Harter Lockdown gegen Infektionszahlen: "Es bleibt nur noch der Holzhammer"

Virologe Drosten: Doppel-Mutation aus Indien kein Grund zur Beunruhigung

Der Berliner Virologe Christian Drosten blickt besorgt auf die steigenden Infektionszahlen.
Der Berliner Virologe Christian Drosten blickt besorgt auf die steigenden Infektionszahlen.
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01. April 2021 - 10:50 Uhr

Drosten: Lockdown nötig, um Zahlen zu drücken

Die Zahlen steigen, es scheint kein Ende der dritten Infektionswelle in Sicht zu sein. Der Berliner Virologe Christian Drosten mahnt deswegen schärfere Maßnahmen an. "Ich glaube, es wird nicht ohne einen neuen Lockdown gehen, um diese Dynamik, die sich jetzt ohne jeden Zweifel eingestellt hat, noch einmal zu verzögern", sagte der Charité-Wissenschaftler im NDR-Podcast "Coronavirus-Update". Die Situation sei "sehr ernst und sehr kompliziert". Aber Drosten macht auch Hoffnung: Die sogenannte Doppel-Mutation aus Indien sei kein Grund zur Beunruhigung.

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Virologe fordert Kontaktreduzierung

Deutschland habe viel verpasst an Gelegenheiten, die Werkzeuge zu optimieren. "Ich habe das Gefühl, dass wir eigentlich im Moment immer noch die gleichen Werkzeuge benutzen müssen, die wir schon in der ersten Welle benutzt haben." Es bleibe nur noch der Holzhammer, der Lockdown.

"Es ist klar, es müssen die Kontakte reduziert werden." Dazu zählten der Privatbereich, der Erziehungs- und Bildungsbereich sowie die Arbeitsstätten. "Da gibt es viele wissenschaftliche Beiträge, die jetzt auch auf Deutschland bezogen sind." Es sei falsch, wenn gesagt werde, man wisse ja noch gar nicht, wo das Virus übertragen wird. Wenn es zu einer hohen Inzidenz komme, werde die Bevölkerung ganz von selbst gegensteuern mit entsprechenden Schäden. "Dann ist wirklich ein Schaden auch für die Wirtschaft gesetzt."

Zahl der britischen Mutationen steigt

Die Vorhersage der Modelle für die dritte Corona-Welle sei leider durch die Natur noch überschritten worden, sagte Drosten. "Wir haben einen noch früheren Beginn bekommen, als die Modelle das vorausgesagt haben." Noch in dieser Woche werde die Zahl der Nachweise der britischen Variante B.1.1.7 über 90 Prozent erreichen. "Das ist natürlich alles andere als beruhigend." Die Variante B.1.1.7 sei zudem eindeutig krankmachender und tödlicher als das Ursprungsvirus.

Die in Südafrika und in Brasilien entdecken Varianten lägen in Deutschland immer noch im Bereich von ein Prozent oder niedriger. "Die haben sich überhaupt nicht vermehrt." Beide können dem Immunsystem entweichen. Ihr Anteil sei so niedrig, weil es in Deutschland keine Bevölkerungsimmunität gebe. "Diese Varianten kommen nur dann hoch, wenn wir in der Bevölkerung schon eine Immunität haben. Sonst profitieren die nicht von ihren Mutationen."

Verbreitung der Coronavirus-Varianten nach Bundesland

Indische Mutante: Kein Grund zur Beunruhigung

Kein Grund zur Beunruhigung sieht Drosten bei der sogenannten Doppel-Mutation, die in Indien grassiert. Die Variante trage keine Kreuzung zweier Mutationen, sondern zwei gemeinsam auftretende Mutationsmerkmale. Es gebe andere Varianten des Coronavirus, die sogar drei oder vier solcher Merkmale tragen.

"Es ist relativ wahrscheinlich, dass auch dieses eine Mutante mit einem leichten Immun-Escape ist", sagte Drosten. Bedeutet: Die Mutante kann den Antikörpern des Immunsystems zum Teil entgehen – die Impfstoffe wirken nicht so gut, wie bei der Ursprungsvariante des Virus. Aber: Drosten rechne damit, dass ohne viel Aufwand bereits im Herbst neue, angepasste Impfstoffe auf den Markt kommen, die auf die meisten Mutanten reagieren. Mit dem Impfstoff-Update könne man vor allem Risikopatienten nachimmunisieren.

Quelle: dpa/ RTL.de

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