Kein Test-Paar vermeldete eine Schwangerschaft

Geht doch! Schwedische Forscher erproben erfolgreich Verhütungsgel für den Mann

Kommt das Verhütungsgel für den Mann? Pharma-Industrie und das vermeintlich starke Geschlecht tun sich schwer.
Kommt das Verhütungsgel für den Mann? Pharma-Industrie und das vermeintlich starke Geschlecht tun sich schwer.
© @ Smiljana Aleksic (@ Smiljana Aleksic (Photographer) - [None], iStock, Smiljana Aleksic

01. April 2021 - 12:21 Uhr

Viele Frauen wollen Nebenwirkungen nicht mehr in Kauf nehmen

Seit nunmehr 60 Jahren ist die Antibabypille bereits auf dem Markt. Während das Präparat zu seiner Entstehungszeit als Sensation galt, steht es heute teilweise massiv in der Kritik. Denn die Einnahme von Hormonen bringt Nebenwirkungen und teilweise ein erhöhtes Thromboserisiko mit sich. Die wollen viele Frauen nicht mehr in Kauf nehmen. Und fordern bessere Verhütungsmethoden, auch für ihn. Forscher aus Schweden haben nun Zwischenergebnisse zu einem Verhütungsgel für den Mann präsentiert.

420 Paare nahmen weltweit an der Erprobung teil

In den USA und auch in Schweden wird schon länger an Verhütungsgels für den Mann geforscht. Die schwedischen Forscher um WHO-Beraterin und Professorin Kristina Gemzell Danielsson haben nun ein Zwischenergebnis präsentiert, berichtet der schwedischen TV-Sender SVT. 420 Paare nahmen weltweit an der Erprobung des Verhütungsgels teil. Es wird auf Schultern und Oberarmen aufgetragen und enthält die Hormone Nestoron und Testosteron. Nestoron soll die Spermienproduktion stoppen, das Testosteron dafür sorgen, dass der Mann nicht die Lust verliert.
Das Ergebnis nach fast einem Jahr: keine ungewollten Schwangerschaften.

Studien in Bezug auf Sicherheit und Nebenwirkung bereits abgeschlossen

Studienleiterin Danielsson sagte dem Sender: "Wir haben bereits Studien in Bezug auf Sicherheit und Nebenwirkungen durchgeführt, aber jetzt möchten wir wirklich sehen, dass es als Verhütungsmittel wirkt, wenn es im wirklichen Leben angewendet wird."

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Bei ungewollter Schwangerschaft in erster Linie die Frau betroffen

Die Entwicklung eines neuen Verhütungsmittels für Männer wird in ihren Augen durch die Tatsache erschwert, dass im Falle einer ungewollten Schwangerschaft nicht der Mann in erster Linie für die Folgen verantwortlich ist. "Bei Methoden für Frauen reicht es aus, dass die Frau in die Studie einbezogen wird. Aber wenn es um Methoden für Männer geht, muss das Paar einbezogen werden, denn wenn es fehlschlägt, wird die Frau schwanger", sagte Gynäkologin.

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Interesse der Pharmaindustrie gering

Doch bis das Produkt marktreif ist, könnte noch viel Zeit vergehen. Der Grund: Die Studie wird nicht von einem Pharmaunternehmen finanziert, sondern vom US-amerikanischen Gesundheitsministerium. Denn das Interesse der Pharmaindustrie sei sehr gering. "Es könnte in fünf bis sieben Jahren sein, wenn Interesse besteht", sagte Studienleiterin Danielsson. "Aber wenn ich realistisch sein will, denke ich, dass es länger dauern wird." Immerhin: Es erwies sich als einfach, Teilnehmer für die Studie zu finden.

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