Vermisstenfall Maddie McCann

Was wir über die Durchsuchung in Hannover wissen - und was nicht

01. August 2020 - 12:22 Uhr

Vermisstenfall Maddie McCann: Kleingarten in Hannover durchsucht

Madeleine "Maddie" McCann gilt seit 2007 als vermisst. Das damals dreijährige Mädchen soll aus einer Ferienanlage in Praia da Luz, Portugal, entführt worden sein – seitdem laufen die Ermittlungen. Anfang Juni gab die Staatsanwaltschaft Braunschweig bekannt, dass sie wegen Mordverdacht gegen einen 43-jährigen Deutschen im Fall Maddie ermittele: Christian B. In den letzten Tagen wurde eine Kleingartenkolonie bei Hannover-Ahlem und Seelze-Letter durchsucht. Was wir über die aktuelle Durchsuchung wissen – und was nicht.

Durchsuchung in Hannover: Das wissen wir

Am Dienstag (28. Juli) und Mittwoch (29. Juli) durchsuchte das Bundeskriminalamt einen Kleingarten zwischen Hannover-Ahlem und Seelze-Letter. Dass die Durchsuchung im Zusammenhang mit der vermissten Maddie McCann steht, bestätigte die Staatsanwaltschaft Braunschweig auf RTL-Anfrage.

Wonach genau die Ermittler in der Kleingartenparzelle gesucht haben, ist bislang noch nicht bekannt. Möglich ist, dass die Beamten nach verdächtigen Kleidungsstücken, Datenträgern oder gar Leichenresten gesucht haben. Denn: Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Maddie McCann tot ist. Bei der Durchsuchung mit Baggern, Mini-Raupe und Drohne waren zudem verschiedene Spürhunde im Einsatz, um die Beamten bei der Suche nach wichtigen Hinweisen zu unterstützen.

Angeblich sollen die Ermittler dabei einen unterirdischen Raum gefunden haben. Ein Journalist vor Ort berichtete im Gespräch mit RTL, dass er ein Stahlbetonfundament gesehen habe. Ein Ermittler sei mit einem Spürhund seitlich darunter gelaufen. Er vermutete darunter einen alten Kältekeller - diese habe es früher oft gegeben. Der Keller könnte zu einem Gartenhaus gehören, das früher auf dem Grundstück stand.

Beschreibung passt zu Christian B.

Wie die "Hannoversche Allgemeine" berichtet, hat laut einem direkten Parzellennachbarn zwischen 2005 bis etwa 2008 ein rothaariger Mann das jetzt durchsuchte Grundstück gemietet. Zum Ende dieses Zeitraums soll sich auch ein Unbekannter oft in der Parzelle aufgehalten haben. Womöglich Christian B.? Er kam nach seiner Rückkehr aus Portugal 2007 schließlich regelmäßig nach Hannover. Der Nachbar erkennt B. auf einem Foto nicht wieder, laut einer anderen Anwohnerin aus Letter handelte es sich allerdings tatsächlich um Christian B. Der Unbekannte soll zudem zwei Hunde und einen Campingbus gehabt haben – das war bei B. der Fall.

Außerdem soll Christian B. laut Informationen der "Deutschen Presse-Agentur" von Oktober 2013 bis April 2016 einen Kleingarten in Braunschweig gemietet haben. "Eigentlich war er unauffällig, er war immer freundlich und hat seine Gartenarbeit gemacht", sagte der Vorsitzende des Gartenvereins Kennelblick, Jürgen Krumstroh, am Mittwoch (30. Juli). "Ich war geschockt, als ich bei der neuen Fahndung nach Maddie im Frühjahr auf einmal sein Bild gesehen habe." Seltsam sei nur sein Abschied aus der Gartenkolonie gewesen. "Er hat mir nachmittags die Kündigung gebracht, ist in seinen vollgepackten, randvollen Kleinwagen gestiegen, und danach habe ich nie wieder was von ihm gehört." Über den Braunschweiger Kleingarten hatte zunächst die "Braunschweiger Zeitung" berichtet. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht dazu, ob Durchsuchungen auch in anderen Kleingärten geplant seien.

Im Video: Gehört der freigelegte Keller zu diesem Gartenhaus?

Rätsel um die Ermittlungen in Kleingartenkolonie

Trotz des großen Medienrummels in der Kleingartenkolonie – am Einsatzort versammelten sich unter anderem Fernsehteams und Fotografen aus Großbritannien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden – ist über die Ermittlungen in Hannover kaum etwas bekannt. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig will sich zum Schutz der laufenden Ermittlungen noch nicht äußern.

Auch ist unklar, welche Verbindung der verdächtige Christian B. zu der Kleingartenparzelle in Seelze-Letter. Wie der Pächter der Nachbarparzelle der "dpa" sagte, war das Grundstück zuletzt unbenutzt. Es befand sich kein Gartenhaus mehr darauf, auf dem Gelände wuchsen Brombeerbüsche und ein Kirschbaum. Vor Start der Arbeiten hatte die Polizei den Baum fällen und Buschwerk entfernen lassen. In den zwei Jahren, in denen er seine Parzelle nutze, habe er auf dem Nachbargrundstück niemanden gesehen, sagte der Pächter. Allerdings lebte und arbeitete Christian B. 2010 im nur wenige Kilometer entfernten Linden.

Im Video: Hier suchen die Ermittler nach Hinweisen im Fall Maddie

Hauptverdächtiger im Fall Maddie McCann: Christian B.

Christian B. steht im Fokus der Ermittlungen, im Juni wendete sich die Staatsanwaltschaft Braunschweig an die Öffentlichkeit. Der 43-Jährige, der zuletzt in Braunschweig gemeldet war, lebte zum Zeitpunkt von Maddies Verschwinden in Portugal. Derzeit sitzt er in Kiel eine Strafe ab, die 2011 das Amtsgericht Niebüll gegen ihn verhängte. Dabei ging es um den Handel mit Drogen. Die Haft soll im Frühjahr 2021 enden, allerdings hat B. eine lange kriminelle Karriere hinter sich. So soll er in der Vergangenheit bereits unter anderem wegen Vergewaltigung, sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie Diebstahls verurteilt worden sein.

TVNOW-Doku: Der Fall Maddie - haben sie endlich den Richtigen?

Hat die Polizei diesmal endlich den richtigen Tatverdächtigen? Lässt sich der Fall jetzt endlich aufklären? Mehr dazu sehen Sie in der TVNOW-Doku "Der Fall Maddie – haben sie endlich den Richtigen?".