neue Studie zeigt. Schlimmer noch: Die selbst gesteckten Klimazielen sind offenbar weiter weg als zuvor.

Mehr statt weniger Treibhausgase

Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der "Denkfabrik Agora Energiewende". Einerseits hätte sich die Ampelkoalition die ambitioniertesten Klimaziele in der Geschichte der Bundesrepublik gesetzt, "andererseits wächst die Umsetzungslücke weiter, die die neue Bundesregierung jetzt dringend mit wirksamen Klimaschutzmaßnahmen schließen muss", erklärt Simon Müller, Deutschland-Direktor bei Agora und einer der Studienautoren.

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Heißt im Klartext: Deutschland hat im vergangenen Jahr nicht mehr Treibhausgase eingespart, sondern weniger.

Weniger erneuerbare Energien

Und das hat dramatische Folgen, so die Autoren der Studie. "Durch den Emissionsanstieg 2021 müssen wir ab jetzt jedes Jahr im Schnitt 37 Millionen Tonnen CO2 einsparen, um das 2030er Ziel einzuhalten", sagte Co-Autor Müller. Andernfalls sei das Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 65 Prozent zu reduzieren, nicht mehr möglich.

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Grund für die negative Entwicklung: Der Anteil der erneuerbaren Energien ist nicht – wie von der Bundesregierung geplant – gestiegen, sondern sogar um mehr als drei Prozent gefallen. Erstmals seit zwölf Jahren sei unter der ehemaligen GroKo keine einzige Windkraftanlage auf See ans Netz gegangen.

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Habeck: "Wir werden unsere Ziele vermutlich auch für 2022 verfehlen"

Weil der Strom aber irgendwoher kommen muss, wurde der zunehmend aus klimaschädlichen Ressourcen gewonnen. Durch den zusätzlichen Anstieg der Gaspreise, sei die noch klimaschädlichere Kohle außerdem noch attraktiver geworden.

Noch für das laufende Jahr forderte die Denkfabrik von der Politik deshalb eine "Ausbauoffensive für Solarenergie". Zudem müssten genug Flächen für die Windkraft gesichert werden und der Aus- und Umbau der Energienetze geplant werden.

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Bundesklimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) hatte vor kurzem zusätzliche Anstrengungen beim Klimaschutz angekündigt und gleichzeitig die alte Bundesregierung kritisiert. "Wir werden unsere Ziele vermutlich auch für 2022 noch verfehlen, sogar für 2023 wird es schwer genug", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit". "Wir fangen mit einem drastischen Rückstand an."

(dpa/sst)

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