Hormonfreie Verhütungsmethoden

Pille abgesetzt - wie verhüte ich jetzt?

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3. Juni 2019 - 10:09 Uhr

Welche hormonfreien Alternativen taugen was?

Kondom, Spirale, Pflaster, Spritze, Pille … die Liste der Verhütungsmethoden ist lang. Manche mit Hormonen, andere ohne. Was aber, wenn man den Hormonen abschwören will? Welche hormonfreien Verhütungsmethoden gibt's eigentlich? Und welche taugen was? Vor diesen Fragen stehen viele Frauen, die den Hormonen überdrüssig wurden. Wir haben mit der Gynäkologin Doktor Irmgard Zierden aus Köln über Alternativen ohne Hormone gesprochen.

von Jasmin Bergmann

Irgendwie hat man aber das Gefühl: So eine richtig gute hormonfreie Alternative gibt es nicht. Das bestätigt auch Irmgard Zierden, Gynäkologin in Köln: "Es hatte ja seinen Grund, weshalb die Pille vor 55 Jahren entwickelt wurde." Leider ist es auch heute noch so, dass die Pille allein an der Spitze der absolut sicheren Verhütungsmittel steht. Wieso es die Pille für den Mann noch nicht gibt, versteht auch sie nicht. Sie sieht darin ein gesellschaftliches Problem, dass Männer mehr Verantwortung für die Verhütung übernehmen müssen. Doch bis dahin, ist es (leider) noch Frauensache, eine Schwangerschaft zu vermeiden.

Daher nützt alles Gemecker nichts. Eine Lösung muss her und eine hormonfreie noch dazu. Wir haben uns die vier gängigsten Mal genauer angeschaut. Der Pearl-Index erleichtert den Vergleich zwischen den verschiedenen Methoden. Der Wert gibt an, wie viele von 100 Frauen mit dieser Verhütung innerhalb eines Jahres schwanger wurden. Je niedriger die Zahl, desto besser.

1. Diaphragma

Hormonfreie Verhütungsmethode Diaphragma
Die Vor- und Nachteile vom Diaphragma.
© RTL Interactive, Jasmin Bergmann

Diese Methode findet Gynäkologin Irmgard Zierden am empfehlenswertesten. "Wenn das Diaphragma richtig angewandt wird, ist es sehr sicher", sagt die Ärztin. Das Verhütungsmittel ist wie eine kleine Schale, die den Gebärmutterhals bedeckt. Es wird in Verbindung mit einer Spermiziden Creme verwendet. Bis zu zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr muss das Diaphragma in die Vagina eingeführt werden. Und bis zu 12 Stunden danach muss es dort auch bleiben. Hat man in dieser Zeit ein weiteres Mal Sex, einfach nochmal die Creme auftragen. Frauen können sich ein Diaphragma individuell anpassen lassen und dieses dann für mindestens zwei Jahre verwenden.

2. Kupferspirale

Kupferspirale als hormonfreie Verhütungsmethode
Die Vor- und Nachteile der Kupferspirale.
© RTL Interactive, Jasmin Bergmann

Die Kupferspirale ist eine sichere Methode, sofern sie richtig sitzt und nicht verrutscht ist. Das Gute ist, dass sie den Eisprung nicht unterdrückt und somit nicht in den weiblichen Zyklus eingreift. Allerdings kann es so zu einer Eileiterschwangerschaft kommen. "Das passiert zwar sehr selten, kann aber durchaus passieren", sagt Zierden. Die Gynäkologin rät, dringend einen Arzt aufzusuchen, wenn die Periode schon eine Woche ausbleibt und man Schmerzen im Unterleib hat.

Anstatt der Kupfer-, empfiehlt die Ärztin lieber die Hormonspirale. Diese Methode ist dann zwar nicht mehr hormonfrei, aber: "Die Gelbkörperhormone befinden sich nur im Gebärmutterbereich und nicht beispielsweise auch in der Brust, wie bei der Pille", erklärt Zierden. Außerdem gibt es mittlerweile die Hormonspirale auch für junge Frauen. Diese hält dann drei anstatt fünf Jahre.

Die Gynäkologin setzt bei ihren Patientinnen die Spirale am liebsten unter einer leichten Narkose ein, wie bei einer Darmspiegelung. Denn das Einsetzen kann äußerst schmerzhaft sein.

Mehr zu diesem hormonfreien Verhütungsmittel und welche Verhütungsmittel aus Kupfer es noch gibt, finden Sie hier.

3. Klassisches Kondom

Kondom als hormonfreie Verhütungsmethode
Die Vor- und Nachteile des klassischen Kondoms.
© RTL Interactive, Jasmin Bergmann

Das wohl gängigste Verhütungsmittel ist das Kondom. Doch wie sicher ist es wirklich? "Die Wahrscheinlichkeit ist nicht hoch, dass es reißt, sondern eher, dass es sich abrollt oder verrutscht", sagt Zierden. Daher kann sie es nur als hormonfreie Verhütung empfehlen, wenn die Frau weiß, wann sie ihre fruchtbaren Tage hat. An diesen empfiehlt die Ärztin dann eine zusätzliche Verhütung, wie beispielsweise das Diaphragma oder die Spermiziden Creme.

4. Natürliche Familienplanung (NFP)

Natürlliche Familienplanung als hormonfreie Verhütungsmethode
Die Vor- und Nachteile von NFP.
© RTL Interactive, Jasmin Bergmann

Diese Verhütungsmethode eignet sich wunderbar, um den eigenen Körper besser kennenzulernen. Allerdings bedarf es dafür viel Übung, Disziplin und ein gutes Auge. Denn hierbei werden verschiedene Faktoren am weiblichen Körper beobachtet und notiert: der Ausfluss, die Körpertemperatur, der Muttermund und und und. Anhand dessen kann frau dann bestimmen, wann ihre furchtbaren Tage sind und wann sie verhüten muss.

Gynäkologin Irmgard Zierden findet diese Methode gut, "sofern die Frau ein gutes Körpergefühl und einen regelmäßigen Zyklus hat." Da junge Frauen meist noch einen sehr unregelmäßigen Zyklus haben, eignet sich diese Vehrütungsmethode vermehrt für Frauen ab 19 Jahren. Ab diesem Zeitpunkt ist nämlich mit einer Regelmäßigkeit zu rechnen.

Wichtig zu wissen: Der durchschnittliche Zyklus einer Frau dauert 28 Tage. Am 14. Tag erfolgt der Eisprung. Eine Frau kann nur an fünf Tagen innerhalb eines Zykluses schwanger werden. Ein Ei lebt bis zu 11 Stunden in der Gebärmutter. Sperma kann dort jedoch bis zu fünf Tage überleben. Heißt also, dass spätestens fünf Tage vor dem Eisprung verhütet werden muss.

Im Video: Wie funktioniert der Verhütungscomputer

Eine weitere Möglichkeit, hormonfrei zu verhüten ist der Verhütungscomputer. Was steckt hinter dem kleinen elektronischen Gerät und kann der Verhütungscomputer tatsächlich zuverlässig eine Empfängnis verhindern? Im Video verraten wir Ihnen alles, was sie zu dem Wundergerät wissen müssen.

Auch unsere Redakteurin wollte keine Hormone mehr nehmen

Redakteurin Jasmin hat die Anti-Baby-Pille abgesetzt. Nicht etwa, um schwanger zu werden – nein. Sondern um sich selbst besser kennenzulernen. Acht Jahre lang schluckte sie die kleine Pille, ohne sich Gedanken über die Nebenwirkungen zu machen. Denn wie ihre Freundinnen auch, versprach sie sich viel von den Hormonen: Ein schöneres Hautbild, größere Brüste, keine überraschenden Blutungen mehr und natürlich eine sichere Verhütung. All das trat ein, doch auch leider noch so viel mehr. Was ihre Beweggründe waren und wie es ihr nach dem Absetzen geht, erfahren Sie im Beitrag.