Welt-Aids-Tag 2020

Nach fast 30 Jahren Forschung: Es gibt Hoffnung auf einen HIV-Impfstoff

02. Dezember 2020 - 10:30 Uhr

38 Millionen Infizierte weltweit

Es ist ein Virus, das lange als tödlich galt: HIV. Anfang der 80er Jahre verbreitete sich das HI-Virus rasend schnell, es forderte seit dem Ausbruch über 32 Millionen Menschenleben. Schon rund drei Jahrzehnte sucht die Forschung nach einem Impfstoff gegen das Virus. Bisher leider erfolglos. Warum es so schwierig ist, einen HIV-Impfstoff zu entwickeln, erklärt Prof. Hendrik Streeck, Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Universität Bonn, im Video. Dort sehen Sie auch, warum es jetzt trotzdem Hoffnung gibt.

HI-Virus hat seinen Ursprung beim Affen

Nach heutigem Kenntnisstand ist das Virus ursprünglich ein Erreger von Schimpansen und verbreitet sich seit 1984 in der ganzen Welt. Das HI-Virus schleust sich in menschliche Helferzellen im Immunsystem ein. Dort zerstört es die Zellen, die für die Immunabwehr zuständig sind und produziert stattdessen weitere HI-Viren. Das führt dazu, dass der Mensch für allerlei Krankheiten anfällig wird, unter anderem Pilzerkrankungen oder Krebs.

Betroffene können heutzutage gut behandelt werden – eine einzige Tablette täglich sorgt sogar dafür, dass sie nicht mehr ansteckend sind. Virologe und HIV-Forscher Prof. Hendrik Streeck: "HIV ist eine Erkrankung – wenn sie früh behandelt wird und dann auch dauerhaft Medikamente eingenommen werden, haben die Menschen eine fast normale Lebenserwartung."

Hoffnung auf einen HIV-Impfstoff

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Aktuell sind etwa 38 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert.
© Getty Images/iStockphoto, ThitareeSarmkasat

Ein großer Fortschritt in der Forschung, denn gerade zu Beginn der Epidemie mussten Menschen, die das HI-Virus in sich trugen, eine Handvoll Tabletten täglich nehmen. Und das zu bestimmten Uhrzeiten, teilweise auch nachts. Diese Zeiten sind zwar vorbei. Trotzdem kann sich die sexuell übertragbare Krankheit auch heute noch nahezu ungehindert ausbreiten – vor allem in den ärmeren Entwicklungsländern, in denen die Medikamentenversorgung nicht vergleichbar ist mit der in Deutschland. Deshalb hofft die Welt bei aktuell 38 Millionen Infizierten auf einen Impfstoff gegen das Virus. Warum es nach fast 30 Jahren endlich Hoffnung auf einen Impfstoff gegen HIV gibt, sehen Sie im Video.

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HIV-Infizierte leiden oft unter Vorurteilen

Weil viele Menschen gut therapiert mit dem Virus leben können, leiden Betroffene häufig auch unter Vorurteilen, sie trügen den sicheren Tod in sich. Auch Jean-Luc Tissot aus Braunschweig hat mit diesem Irrglauben zu kämpfen. Er ist inzwischen 74 Jahre alt und bekam 1987 die Diagnose: HIV-positiv. Sein damaliger Partner trennte sich in der schwersten Zeit von ihm. Heute geht es dem Rentner gut.

Sein Ehemann Jürgen Bittner steht bedingungslos zu ihm. Er gibt zu, auch er habe sich bei dem Kennenlernen erst einmal Sorgen um sein eigenes Leben gemacht: "Natürlich hatte ich Angst. Aber Angst können wir nicht durchbrechen mit Mauern, sondern mit Mut, durch Verstand und Vernunft durch angemessenes Handeln." Die beiden sind seit 30 Jahren ein glückliches Paar.

Lieferketten für HIV-Medikamente durch Corona teils unterbrochen

Virologe und HIV-Forscher Prof. Hendrik Streeck weiß, welche Folgen unterbrochene Lieferketten in Zeiten der Corona-Pandemie für HIV-Infizierte haben könnte: "Wenn die [Infizierten] nur einen Monat keine Medikamente bekommen, können sich Resistenzen bilden und sie können auch versterben, wenn sie länger nicht therapiert werden. Daher ist es wichtig, dass Lieferketten nicht abbrechen und sie weiter therapiert werden."

Laut aktuellen Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO könnte es fast eine halbe Millionen mehr Aids-Tote im südlichen Afrika geben, wenn die Lieferketten nur einen Monat unterbrochen wären.

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